Gesundheit
Hier unterstützen sich Migränekranke gegenseitig

In Kirchheim gibt es seit vergangenem Jahr eine Selbsthilfegruppe, in der sich Betroffene über ihr Leben mit der Krankheit austauschen können und sich mit Ratschlägen aushelfen.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) berichtet, dass schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der deutschen Bevölkerung an Migräne leiden. Wie stark sich die Symptome bemerkbar machen, kann sehr unterschiedlich sein. Symbolbild

Informationsaustausch, Beistand, Gemeinschaft: „So eine Selbsthilfegruppe kann einen riesigen Mehrwert bieten“, betont Laura Schnitzler. In Kirchheim leitet die 30-Jährige seit letztem Sommer eine Selbsthilfegruppe für Migräneerkrankte. „Es ist eine entspannte Atmosphäre, in der wir diskutieren und uns unterstützen“, erzählt Schnitzler, die selbst an der Krankheit leidet. So gebe es zu Beginn der Treffen eine Blitzlichtrunde, bei der alle Teilnehmenden sagen können, was ihnen auf der Seele brennt. Anschließend widme man sich einem gemeinschaftlich ausgewählten Thema, über das sich ausgetauscht, Fragen gestellt und Meinungen geäußert werden können.

„Bei Migräne bringt es einen enorm weiter, Experte der eigenen Krankheit zu werden“, verrät Silja Kopp, die als Betroffene regelmäßig bei den Treffen dabei ist. Das sei jedoch gar nicht so einfach, denn „Migräne ist deutlich komplexer, als die meisten Menschen denken“. Das Wissen, das man sich rein durch Arztbesuche aneignen könne, sei im Normalfall nur ein Bruchteil des Wissenswerten. Ein Arzt, so Kopp, habe in der Regel keine Zeit für eine derart intensive Beratung. „Man wird ein bisschen alleine gelassen mit dieser Erkrankung.“ Auch seien viele Hausärzte laut der Betroffenen nicht besonders gut über die Erkrankung informiert. „Ein typischer Satz von Hausärzten ist: Bei Migräne kann man eh nicht viel machen“, berichtet sie. „Das stimmt aber nicht.“ Zwar gebe es nicht die eine Lösung, doch die Krankheit sei behandelbar und lasse sich durch die eigene Lebensweise beeinflussen – im Positiven sowie im Negativen.

„Viele wissen zum Beispiel gar nicht, dass es Prophylaxen gibt“, schaltet sich Laura Schnitzler ein. Dabei handle es sich um Medikamente, die dauerhaft und präventiv eingenommen werden können, um die Häufigkeit der Migräneattacken zu vermindern. Über ebensolche und weitere Hilfsmittel informiert die Selbsthilfegruppe.

Zu viel Meinung, zu wenig Wissen

Die beiden Betroffenen sind sich einig: In Sachen Aufklärung über die Erkrankung gibt es noch viel Nachholbedarf. „Ich glaube, zu Migräne existiert sehr viel Meinung und vergleichsweise wenig Wissen“, bedauert Silja Kopp. Zu viel veraltete Informationen und Mythen würden noch in den Köpfen der Menschen herumgeistern. Ein gutes Beispiel sei die Fehlannahme, dass Migräne lediglich ein Symptom und keine Krankheit sei. Früher, so Kopp, sei man auch davon ausgegangen, es würde ausreichen, alle „Trigger“ zu kennen und diese zu vermeiden. „Das ist natürlich nicht so“, korrigiert die 23-Jährige – vor allem, da sich Trigger mit der Zeit verändern könnten. Auch gebe es Trigger, wie Wetterumschwünge, die nicht beeinflussbar und somit auch nicht vermeidbar seien.

Doch wo immer es ein Problem gibt, gibt es auch Menschen, die fälschlicherweise behaupten, die ideale und zufälligerweise meist kostspielige Lösung zu haben. „Es gibt leider sehr viele unseriöse Behandlungsmethoden“, bedauert Laura Schnitzler. „In denen kann man sich als betroffene Person schnell verlieren.“ Umso wichtiger sei es, sich untereinander auszutauschen und vorhandenes Wissen weiterzugeben. „Wir wollen den Menschen helfen, sich zurechtzufinden, und ihnen Mut ­machen, dass es auch besser werden kann“, erklärt die Gruppenleiterin.

Die Kirchheimer Selbsthilfegruppe trifft sich immer am letzten Freitag des Monats, in der Regel im Therapiezentrum, Steingaustraße 13. Wer teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail unter shg-migraene-kirchheim@gmx.de anmelden.