Nea Kouba und ihre Freundin Lisa Schick haben sich auf Fuchsjagd begeben – allerdings nicht ganz freiwillig. Als die beiden Schülerinnen des Kirchheimer Schlossgymnasiums am Dienstag nach Schulschluss auf dem Heimweg an der kleinen Grünfläche zwischen Teckkeller und dem Rauner-Campus vorbeikamen, staunten sie nicht schlecht. „Wir haben dort eine ziemlich aufgebrachte ältere Frau vorgefunden – und vor ihr einen Fuchs“, berichtet Nea Kouba. „Die Frau hatte kein Handy und hat mich gebeten, Hilfe zu holen.“ Als erstes rief Nea Kouba beim Tierheim an – allerdings ohne Erfolg. „Deshalb habe ich mich an das Kirchheimer Polizeirevier gewandt“, erzählt die Achtklässlerin.
Jagdpächter oder Polizei helfen weiter
Eine richtige Entscheidung, wie German Kälberer von der Jägervereinigung Kirchheim bestätigt. „Erste Ansprechpartner in Sachen Wildtiere sind der örtliche Jagdpächter oder der Wildtierbeauftrage des Landkreises Esslingen“, sagt er. Wer deren Nummern nicht hat oder dort niemanden, sei bei der Polizei aber immer an der richtigen Adresse.
Schnell nahte dann auch Hilfe – von der Polizei, aber auch von Teckkeller-Wirt Udo Kälberer. „Als ich dazukam, waren die beiden Schülerinnen gerade dabei, dem Fuchs den Weg mit ihren Fahrrädern abzuschneiden, damit er nicht auf die Straße rennt“, berichtet der Gastronom. „Den Jagdpächter hatten die Polizisten zu dem Zeitpunkt noch nicht erreicht.“ Also nahm Udo Kälberer die Sache selbst in die Hand. Er holte eine Schnur mit einer Schlinge und seine Hunde-Transportbox.

Mit vereinten Kräften machten sich der Gastronom, Nea Kouba, Lisa Schick und die Polizeibeamten dann auf die außergewöhnliche Jagd. „Wir haben den Fuchs in die Schlinge laufen lassen und ihn in die Box gezogen“, erzählt Nea Kouba, wie es ihnen schließlich gelang, das Tier zu fangen.
„Füchse gibt es in der Stadt jede Menge“, sagt German Kälberer. „Dass man einen aber tagsüber sieht und auch noch fangen kann, ist sehr ungewöhnlich.“ Der Kirchheimer Kreisjägermeister glaubt, dass der Fuchs sehr jung gewesen sein muss – oder krank. An Tollwut denkt er dabei nicht: „Deutschland gilt als tollwutfrei. Es gibt hier nur noch die Fledermaustollwut“, klärt er auf. Wohl aber kann er sich Staupe vorstellen. Die Viruserkrankung kommt bei Füchsen und Waschbären häufig vor und kann auch ungeimpfte Hunde treffen. Für Menschen dagegen ist sie ungefährlich. „In einem Fall wie diesen sollte man deshalb immer den Jagdpächter dazuziehen. Er kann dann entscheiden, wie es weitergeht.“
Geschichte nimmt gutes Ende
Was den Fuchs vorm Teckkeller angeht, so meldet die Pressstelle des Polizeipräsidiums Reutlingen Folgendes: „Die Geschichte hat ein gutes Ende genommen. Nachdem der Fuchs gefangen war, haben die Kollegen den Jagdpächter kontaktiert und das Tier anschließend wieder freigelassen.“
Fast zwei Stunden hat das Spektakel übrigens gedauert, wie Nea Kouba erzählt. „Wir hatten um 11.10 Uhr Schule aus, zu Hause war ich schließlich um 13.10 Uhr.“

