Den Großeltern sind ihre Enkel nicht egal“, sagt der Esslinger Jugendpfarrer Ulrich Enderle. Martin Allmendinger nickt zustimmend. Der 72-jährige Denkendorfer ist selbst mehrfacher Großvater und weiß, wie viel Freude es macht der jungen Generation etwas fürs Leben mitzugeben - „und man bekommt selbst viel zurück.“
Auf diesen Erfahrungen basiert auch ein neues Projekt des Evangelischen Jugendpfarramts Bezirk Esslingen, das vom Kreisjugendring Esslingen, dem Kreisseniorenrat Esslingen, dem Evangelischen Jugendwerk und dem Landkreis Esslingen unterstützt wird. „Damit Kinder stark werden“, ist das Vorhaben überschrieben, das im Zusammenhang mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen ab dem Schuljahr 2026/2027 steht. Im Blick haben die Veranstalter die Babyboomer-Generation, also Erwachsene in der dritten Lebensphase, die Kindergruppen in der Schule oder in der Jugendarbeit begleiten. „Wir möchten all die fitten Rentner und Pensionäre ansprechen, die früher mal bei Vereinen oder kirchlichen Organisationen aktiv in der Jugendarbeit engagiert waren und diese Erfahrungen jetzt in ein neues Ehrenamt einbringen.“
Bei einer mehrtägigen Pilot-Schulung, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert wird, und in der ersten September-Woche im Haus Bittenhalde in Tieringen stattfindet, erwartet die Teilnehmer ein spannendes Programm mit kompetenten Referenten.
Am Ende gibt es die Jugendleiter-Card (Juleica). „Sie befähigt Ehrenamtliche Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche zu machen“, erklärt der Jugendpfarrer.
Die Juleica ist indes keine Esslinger Erfindung. „Die gibt es bundesweit schon länger“, fügt Enderle an. Sie soll im Kreis Esslingen künftig noch öfter an Personen vergeben werden, die sich gezielt ehrenamtlich auf die Arbeit mit Kindern vorbereiten. Denn diese Menschen in der dritten Lebensphase werden nicht zuletzt dann gefragte Partner sein, wenn ab dem Schuljahr 2026/2027 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter greift und Kommunen verpflichtet sind, Betreuung und Förderung in einer Tageseinrichtung, etwa im Hort, anzubieten.
Ulrich Enderle ist überzeugt, dass die Städte im Landkreis diese Aufgabe mit Hauptamtlichen schultern können. Aber wie bewältigen kleinere Gemeinden auf dem Land die Betreuung und Förderung, wenn ab dem Schuljahr 2026/2027 zunächst die Klassen eins und dann bis 2029/2030 jedes Kind von Klasse eins bis Klasse vier einen Anspruch auf eine ganztägige Betreuung an fünf Werktagen (Montag bis Freitag) im Umfang von acht Stunden hat.
Eine gute Vorbereitung ist deshalb das A und O. Für Enderle heißt dies: „Kinder werden in den nächsten Jahren mehr außerschulische Bildungspartner brauchen.“ „Die jetzige Elterngeneration kann die Betreuungsaufgabe alleine nicht schultern“, ergänzt Diakon Allmendinger, der bis zu seinem Rentenbeginn 2016 Geschäftsführer des Evangelischen Jugendwerks Eslingen war. „Und junge Ehrenamtliche werden in den nächsten Jahren nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, denn sie sind tagsüber nicht verfügbar.“ Damit es gelinge, die Kinder fit fürs Leben zu machen, „ist die Mitarbeit von Jungrentnern und Pensionären mehr denn je gefragt“, sind sie sich einig.
Bei der Pilotschulung vom 2. bis 8. September in Tieringen, die Enderle und Allmendinger leiten, stehen Themen wie Entwicklungspsychologie, Gruppenentwicklung, Spiele- und Erlebnispädagogik, Kinder mit herausforderndem Verhalten, Rechtsschulung, Geschichten erzählen, Spiritualität mit Kindern, Präventionsschulung zum Kinderschutz, ein Erste-Hilfe-Kurs oder Kochen für Kindergruppen auf dem Programm. „Hochkompetente Experten stehen uns als Referenten zur Verfügung“, sagt Enderle.
Aber keine Bange, die Teilnehmer sitzen nicht nur auf der Schulbank. „Es bleibt auch Zeit für Ausflüge“, verweist Allmendinger auf das Freizeit-Programm. Und Hobby-Koch Enderle verrät: „Bei einem kulinarischen Ausflug kreieren und genießen wir gemeinsam ein Menü der Spitzenklasse.“

