Stadtentwicklung
Geht es beim Kirchheimer Recyclinghof vorwärts?

Die Anfahrt des Recyclinghofs im „Paradiesle“ gleicht an manchen Tagen einer Geduldsprobe. Warum alternativ eine Anfahrt von hinten auch keine Option ist. 

Die Suche nach einer besseren Anfahrtsmöglichkeit für den Kirchheimer Recyclinghof ist schon lange ein Thema – dennoch herrscht Stillstand. Foto: Markus Brändli

Sommer. Grünschnitt. Saarstraße. Diese drei Wörter dürften reichen, damit sich der Puls des einen oder anderen Kirchheimers beschleunigt. Kein Wunder: Schließlich teilen viele dasselbe Leid. Zu Stoßzeiten quetschen sie sich in ihre voll beladenen Fahrzeuge, teils mit Anhänger verlängert, durch das schmale Nadelöhr der Saarstraße, um ihren Grünabfall loswerden zu können. Im Slalom schlängeln sie sich im Wechsel mit dem Gegenverkehr um parkende Autos, ehe es zum Recyclinghof geht.

Schon lange regt sich in der Bevölkerung der Wunsch nach einer Entzerrung der Lage: Dieser wird sich aber nicht so schnell erfüllen. Das weiß auch Kirchheims obers­ter Stadtplaner Gernot Pohl: „Der Recyclinghof ist ein großes Problem, wir haben aber noch keine Lösung.“ Ein möglicher Ansatz sieht vor, den gesamten Recyclinghof nach Westen zu verlagern und in Verlängerung der Hegelstraße auf dem Flurstück 6846 anzusiedeln, das sich bereits im Eigentum der Stadt befindet. Aber: Für dieses Vorhaben sei das gesamte Gelände zwischen Fabrik- und Charlottenstraße zu berücksichtigen.

Dort gibt es ein Projekt, so Pohl, das seit den 80er-Jahren vor sich hinschlummere: die Nordwest-Tangente. Diese sollte eine Umfahrung durch die Ötlinger Halde ermöglichen und die Innenstadt vom Durchgangsverkehr befreien. Diese Planung stamme aus einer Zeit, in der alles größer, schneller und weiter sein sollte. Heute würden die Verkehrszahlen bereits eher zurückgehen. Auch in der Paradiesstraße werde der Verkehr weniger, sodass heute an der Umsetzung wohl kein Interesse mehr bestünde, auch die Kosten seien schlicht zu hoch. Solange die Nordwest-Tangente aber Bestandteil der Planung sei, müsse diese berücksichtigt werden.

Anfahrt verlagern

Die Lage des Recyclinghofs sieht Gernot Pohl aber ohnehin nicht als Problem, vielmehr sei diese grundsätzlich sehr gut: Die Anfahrt hingegen könnte besser geregelt werden. Diese sollte idealerweise von hinten von der Stuttgarter Straße aus stattfinden. An der entsprechenden Stelle wurde bereits eine Baustraße in Richtung Lauterradweg angelegt. Diese diente dazu, Gewässerbaumaßnahmen beim Sammler in der Lauter durchführen zu können. Ebenso wurde die Einmündung des Kegelesbachs neu gestaltet.

Es drängt sich die Frage auf, wieso die Baustraße nicht einfach weiter ausgebaut wird. Das liegt Gernot Pohl zufolge daran, dass bereits Anfang der 90er-Jahre ein Gewerbegebiet „In der Au“ hätte entstehen sollen. Das Gewerbegebiet wurde jedoch nie erschlossen, aus Angst vor der Nordwest-Tangente, sagt er. Zudem sprächen gegen eine Erschließung gemäß der Planung von 1980 nicht nur erhebliche Optimierungspotentiale, ebenso werfe die Erschließungsplanung entwässerungstechnische Probleme auf, teilt die Stadtverwaltung mit. Aktuell entwickelt die Stadt das Gewerbegebiet „Bohnau-Süd“, weshalb die Erschließung des Gebiets „In der Au“ zu einem weiteren Gewerbegebiet derzeit nicht vorgesehen sei.

Allein die Tatsache, dass das Gewerbegebiet Bestandteil der Planung ist, würde jedoch dazu führen, dass der Ausbau der Baustraße zu einer richtigen Straße zur Folge hätte, dass die Eigentümer einen Erschließungsanspruch für die im Gewerbegebiet vorhandenen Flächen hätten. Soll heißen: Dann müsste das Gewerbegebiet gebaut werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Entzerrung der Lage des Recyclinghofs seien daher derzeitig nicht gegeben.