Bildungspartnerschaft
In die lokale Geschichte eintauchen

Das Kirchheimer ­Schlossgymnasium hat eine Bildungspartnerschaft mit dem Stadtarchiv geschlossen. Auch die Max-Eyth-Schule hat eine. 

Lehrer Jonas Takors, Archivar Wolfgang Matt, Schulleiterin Lucia Heffner und Bürgermeisterin Christine Kullen (von links) schlie
Lehrer Jonas Takors, Archivar Wolfgang Matt, Schulleiterin Lucia Heffner und Bürgermeisterin Christine Kullen (von links) schließen die Bildungspartnerschaft. Foto: Carsten Riedl

Jonas Takors ist Geschichtslehrer am Kirchheimer Schlossgymnasium und mit seinen Leistungskursen zu Recherchezwecken schon länger regel­mäßiger Gast im Stadtarchiv. Fachliche Unterstützung bekommt er dabei von Stadtarchivar Frank Bauer und dessen Kollegen Wolfgang Matt. Künftig sollen auch Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen acht bis zwölf sowie die beiden Jahrgangsstufen das Kirchheimer Stadtarchiv für ihre Geschichtsstudien aktiv einbeziehen. Dafür wurde jetzt eine Bildungspartnerschaft zwischen dem Schlossgymnasium und dem Stadtarchiv geschlossen. Auch die Max-Eyth-Schule hat eine solche bereits.

„Für uns als Schule ist diese Kooperation ein wichtiger Aspekt in der Demokratiebildung“, betont Schulleiterin Lucia Heffner. Die Notwendigkeit, sich aktiv für den Erhalt der Demokratie einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen, sei heute aktueller denn je. „Die Schüler lernen so nicht nur die Weltgeschichte in der Schule kennen, sondern befassen sich durch die Archivarbeit intensiv mit der Kirchheimer Geschichte, mit den historischen Geschehnissen in ihrem eigenen Umfeld. Dieser lokale Bezug macht die Geschichte greifbarer“, sind Lucia Heffner und Jonas Takors überzeugt. 

 

Für uns als Schule ist diese Kooperation ein wichtiger Aspekt in der Demokratiebildung.

Lucia Heffner, Schulleiterin des Schlossgymnasiums 

 

„Für mich ist das Archiv das Gedächtnis der Stadt. Durch die Schulpartnerschaften wird die Geschichte lebendig. Es ist doch ein Unterschied, ob man im Internet recherchiert oder die alten Dokumente und Bilder selbst in die Hand nehmen kann“, sagt Bürgermeisterin Christine Kullen bei der Unterzeichnung der Bildungspartnerschaft. Die Archivarien seien so nicht nur „totes Papier“, sondern würden bis heute genutzt und liefern wichtige Informationen. „Die Schülerinnen und Schüler haben beispielsweise zur NS-Zeit in Kirchheim recherchiert. Da geht es dann nicht um Berlin oder Nürnberg wie im Unterricht, sondern um die lokalen Ereignisse in ihrem heutigen Lebensumfeld“, ergänzt Archivar Wolfgang Matt. Durch die Bezüge zur eigenen Lebenswelt entwickle man ein Geschichtsbewusstsein, so Jonas Takors.

Projekte von Schule und Archiv

Die alten Bücher und Dokumente nicht nur „verstauben“ zu lassen, sondern aktiv damit zu arbeiten, sei ein großes Anliegen von Stadtarchivar Frank Bauer, der beim Unterzeichnungstermin krankheitsbedingt nicht dabei sein konnte, betont Christine Kullen: „Er ist ein Multiplikator, ebenso wie die Geschichtslehrer der kooperierenden Schulen.“ 

Im Rahmen der Bildungspartnerschaft mit dem Schlossgymnasium sind je nach Klassenstufe unterschiedliche Projekte geplant. Für die Klassen acht bis zwölf geht es beispielsweise um die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler durch die Mitarbeitenden des Stadtarchivs bei der Planung und Recherche von Referaten oder Hausarbeiten zu lokal- und regionalhistorischen Themen. In der Jahrgangsstufe eins sind neben dem Nutzen des Archivs auch Unterrichtseinheiten mit Stadtarchivar Frank Bauer zu Themen wie der NS-Zeit in Kirchheim und der Bedeutung der Beflaggung oder zur Frage „Wie sah die Jugend in einem totalitären Staat in den 1930er-Jahren aus?“ geplant. „Wir wollen in den Jahrgangsstufen auch gemeinsam Stadtführungen mit und für die Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Themen entwickeln und durchführen“, erklärt Jonas Takors.

In der Jahrgangsstufe zwei stehe etwa das Thema „Kirchheim und die 68er-Revolution“ in Kooperation mit dem Club Bastion auf dem Programm, ebenso wie die Weimarer Republik bezogen auf Kirchheim oder ein Tutorial zu den Mahn- und Denkmälern der Stadt. „Auch die Auswirkungen des Kirchheimer Stadtbrands kann man im Rahmen einer Führung aufarbeiten“, so der Geschichtslehrer. Es gebe genug Themen. Es gehe grundsätzlich um das Lernen und Erleben von Geschichte „am authentischen Lernort“. So werde die (lokale) Historie greifbarer, so der Pädagoge: „Die eigene Recherche im Stadtarchiv kann keine KI ersetzen.“ 

Weitere Bildungspartnerschaften mit Kirchheimer Schulen seien auf jeden Fall wünschenswert und das Ziel, betont Bürgermeisterin Christine ​​​​​​Kullen.