Kirchheim. Unter dem Jahresmotto „Feuer, Erde, Wasser, Luft“ präsentiert der Literaturbeirat der Stadt Kirchheim im ersten Halbjahr 2026 ein vielseitiges Programm, das die symbolische Kraft dieser vier Elemente mit der literarischen Perspektivenvielfalt zeitgenössischer Autorinnen und Autoren verbindet. Die ausgewählten Werke erzählen von Aufbruch, Herkunft, innerer Wandlung und gesellschaftlichen Strömungen – vier Blickrichtungen, in denen sich die Motive des Jahresmottos widerspiegeln.
Den Auftakt bildet am Sonntag, 11. Januar, um 11 Uhr die Lesung von Moritz Heger im Literarischen Museum im Max-Eyth-Haus. In seinem Werk „Die Zeit der Zikaden“ erzählt Heger von zwei sehr unterschiedlichen Menschen, die mitten im Leben den Mut finden, vertraute Wege zu verlassen. Alex bricht nach dem Ruhestand mit einem Tinyhouse ins Ungewisse auf, während Johann in einem geerbten ligurischen Steinhaus die Chance auf einen Neuanfang sucht. Heger erzählt feinfühlig von Sehnsuchtsorten, Wendepunkten und der Frage, wie viel Abenteuerkraft in einem neuen Lebensabschnitt liegen kann.
Am Sonntag, 15. Februar, um 11 Uhr stellt Johannes Hucke in der Stadtbücherei Kirchheim sein Werk „Dragoner wider das Morgenlicht“ vor. Das groteske, bildmächtige Epos führt in ein nebelverhangenes Mittelgebirge, in dem eine Großfamilie seit Jahrhunderten in skurrilen Traditionen, hartnäckigen Ängsten und einer Liebe zum Unwirtlichen verharrt. Als ein junger Schweinehirte in die Großstadt entsandt wird, prallen archaische Welten und moderne Ideale aufeinander. Huckes sprachpoetische Parabel entfaltet zugleich Humor, Sozialkritik und eine überraschende Zärtlichkeit für Außenseiterfiguren.
Am 15. März um 11 Uhr liest Iris Lemanczyk aus ihrem Buch „Mariams Farben“ in der Stadtbücherei Kirchheim. Die Autorin nimmt ihr Publikum im Rahmen der Frauenkulturtage mit auf die Lebensreise der armenischen Künstlerin Mariam Aslamazyan. Darin schildert sie den Kampf einer Frau, die trotz politischer Verfolgung, Enteignung und wiederholten Ausschlusses von der Kunsthochschule ihren Weg zur Ausbildung findet – am Ende sogar mit Unterstützung von Lenins Witwe. Lemanczyk zeichnet das Porträt einer mutigen Künstlerin, die es gegen alle Widerstände zur gefeierten sowjetischen Vorzeigekünstlerin bringt.
Am 12. April um 11 Uhr folgt in der Stadtbücherei Kirchheim ein Vortrag von Dr. Volker Sack über das Leben und Werk der französischen Schriftstellerin Irène Némirovsky. Als Jugendliche aus Kiew nach Paris emigriert, wurde sie eine gefeierte Romanautorin, bevor sie 1942 von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurde. Besondere Aufmerksamkeit gilt ihrem unvollendeten letzten Manuskript, das 2004 – Jahrzehnte nach ihrem Tod – wiederentdeckt und weltweit zum literarischen Ereignis wurde. Dr. Sack zeichnet ein facettenreiches Bild dieser außergewöhnlichen Autorin, ihrer Themen, ihres Stils und ihrer späten Renaissance.
Unter dem Titel „Der Nachlass von Erich Kästner“ gibt Dr. Ulrich von Bülow am 10. Mai um 11 Uhr in der Stadtbücherei Kirchheim Einblicke in die Arbeitswelt des berühmten Autors, der Zeuge der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen wurde und dennoch in Berlin blieb, anonym weiterschrieb und heimlich Tagebuch führte. Viele dieser Dokumente, darunter das unveröffentlichte Tagebuch, werden heute im Deutschen Literaturarchiv Marbach aufbewahrt. Der Vortrag findet im Gedenken an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 statt und rückt den Schriftsteller als Chronisten seiner Zeit ins Bewusstsein.
Am 14. Juni um 11 Uhr folgt eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Kommunalen Kino Kirchheim im Kino in der Max-Eyth-Straße 1. Das Programm wird noch bekannt gegeben.
Den Abschluss des Halbjahres bildet am Sonntag, 12. Juli, ein Ausflug zum Eislinger Poetenweg mit der Eislinger Schriftstellerin und Lyrikerin Tina Stroheker, die den Teilnehmenden den poetischen Spazierweg im Rahmen einer Führung persönlich näherbringen wird.
Für alle Veranstaltungen ist eine Anmeldung unter 0 70 21/50 23 77 oder per E-Mail an museen@kirchheim-teck.de erforderlich. Der Programmflyer steht unter www.kirchheim-teck.de/museen zum Download bereit. pm

