Kirchheim
Junger Kater vor Kirchheimer Tierladen ausgesetzt

Haustier Der kleine Kater Valentin ­wurde dem Kirchheimer Tierbedarfsladen „­Fressnapf“ ohne Decke und Wasser vor die Tür gestellt. Von Debora Schreiber

Der junge Kater lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Fotos: pr

Auf gerade mal sechs Monate wird der Kater Valentin geschätzt, und trotzdem hat er schon ein schlimmes Erlebnis hinter sich. In einer Kiste, deren genauen Zustand Sandra Nebe vom Tierheim Kirchheim nicht näher beschreiben möchte, wurde der aufgeweckte Kater am 14. Februar – also am Valentinstag – vor dem

 

Tiere haben heute bei vielen Menschen keinen besonders hohen Stellenwert mehr.
Sandra Nebe 
Die Mitarbeiterin des Kirchheimer Tierheims äußert sich zur Gleich­gültigkeit der Menschen.

 

Kirchheimer „Fressnapf“ abgestellt. Ohne Decke, ohne Wasser, in einer Urinpfütze saß der Kleine bei dem Laden für Tierbedarf, bis er vom Personal gefunden wurde. 

„Mittlerweile geht es ihm wieder gut: Er ist aufgeweckt, zutraulich und lieb, da merkt man einfach, dass in ihm ein Perser steckt: Die bringt so schnell nichts aus der Ruhe“, sagt Sandra Nebe. Als er gefunden wurde, sei er in einem guten Zustand gewesen. „Er war ordentlich genährt und auch nicht ungepflegt.“ Das Verhalten der Besitzer kann sie absolut nicht nachvollziehen. In solchen Fällen gehe es meistens ums Geld. Er ist jetzt in einem Alter, in dem die Besitzer ihn bald hätten kastrieren lassen müssen – das verursacht Kosten, die viele nicht bereit seien zu zahlen. Nicht nur über die Tatsache, dass Valentin einfach ausgesetzt wurde, sondern auch über die Dreistigkeit der ehemaligen Besitzer ist Sandra Nebe schockiert. „Sie müssen ihn einfach mitten am Tag, als dort viele Menschen unterwegs waren, abgestellt haben.“ Das liegt für sie ganz klar auf der Hand, weil das Fressnapf-Personal den Kater sonst in der Pause am Morgen gesehen hätte. „Tiere haben heute bei vielen Menschen keinen besonders hohen Stellenwert mehr“, sagt sie.

Der kleine Kater hatte Glück, dass er gleich im Kircheimer Tierheim einen Platz bekommen hat, da es mit seiner Kapazität immer wieder an seine Grenzen stößt. „Zurzeit ist es ein kleines bisschen besser, aber wir haben immer noch mit sehr vielen Abgaben zu kämpfen“, sagt Sandra Nebe. Das liege daran, dass sich die Menschen während Corona völlig unüberlegt Tiere angeschafft hätten. „Ganz nach dem Motto: Entweder passt es dann in meinen Alltag oder eben nicht.“ Oft werde dann noch versucht, das Tier bei Verwandten unterzubringen, sollte das nicht klappen, sei das Tierheim die nächste Anlaufstelle. Ein Nachdenken würde hier nicht stattfinden, auch aufseiten der Züchter nicht. Während Corona seien sehr viele Tiere gezüchtet worden. Die Auswirkungen hätten sich irgendwann zeigen müssen, erläutert sie.

 

Ein Tier aus dem Heim retten

Der Kauf übers Internet nehme auch immer stärker zu. Es werde zur Regel, dass Tiere im Internet gekauft und im Tierheim abgegeben werden. Auf die Idee, ein Tier aus dem Tierheim zu nehmen, würden hingegen die wenigsten kommen. „Den Züchtern ist es in der Regel egal, was mit den Tieren passiert, wenn sie nicht mehr gewollt werden – also kümmern wir uns“, sagt Sandra Nebe. 

Der kleine Valentin hat nach ihrer Einschätzung dennoch gute Chancen, ein Zuhause zu finden. „Er ist hübsch, lieb, jung und zutraulich. Solche Tiere werden schon gerne genommen.“ Bei Katzen gilt im Kirchheimer Tierheim – so wie es bei den meisten Tierheimen der Fall sei: Katzen gibt es nur im Doppelpack. „Es ist wichtig, dass sie ausreichend Kontakt zu ihren Artgenossen haben. Sie müssen spielen, raufen und schmusen können. Alleine ist eine Katze nicht glücklich.“ Die Ausnahme von der Regel: Im Haushalt lebt schon eine geeignete Katze.  

 

So ist die Lage im Esslinger Tierheim

Das Esslinger Tierheim hat wie Kirchheim mit einer hohen Auslastung zu kämpfen. Notfälle werden trotzdem aufgenommen, sagt Tierheimleiter Horst Theilinger. Die Zahl der angeschafften Tiere habe während Corona stark zugenommen, dass die hohe Auslastung Folge davon ist, kann er nicht bestätigen.
Für jeden könne ein Tierheimtier ­geeignet sein. Hier komme es ganz klar auf den Charakter und die Eigen­schaften des Tieres, aber auch auf die Bedürfnisse des Menschen an. Jedes Tier sei anders und es müsse geschaut werden, ob das passende Tier dabei sei. Dabei solle man sich die nötige Zeit nehmen.
Die Zahl der Katzen sei anhaltend hoch. Das liege daran, dass viele Katzen nicht kastriert seien und sich freilebende Tiere unkontrolliert vermehren würden. Eine Kastration für Kater würde rund 100, für weibliche Tiere rund 200 Euro kosten. Ab sechs Monaten werden Katzen im Tierheim kastriert. ds