Für viele Erwachsene ist sie längst Standard: die Impfung gegen Influenza. Kinder gegen Grippe immunisieren zu lassen, ist hingegen eher unüblich. Dabei rennen Eltern, die diesen Wunsch haben, bei Medizinern offene Türen ein. „Wir als Kinderärzte sind schon lange dafür“, sagt Dr. Sebastian Schneider-Wirth, der die Praxis in Weilheim seit Jahresanfang leitet. Rund 100 Dosen habe er bisher verabreicht. „Ich rate Eltern dazu und würde gerne noch mehr impfen“, sagt der Kinderarzt, der seine Klinik-Zeit unter anderem im Olga-Hospital in Stuttgart verbracht hat. Dort habe er schwere Verläufe gesehen, Kinder, die beatmet werden mussten. „Die Impfung kann die Infektion nicht verhindern, aber sie kann einen schweren Verlauf verhindern“, sagt Schneider-Wirth.
Manche tun das als grippalen Infekt ab.
Dr. Sebastian Schneider-Wirth über die Haltung mancher Eltern
Allerdings sei die Offenheit der Eltern durchwachsen. „Manche tun das als grippalen Infekt ab“, sagt der Kinderarzt. Dabei gebe es große Unterschiede: Die Influenza zeichne sich durch einen plötzlichen Krankheitsbeginn und hohes Fieber aus. „Husten und Schnupfen kommen im Verlauf, manchmal auch Magen-Darm“, sagt Sebastian Schneider-Wirt. Auch schwere Lungenentzündungen könnten bei einer Influenza auftreten. „Nach so etwas sind Kinder viele Wochen lang nicht fit.“
Dem Wunsch der Kinderärzte, zu impfen, ist jetzt allerdings ein Riegel vorgeschoben worden. „Es gibt keinen Impfstoff mehr auf dem Markt“, sagt Sebastian Schneider-Wirth – und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Grippewelle gerade einmal beginnt. „Bester Impfzeitpunkt ist Ende September, Anfang Oktober“, sagt der Kinderarzt. Sollte Impfstoff da sein, impfe er allerdings auch jetzt noch. Kinder unter neun Jahren erhalten zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen, bei Jungen und Mädchen ab neun Jahren reicht eine Dosis.
Auch Kinderärztin Michaela Rösel, die aktuell noch in der Kinder- und Jugendarztpraxis im MVZ in Kirchheim angestellt ist, befürwortet die Impfung grundsätzlich. Sie findet es völlig unverständlich, dass die Ständige Impfkommission (STIKO) die Immunisierung von Kindern nicht empfiehlt. In anderen Ländern wie den USA oder Österreich sei das völlig üblich, aus gutem Grund. Gerade die Kleinkinder liefen Gefahr, schwerste Infektionen zu bekommen. „Das kann zu einem stationären Aufenthalt wegen Sekundärinfektionen wie Lungenentzündungen oder Herzmuskelentzündungen führen“, sagt Rösel.
In den letzten zwei Wochen hätten die Grippefälle in der Kinderarztpraxis zugenommen. Eine Infektion mit Influenza verlangt Eltern und Kindern einiges ab. „Das Problem sind meistens nicht die ersten fünf Tage. Aber wenn man zwischen Tag sieben und zehn merkt, dass es dem Kind wieder schlechter geht, sollte man spätestens zum Arzt gehen und sich ein Antibiotikum verschreiben lassen“, sagt Michaela Rösel.
Trotz schwerer Verläufe beobachtet auch die Kinderärztin, dass nicht alle Eltern offen für die Grippe-Impfung sind. „Vielen ist nicht klar, dass es eine lebensbedrohliche Erkrankung ist“, sagt sie.

