Kirchheim
Freundin des Opfers berichtet von Drohungen

Prozess Einem 38-jährigen Kirchheimer werden vor dem Stuttgarter Landgericht schwere Gewalttaten vorgeworfen.

Symbolbild

Kirchheim. Mehrfache Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung, Bedrohungen, sexuelle Nötigungen – einem 38-jährigen Litauer aus Kirchheim werden vor dem Stuttgarter Landgericht eine ganze Liste gravierender Gewalttaten gegen seine Lebensgefährtin vorgeworfen. Am vierten Prozess­tag berichtete eine Freundin des Opfers von Drohungen des Angeklagten, falls man sich an die Polizei wendet.

Seit dem 3. April verhandelt die 5. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht gegen den 38-Jährigen. Er soll laut der Auflistung der Staatsanwaltschaft im Oktober vergangenen Jahres in der gemeinsamen Kirchheimer Wohnung zahlreiche Gewalttaten gegen seine damalige Lebensgefährtin verübt und die Frau dabei erheblich verletzt haben. Darunter fünf Vergewaltigungen, gefährliche Körperverletzungen und Todesdrohungen. Die zusätzlich gegen ihn vorgeworfenen Sexualstraftaten seien, so die Anklage, „besonders erniedrigend für das Opfer“ gewesen, darunter auch lebensgefährdende Taten.

Freundin im Zeugenstand

Nun haben die Stuttgarter Richter eine Freundin des Opfers in den Zeugenstand gerufen. Eine 41-jährige Kindergärtnerin, mit der die Frau eng befreundet war und ihr auch von den Misshandlungen und Vergewaltigungen des Angeklagten erzählt haben soll. Die Zeugin berichtet nur das, was ihr die Frau mitgeteilt habe. Demnach sei sie mehrfach vom Beschuldigten brutal vergewaltigt worden. Schläge und schmerzhafte Sexualpraktiken habe sie über sich ergehen lassen müssen. Doch man habe über das Geschehen Stillschweigen vereinbart, weil der Angeklagte nicht nur seiner Lebensgefährtin mit dem Tod gedroht habe, falls sie zur Polizei ginge, sondern auch Drohungen gegen die Zeugin ausgesprochen hätte.

Der Angeklagte schilderte in der Verhandlung, dass er nach einer gescheiterten Ehe im Jahr 2018 nach Deutschland gekommen war und hier bei einer Kirchheimer Firma auf dem Bau gearbeitet habe. Im Juni vergangenen Jahres habe er die Frau kennengelernt, am 9. Oktober habe die Frau die Beziehung mit ihm beendet.

Nachdem der 38-Jährige berichtete, seit dem 16. Lebensjahr alkoholabhängig zu sein und auch Drogen konsumiert zu haben, hat das Gericht einen Sachverständigen hinzugezogen. Auch eine Gerichtsmedizinerin wird noch im Laufe des Verfahrens über die schweren Verletzungen des Opfers Bericht erstatten. Der weitere Prozess ist auf den 6. Juni vertagt worden. Am 11. Juni will die 5. Strafkammer das Urteil verkünden. Bernd Winckler