Nur ein paar Schritte vom ursprünglichen Veranstaltungsort entfernt hat der Club Bastion im Alten Gemeindehaus in Kirchheim einen „Corona-Unterschlupf“ gefunden. Dieser kann zwar nicht ganz mit der speziellen Atmosphäre der Bastion mithalten, dafür passen jedoch mehr Menschen in den Raum. Auch wenn einige Stühle leer blieben, waren die Veranstalter mit den knapp 30 Zuschauern für den Anfang zufrieden. Der Kabarett-Abend mit Hans-Günter „HG“ Butzko war bereits die vierte Veranstaltung, die die Bastion seit der Corona-Zwangspause veranstaltete - und die zweite, die in das Alte Gemeindehaus ausgelagert wurde.
Kritik an Verschwörungstheorien
Ob es nun daran lag, dass das Publikum nach der langen Spielpause ausgehungert war oder dass mit HG Butzko ein erfahrener Kabarettist auf der Bühne stand: Das Publikum brauchte jedenfalls keine Aufwärmphase und war von Anfang an mit lautem Applaus und Lachen dabei. Er wisse ja gar nicht, fragte der Gelsenkirchener zu Beginn, ob die Menschen das Thema „Corona“ überhaupt noch hören können. Er zumindest könne jetzt besser nachvollziehen, warum in den Nachkriegsjahren Heimatfilme so beliebt waren, da sie die Möglichkeit boten, sich abzulenken. Nichtsdestotrotz sprach der Kabarettist fast den gesamten Abend über das neuartige Virus. Dem Publikum gefiel es. Immer wieder gab es Applaus, manchmal auch ein überraschtes, kollektives Einatmen, wenn eine Überspitzung besonders scharf geriet.
Für den Kabarettisten deckt die derzeitige Phase knallhart auf, was so alles schiefläuft. Oder wie er es derber formulierte: „Wenn der Schnee schmilzt, kommt die Kacke zum Vorschein.“ Gemeint waren damit Verschwörungstheorien. Das sei für ihn unter anderem, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO finanziert wird. Früher, so HG Butzko, wurde die Organisation zu einem großen Teil von den Mitgliedsstaaten finanziert. Heute käme das Geld zu fast 80 Prozent aus Spenden. Ob diese Spender wohl Einfluss ausüben?
Auch Drosten kriegt sein Fett weg
Der Lockdown, Abstand halten, Masken aufziehen, all diese Maßnahmen - und hier betonte er, dass er es gutheiße, auf Nummer sicherzugehen - zielen darauf ab, dass das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Butzko selbst hätte Corona gar nicht gebraucht, um zu merken, dass mit dem Gesundheitssystem etwas nicht stimmt. So nahm einen großen Teil der zweiten Hälfte des Programms die Schilderung ein, wie er in einem Berliner Krankenhaus operiert wurde. Er berichtete über nicht funktionierende IT sowie übermüdete Oberärzte und erzählte, dass ihm niemand Bescheid sagte, als der OP-Termin kurzfristig ausfiel, und wie ihm beinahe ein Medikament verabreicht wurde, obwohl er in Vorgesprächen zig Mal betonte, dass man ihm ausgerechnet dieses nicht geben dürfe. Alles sei genau so abgelaufen, wie er es erzählt, versicherte er. Nur eine einzige Stelle sei gelogen gewesen: und zwar die, in der sich eine der Krankenschwestern bei ihm entschuldigte.
Im weiteren Laufe des Abends kritisierte er zudem den Virologen Christian Drosten oder Gesundheitsminister Jens Spahn. Ersteren, weil er Forschungsgelder akquirieren und medial dementsprechend auftreten müsse, Letzteren, weil dieser unter anderem ignoriert, wie die Kassenärzte schon lange über Überforderung klagen.
Hans-Günter Butzko gab am Ende des Abends durchaus offen zu, dass es hinterher immer einfach sei, jemanden zu kritisieren. Doch warum also erzählte er das alles? „Hinterher ist schließlich das Vorher von später.“ Deshalb solle man die Chance frühzeitig wahrnehmen und etwas ändern, um die gleichen Fehler nicht zu wiederholen.