Im großen Saal des Kirchheimer Stadtkinos scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die Kacheln an den Wänden sind ein bisschen abgeschlagen, aber noch genauso bonbonfarben wie früher. Sogar die roten Kinosessel stehen schon bereit. Jetzt noch ein paar saure Pommes, und dann ... Film ab.
Allzu weit entfernt ist er nicht mehr: Der Abend, an dem endlich wieder ein Film in einem Kirchheimer Kino gezeigt wird. Auf ein konkretes Datum will sich der Verein Kommunales Kino Kirchheim noch nicht festlegen lassen. Die rund 70 Ehrenamtlichen arbeiten seit Anfang November mit Hochdruck daran, dass die Eröffnung noch im Winter stattfinden kann. Kaum ein Tag ist vergangen, an dem nicht an irgendeiner Stelle im Gebäude gewerkelt wurde. Denn zu tun gab es eine Menge: entrümpeln beispielsweise, putzen und entstauben, das Foyer streichen, den Boden ausbessern, Elektroleitungen erneuern, Heizungsrohre isolieren, 78 Kinosessel reinigen und einbauen. Von der Programm- und Verwaltungsarbeit im Hintergrund ganz zu schweigen.
„Hier im Saal sind wir weitestgehend fertig“, sagt Günter Hörcher vom Vorstand des Vereins. Inmitten der 78 Kinosessel stehen zwei Liegestühle, die als Platzhalter für eine Rampe dienen, die noch gebaut werden muss. „Das werden die Plätze für die Rollstuhlfahrer“, erklärt Hörcher. „Die sollen hier in der Mitte sitzen können, wir wollen sie nicht an den Rand verbannen“.

Die plüschigen roten Sessel stammen aus dem Tübinger Kino Arsenal, das 2024 geschlossen werden musste. „Der ehemalige Betreiber hatte in der Zeitung von uns gelesen, ist dann zur ‚Stunde der offenen Tür‘ gekommen und hat uns die Sessel angeboten“, erzählt Günter Hörcher. Das Angebot kam wie gerufen, denn die Möbel aus dem ehemaligen Wohnzimmerkino Tyroler, die eigentlich ins Stadtkino einziehen sollten, waren laut Hörcher beim genaueren Hinsehen dann doch ein wenig in die Jahre gekommen. Seit kurzem bietet der Verein auf seiner Homepage Sessel-Patenschaften an, um die Kosten zu decken – mit großem Erfolg.
Im hinteren Bereich des großen Saals haben die Ehrenamtlichen ein Podest gebaut, das locker bestuhlt werden soll. „Dort kann man während der Filme sitzen, aber wir können es auch für Gesprächsrunden nutzen“, sagt Günter Hörcher. Die ursprüngliche Idee, dort eine Theke einzubauen, hat der Verein mittlerweile wieder verworfen. Getränke, verpackte Snacks und Eintrittskarten wird es am Tresen im Foyer geben, das bereits frisch gestrichen und mit dem Logo des Vereins versehen worden ist. Das Kassenhäuschen im Außenbereich bleibt stillgelegt. „Man kann es Ehrenamtlichen nicht zumuten, da drin zu sitzen und Karten zu verkaufen“, findet Günter Hörcher. Er selbst arbeitet aktuell daran, dass es von Anfang an Online-Tickets geben wird.

Etwas hat sich im Vergleich zu Stadtkino-Zeiten natürlich geändert: Der Gang auf die Empore wird den Besucherinnen und Besuchern verwehrt bleiben. Grund ist der Brandschutz. „Es gibt zwar eine Außentreppe, aber die ist marode“, erklärt Günter Hörcher. Solange die Besucher im Erdgeschoss bleiben, sei hingegen alles in Ordnung. Das Teckboten-Team darf aber einen Blick in die oberen Geschosse werfen, die allerlei Überraschungen bieten. Dort findet sich neben der Empore, auf der alte Kinosessel gelagert sind, ein komplett mit rotem Stoff ausgekleidetes, etwas gammeliges Fotostudio, in dem eine einzelne Schaufensterpuppe steht. Außerdem gibt es eine Wohnung, die laut Günter Hörcher bis vor kurzem noch bewohnt war. In einem weiteren Raum soll ein Besprechungszimmer für den Verein eingerichtet werden. Über verwinkelte Treppen und Gänge gelangt man in den Projektoren-Raum, in dem ein Techniker und drei Ehrenamtliche mit der Inbetriebnahme der Kino-Technik beschäftigt sind. Der Projektor ist Second-Hand und stammt aus dem ehemaligen Central-Kino in Kirchheim.
Um Geld zu sparen, findet die Renovierung weitestgehend ohne Profis statt – wobei für die Grundelektrik und den Einbau der Kinotechnik Handwerker beauftragt worden sind. „Alles, was sicherheitsrelevant ist, haben wir vom Elektriker machen lassen“, sagt Günter Hörcher. Die Idee, alles im Gebäude neu zu verkabeln, habe man schnell verworfen. „Das hätte uns 30.000 Euro gekostet“. Teile der technischen Ausrüstung wirken wie Museumsstücke, zum Beispiel der original Saalverdunkler, der aber offenbar noch funktioniert.

Der Verein stemmt das gesamte Projekt aus Spenden, die laut Günter Hörcher reichlich geflossen sind. Das Gebäude selbst ist dem Verein von der Stadt Kirchheim mietfrei überlassen worden. Das Finanzierungsmodell zwingt den Verein dennoch zur Sparsamkeit. Dazu kommt das Wissen, dass das „Kommunale Kino Kirchheim“ im Stadtkino ein Projekt auf Zeit ist. „Wir befinden uns hier in einem deklarierten Abbruchgebäude der Stadt Kirchheim“, sagt Günter Hörcher. Der Kino-Enthusiast und seine Mitstreiter sind guter Hoffnung, dass sie im Stadtkino noch für fünf bis zehn Jahre Filme zeigen dürfen – so lange eben, bis die Stadt Kirchheim die Mittel hat, um die Lauter zu renaturieren. Dann wird das Stadtkino weichen müssen.
Mittlerweile steht fest, dass es freitags, samstags und sonntags je zwei Vorstellungen geben wird, dazu einmal im Monat sonntags um 11 Uhr eine Matinée. Auch unter der Woche soll das Kommunale Kino nicht leerstehen. „Wir sind offen für Kooperationen mit allen Kirchheimer Kulturbetrieben. Zum Thema Film natürlich immer, aber auch zu anderen Themen“, sagt Günter Hörcher.
Mehr Informationen zum Fortschritt der Renovierungsarbeiten, zu Spendenmöglichkeiten und zum Verein gibt es auf www.koki-kirchheim.de

