Wirtschaft
Innovative Ideen werden gefördert

Vier Gründern zahlt die Stadt Kirchheim ein Jahr lang einen Mietkostenzuschuss. Simon Schwenk ist mit dem „Cycle Service“ einer davon. 

Cycle Service-Gründer Simon Schwenk bekommt von der Stadt Kirchheim ein Jahr lang monatlich 250 Euro als Mietkostenzuschuss. Foto: Carsten Riedl

Seit gut 15 Jahren arbeitet Simon Schwenk in der Fahrradbranche und das in ganz unterschiedlichen Bereichen. „Ich habe dadurch ein gutes Bild vom Markt bekommen“, sagt der 38-Jährige, der sich letztes Jahr mit seinem Start-up-Unternehmen „Cycle Service“ im zentral gelegenen Kirchheimer Steingau-Quartier selbstständig gemacht hat. Der Wartungsservice und die Reparatur von Rädern sämtlicher Marken und Hersteller stehen dabei im Fokus, nicht deren Verkauf. Mit diesem Konzept zählt Simon Schwenk zu den ersten vier Gründern, die beim Auswahlverfahren der Stadt Kirchheim für einen Mietkostenzuschuss zum Auftakt des Programms 2024 überzeugen konnten. Bewerber gab es im letzten Jahr laut Wirtschaftsförderin Saskia Klinger insgesamt neun. Neben Simon Schwenk konnten in der ersten Runde zudem Tien Loc Nguyen mit ihrem Restaurant „Ginza Dining“, Anni Kollmann mit dem „Baby Beach“ sowie Betül Karakoc mit ihrem Restaurant „Bendish“ mit ihrem Konzept punkten. 

250 Euro Zuschuss für die Miete

Von 2024 bis Ende 2026 unterstützt die Stadt Kirchheim jährlich vier Gründerinnen oder Gründer, die im Stadtgebiet eine Immobilie für ihr Unternehmen anmieten wollen, mit einem Mietkostenzuschuss von 250 Euro über zwölf Monate. Dabei darf der Abschluss des Mietvertrags nicht länger als sechs Monate und die Gründung nicht länger als ein Jahr zurückliegen. „Das innovative Konzept für den Cycle Service hat überzeugt“, sagt Saskia Klinger. „Das Angebot schließt eine Versorgungslücke in dem Bereich.“ Über das ganze Jahr gerechnet, falle durch den Mietkostenzuschuss unterm Strich etwa eine Monatsmiete für die Räumlichkeiten in der Kirchheimer Innenstadt weg, so Simon Schwenk.

Seinen „Cycle Service“ in der Rosa-Heinzelmann-Straße hat er am 1. April letzten Jahres eröffnet. Modern und offen gestaltet sind die 200 Quadratmeter des Radserviceunternehmens. Neben dem Chef sorgen im Werkstattbereich zwei Zweiradmechatroniker dafür, dass die Räder der Kundschaft wieder flottgemacht werden, ab März ist das Reparatur- und Wartungsteam dann zu dritt. „Der Fachkräftemangel ist zwar auch in dieser Branche nicht von der Hand zu weisen, aber ich sehe das auch als Aufgabe des Arbeitgebers, den Mitarbeitenden ein attraktives Arbeitsumfeld zu bieten und sie so zu gewinnen. Es geht zudem um die Wertschätzung ihrer Arbeit. Denn ohne die Jungs würde das ganze Konzept hier nicht funktionieren“, betont der Gründer, der derzeit keine Personalsorgen hat. 

Lokal und gut erreichbar mitten in der Stadt zu sein, war Simon Schwenk bei der Unternehmensgründung wichtig. „Vor drei Jahren hatte ich mir das schon überlegt. Dann war das Risiko mitten in der Corona-Pandemie aber doch zu hoch: Die Nachfrage war zwar da, das Material, das wir benötigen, aber nicht verfügbar“, erinnert sich der 38-Jährige. Sein Konzept einer markenunabhängigen Werkstatt trifft seiner Beobachtung nach eine Marktlücke. Der Zulauf an Kundschaft seit der Eröffnung gibt ihm recht. 

Radsport: Vom Hobby zum Beruf

Simon Schwenk ist im Lenninger Ortsteil Hochwang aufgewachsen und lebt nach beruflichen Stationen in Kirchheim und München mit seiner Familie in Bodelshofen bei Wendlingen. Der Radsport begleitet ihn seit seiner Jugend. „Als Schüler bin ich über ein Ferienprogramm zum Mountainbike-Verein MTB Lenningen – dem heutigen MTB Teck –gekommen und viele Jahre lang auch Radrennen gefahren“, erzählt der 38-Jährige. „Ich habe zwei Ausbildungen gemacht, erst zum Groß- und Außenhandelskaufmann, dann zum Gestalter für visuelles Marketing. Studiert habe ich zudem Druck- und Medientechnik. Gearbeitet habe ich in diesen Fachbereichen über 15 Jahre in der Radbranche.“ Das komme ihm bei seinem eigenen Unternehmen zugute, sagt der Gründer.

 

Unterstützung bei der Unternehmensgründung

Im Rahmen des „MachES-Netzwerks“ haben sich die Städte Kirchheim, Nürtingen, Esslingen und Filderstadt mit der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST), dem Landkreis Esslingen und weiteren Kommunen zusammengeschlossen, um die Gründungen vor Ort zu erhöhen und zu fördern.

Die Wirtschaftsförderungen in Kirchheim, Nürtingen, Esslingen und Filderstadt werden vom 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2026 im Zuge des Kofinanzierungsprogramms im Bereich Wirtschaft und Tourismus des Verbands Region Stuttgart unterstützt. Insgesamt 105.000 Euro fließen in den Mietkostenzuschuss, den die vier Kommunen jeweils vier ausgewählten Gründern pro Jahr über zwölf Monate gewähren.

Pro Monat bekommen die ausgewählten Gründer der vier Kommunen 250 Euro für die Miete ihrer Geschäftsräume. Die Hälfte davon fließt vom Verband Region Stuttgart. Weitere Infos dazu unter: www.maches.info/gruendung

Wissenswertes für Gründer unter: www.gruender-zuschuss.de oder www.gruenderplattform.de/unternehmen-gruenden