Die Straßenlaternen werfen grelles Licht auf den Kirchheimer Marktplatz. Zwischen den Transportern ist es geschäftig, Boxen werden ausgeladen, Wagen rangieren, Planen werden gespannt. Der Regen hat fast aufgehört. Es ist kurz nach sechs Uhr, und der Wochenmarkt nimmt Form an.

Die Ruhe vor dem Markt
Neben dem Brunnen, unter einem der Bäume, steht Pavlos Kourtidis. Vor ihm stapeln sich Clementinen, Ananas, Kisten mit Weintrauben und die letzten Oktober-Pfirsiche frisch aus Sizilien. Sein Stand trägt den Namen Antichi Sapori. Der Rentner trägt eine dunkle Mütze, die Jacke ist feucht vom Regen. Seit fünf Uhr ist er hier, um sechs steht alles bereit. „Normalerweise stehe ich um vier Uhr auf, ich hab’s ja nicht weit aus Dettingen“, sagt er. Die Geräusche hält er so gering wie möglich. „Die Nachbarn schlafen noch.“ Erst ab Viertel vor fünf darf offiziell aufgebaut werden. Er beginnt mit den Schirmen, dann folgt das Stangengerüst für die Tische, zuletzt legt er die Platten auf. Rund vierzig Minuten dauert das, wenn nichts dazwischenkommt. „Das kommt auch aufs Wetter an. Wenn’s regnet, hast du mehr Arbeit, Seile anbinden, lauter so Kleinigkeiten.“
Marktfreundschaften
Kourtidis ist gerne etwas früher fertig, damit er den Sprinter, in dem er sein sonnengereiftes Obst und Gemüse anfährt, für seine Standnachbarin Martina Bischof wegfahren kann. Sie kommt aus Nellingen und bringt ihren Kühlsprinter mit, gefüllt mit Käse und Feinkost aus verschiedenen Regionen Europas. Rund anderthalb Stunden braucht sie mit ihren beiden Angestellten, bis die „Allgäuer Käsehütte“ steht, inklusive gekühlter Theke, Dekoration und allem, was zu ihrem Käsefachmarkt gehört. Die beiden sind auch in Göppingen Standnachbarn.

Eingespielt seit Jahren
Kourtidis erkennt die Händler schon an den Autos, bevor sie auf den Platz fahren. „Er mit den großen, braunen Säcken, die Brote sind sogar noch warm. Und wirklich sehr lecker“, sagt er und deutet quer über den Marktplatz. Zwischendurch ruft ihm jemand zu, er winkt, lacht kurz, rückt den Schirm zurecht. Seit drei Jahren steht er in Kirchheim, immer am selben Platz. Nur während Bier- oder Weinfest müssen sie ausweichen. Kourtidis kümmert sich um Auf- und Abbau des Stands, den Verkauf übernehmen später seine Schwiegertochter Francesca Deotto oder deren Schwester. Kurz vor sieben geht er zum Bäcker, holt einen Espresso für sich und etwas Verpflegung für seine Schwiegertochter.

Vom Aufbau zum Verkauf
Gegen sieben kommt Deotto und löst ihren Schwiegervater ab, ein paar wenige Sätze zur Übergabe, dann läuft alles wie immer. Sie steckt sich eine Strähne hinters Ohr, richtet die Kisten und beginnt, Preisschilder zu schreiben. Orangen, Trauben, Mandarinen – alles hat seinen Platz. Seit 2005 steht sie auf Wochenmärkten, in Kirchheim seit 2018. „Es war gar nicht so einfach, hier einen Platz zu bekommen“, sagt sie. „Man wartet lange, bis irgendwo etwas frei wird.“ Heute gehört sie mit ihrer Schwester fest zum Marktbild. Während sie die Melonen halbiert, lacht sie mit den Nachbarn und begrüßt die ersten Kundinnen und Kunden, die pünktlich um sieben auf den Markt schlendern.
Ich bin Frühaufsteherin und sehe einfach gerne die Sonne aufgehen.
Martina Bischof von der „Allgäuer Käsetheke“ steht um 4 Uhr auf

Vertraute Gesichter an der Theke
Auch an der „Allgäuer Käsehütte“ steht inzwischen der erste Kunde. Martina Bischof begrüßt ihn mit einem kurzen Lächeln, die beiden kennen sich seit Jahren. Während sie ein Stück Käse abschneidet, redet sie über Sorten und Reifezeiten. In der Theke liegen große Räder aus dem Allgäu, daneben Ziegenkäse, Feigenkäse, Sorten mit Steinpilz oder Kürbis, alles passend zur Jahreszeit. Bischof legt Wert darauf, dass ihre Auslage nicht nur vollständig, sondern auch einladend ist. „Andere bieten ja auch saisonal andere Sachen an. Mir ist wichtig, dass wir da ebenfalls Abwechslung reinbringen“, sagt sie und steckt ein neues Schild in die Theke. Seit Jahrzehnten beginnt ihr Tag früh. „Ich stehe immer um vier auf“, sagt sie. „Ich bin Frühaufsteherin und ich seh einfach gern die Sonne aufgehen.“

Der Markt erwacht
Über den Platz hinweg mischen sich jetzt die Stimmen. Zwischen den Ständen riecht es nach Brot und Käse, vom Regen sind nur noch Pfützen übrig. Das metallische Rattern der Rollwagen wird seltener, ersetzt vom Stimmengewirr der Kundschaft. Menschen beugen sich über die Auslagen, Tüten rascheln, Stimmen überlagern das Klirren. Zwischen den Ständen ist jetzt ständig Bewegung.


