Beteiligung
Jugendliche sagen ihre Meinung

Bei der ersten Jugendkonferenz im neuen Schuljahr in Kirchheim haben Schüler nicht nur die eigenen Schulen, sondern auch Kommunen und Land mit ihren Forderungen konfrontiert. 

Landes- und Lokalpolitiker diskutieren im Anschluss an die Konferenz mit den Jugendlichen. Foto: Carsten Riedl

Themen wie Sicherheit und Frieden, Digitalisierung und KI, aber auch Klima und Nachhaltigkeit beschäftigen Schülerinnen und Schüler – bei der ersten Jugendkonferenz im neuen Schuljahr können sie an der Freihof-­Realschule in Kirchheim ihre Meinung sagen. Die gesammelten Ergebnisse sollen an die entsprechenden Stellen in der Politik weitergeleitet werden, damit die Wünsche und Sorgen der Jugendlichen nicht nur gehört werden, sondern auch eine Veränderung bewirken können, erklärt Schulleiter Marlon Lamour. Bei den Herausforderungen, die heute in Schule und Gesellschaft zu meistern sind, sei das ganz besonders wichtig. Deshalb freut er sich, die 100 Schülerinnen und Schüler von vier verschiedenen Schulen aus Kirchheim und Wendlingen begrüßen zu dürfen. 

Konferenz kommt gut an

Auch Staatssekretär Volker Schebesta vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport ist an diesem Vormittag mit von der Partie: Er lobt das Engagement aller Beteiligten, dadurch sei die Veranstaltung erst möglich geworden. Mit der Jugendkonferenz in der Teckstadt soll es nicht enden – ganz im Gegenteil: 149 sollen folgen. 90 weitere Schulen hätten bereits zugesagt. Im Schuljahr 2022/23 hat das Kultusministerium die Jugendkonferenzen ins Leben gerufen, damals fand die Veranstaltung aber nur an sechs Schulen statt. „Die Entwicklung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, betont Volker Schebesta.

Genug der Worte: Nach einer kurzen Aufwärmrunde quer durch den Raum stecken die Schülerinnen und Schüler ihre Köpfe zusammen und überlegen in einer ersten schnellen Runde, was ihnen zu Themen wie Wirtschaft, Politik, Digitalisierung, Kunst und Kultur einfällt. Auf einem Plakat zum Thema Klima und Nachhaltigkeit, das aus der Gruppenarbeit entstanden ist, sind Begriffe wie Tempolimit, Verbot von Fast-Fashion und Tierschutz zu lesen. In einer zweiten Runde geht es dann tief in die Materie und die Gruppen überlegen sich zu einem der Themen, was sie sich von Schule, Kommune und Land in Zukunft wünschen. Auch die Gruppe, die sich dem Thema Sicherheit und Frieden widmet, hat genaue Vorstellungen: Von ihren Schulen wünschen sich die jungen Menschen, dass sie besser über die Hintergründe von Konflikten, die in der Welt herrschen, aufgeklärt werden und dass Selbstverteidigungskurse auf den Stundenplan kommen. Von ihren Kommunen erwarten sie hingegen, dass sie Straßen besser beleuchten und weitere Polizeikontrollen stattfinden. Vor allem Schülerinnen würden sich in der Dunkelheit oft unsicher fühlen. Zudem soll es bei öffentlichen Veranstaltungen verstärkte Sicherheitskontrollen geben. Vom Land fordern die Jugendlichen schärfere Gesetze in Fällen von Missbrauch und Vergewaltigung. Ebenso soll es in öffentlichen Bereichen eine Videoüberwachung geben.

Jugendliche formulieren Forderungen

Mit diesen Forderungen konfrontieren sie im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion auch Lokal- und Landespolitiker. Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader stellt fest, dass die gefühlte Sicherheit und die tatsächliche Sicherheit weit auseinandergehen. So würde in Kirchheim die Kriminalität abnehmen. Er selbst wünscht sich jedoch auch im Bereich des Postplatzes und des Bahnhofs eine Videoüberwachung. Der Landtagsabgeordnete Andreas Kenner (SPD) findet es beunruhigend, dass das Sicherheitsgefühl der Schülerinnen und Schüler offensichtlich schlecht ist, und betont, dass daran gearbeitet werden muss. 

Am Ende des Vormittags ist Schulleiter Marlon Lamour sicher, dass es für die Jugendlichen eine sehr wertvolle Erfahrung war, nicht nur ihre Meinung sagen zu können, sondern auch gehört zu werden. Nur so könne Demokratie funktionieren.