Kirchheim. Unter einem weißen Pavillon vor der Kirchheimer Stadtbücherei ist eine kleine Reparaturwerkstatt aufgebaut. Davor stehen etliche Radfahrer mit ihren Drahteseln Schlange. „Rad-Check“ heißt das Angebot, das die Stadt Kirchheim für ihre Bürgerinnen und Bürger organisiert hat. Zwei Fahrrad-Profis nehmen den ganzen Tag über Mountainbikes, E-Bikes, Kinder- und Tourenräder unter die Lupe und nehmen kostenlos kleinere Reparaturen vor.
Das Ganze funktioniert ohne Termin. „Ich bin vorhin hier vorbeigelaufen und habe gleich mein Fahrrad geholt“, sagt ein Kirchheimer, der von dem Termin nichts wusste und sich jetzt umso mehr freut. „Mein Fahrrad macht immer so ein klack-klack-Geräusch“, sagt er. Nachdem Rad-Profi Liam Lyons die Schaltung neu eingestellt hat, klackert nichts mehr. Lyons schaut auch nach den Bremsen, der Beleuchtung, prüft, ob die Achsenmuttern angezogen und keine Speichen gebrochen sind. „Sicherheit ist das Hauptaugenmerk“, sagt der junge Mann, der in diesem Sommer als „Rad-Checker“ in ganz Baden-Württemberg unterwegs ist. Kette ölen und Reifen aufpumpen gehört ebenfalls zum Standard-Programm. „Fast alle haben zu wenig Luft in den Reifen“, sagt er.
In Kirchheim kommt das Angebot gut an. Die Schlange wird nicht kleiner, obwohl man sich unter den herbstlichen Kastanienbäumen vor den stacheligen Früchten in Acht nehmen muss. Dass so viele kommen, sei nicht überall so, sagt Liam Lyons. „In manchen Städten haben wir auch zu wenig zu tun“. Die Kirchheimer, die vor der Stadtbücherei ihr frisch geprüftes Rad in Empfang nehmen können, sind jedoch froh und dankbar. „Ich finde das toll hier“, sagt eine Frau. „Da wirft man gerne was ins Kässchen“. Sie sei technisch unbegabt und mache mit dem Fahrrad nichts, außer es zu fahren, sagt sie lachend. In eine Werkstatt gehe sie selten, vielleicht zu selten. „Das kann sich aber auch nicht jeder leisten“, gibt die Kirchheimerin zu bedenken.
Der „Rad-Check“ ist ein Angebot der Initiative RadKULTUR Baden-Württemberg.

