In der Kirchheimer Innenstadt gibt es ganz schön was zu staunen. Die Blumen sprießen auf dem Kopfsteinpflaster, pastellfarbene Möbel finden ihren Platz in der Dettinger Straße und der „Pop-up-Beach“ lädt am Rossmarkt mit Sand zwischen den Zehen zum Entspannen ein. All diese Verschönerungsmaßnahmen gehören zum Projekt „Zukunft Innenstadt“, mit dem Kirchheim sein Zentrum attraktiver und einladender gestalten will, sagt Giacomo Mastro, der bei der Stadt das Projekt im Rahmen der strategischen Innenstadtentwicklung betreut.
Wer in das Innenstadterlebnis eintauchen möchte, muss nur den Zebrastreifen beim Weißen Ochsen überqueren. „Wenn man von dort die Innenstadt betritt, begrüßen einen gleich zwei unserer ,Pop-up-Gärten‘ “, sagt Mastro. Auf der einen Seite hat die Deula, ein praxisorientiertes Bildungszentrum für die Aus-, Fort- und Weiterbildung insbesondere im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus und der Landwirtschaft, ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Auf der gegenüberliegenden Seite präsentiert sich das Unternehmen Deuschle Gartenbau und Grünpflege aus Notzingen. Während sich die Deula für einen Holzrahmen und verschiedene Gräser entschieden hat, geht es ein paar Meter weiter steinig zu: „Wir haben einen hellen Jurakalkrahmen mit einer Kiesunterkonstruktion gewählt“, sagt der Inhaber Tim Deuschle. Bei der Bepflanzung bekennt das Team Farbe: Unterschiedliche Farben sorgen für sommerliche Stimmung. „Wir haben Pflanzen gewählt, die blühen, aber nicht viel Wasser brauchen“, sagt Deuschle. Die potenziellen Gießpaten dürften sich freuen, fällt der Gang zum Wasserhahn dann vielleicht etwas seltener an.
Gießpaten sind gesucht
„Es haben sich zwar schon ein paar Gießpaten gemeldet, die sich um die Beete kümmern möchten, es könnten aber gerne noch einige mehr sein“, sagt Giacomo Mastro. Besondere Anforderungen müssen diese nicht erfüllen. Es sollen, so Mastro, Kirchheimerinnen und Kirchheimer sein, die in der Nähe der Beete wohnen oder dort ihr Geschäft betreiben, sodass der Weg mit der vollen Kanne nicht allzu weit ist. Sollten sich nicht genügend Paten finden lassen, müssten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bauhofs mit eingespannt werden. Aber auch Tim Deuschle sagt, dass sie regelmäßig nach den Beeten schauen und gegebenenfalls Pflanzen austauschen werden.
Wer die Max-Eyth-Straße Richtung Rathaus weitergeht, kommt schnell zum nächsten Beet. Das Garten- und Landschaftsbauunternehmen Scaglione aus Kirchheim hat ihre rund 15 Quadratmeter große Fläche in der Nähe des Rathauses mediterran gestaltet. „Die Menschen sind interessiert, viele fragen uns, was wir anpflanzen“, freut sich der Inhaber Carmine Scaglione.

„Für die Stadt ist es eine Win-win-Situation“, sagt Giacomo Mastro. Das Zentrum blühe auf und die Gärtnereien können mit ihren Beeten Werbung machen. Kostenlos ist das jedoch nicht: Die Gärtnereien zahlen alles selbst. Ursprünglich sollte die Max-Eyth-Straße noch grüner werden. Es waren noch zwei weitere Beete auf Höhe des Max-Eyth-Hauses und auf der anderen Seite der Fußgängerampel geplant, aber daraus soll in diesem Jahr nichts werden. „Wir haben noch zu wenige Garten- und Landschaftsbauer und die Baustellen nehmen viel Platz ein“, so Mastro.

Am Rossmarkt wartet das nächste Highlight: der „Pop-up-Beach“. Dort verbringen die Bürgerinnen und Bürger bereits im blauen Liegestuhl eine entspannte Mittagspause. Über dem breiten Zebrastreifen enden die Maßnahmen der Stadt noch nicht. Die Dettinger Straße bekommt vom kleinen Dorfplatz am Rössle-Brunnen bis zur Abzweigung in die Walkgasse mit einer pastellfarbenen Möblierung ein Glow-up verpasst. Die Stadtmöbel sind, so Mastro, aus Holz und enthalten neben Sitzgelegenheiten vor allem Pflanzkübel, aber auch Spielmöglichkeiten für Kinder und einen Fahrrad-Service.
Grund für die Aktion ist die teilweise Umwidmung der Dettinger Straße in eine reine Fußgängerzone sowie die im Testbetrieb laufende Verkehrsberuhigung rund um den kleinen Dorfplatz am Rössle-Brunnen, erklärt Giacomo Mastro. „Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat möchten den Bereich aufwerten und für Passanten, Bewohner und Geschäftsinhaber gleichermaßen attraktiver gestalten.“ Das kostet die Stadt nichts: Die Stadt konnte im Rahmen des Förderprogramms „Lebendige Ortsmitten“ des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg von sich überzeugen und hat den Zuschlag für die dreimonatige Möblierung durch den Mannheimer Hersteller City Decks erhalten.

Im Herbst werden die Köpfe noch mal zusammengesteckt: Die Stadtverwaltung möchte zusammen mit der Anwohnerschaft und den ansässigen Händlern entschieden, ob sich die Möblierung bewährt habe, und beratschlagen, welche Bestandteile dauerhaft angeschafft werden sollen.
Das gilt auch für die übrigen Projekte. Die „Pop-up-Gärten“ und der Beach sind bis zum 14. September aufgebaut, danach wird besprochen, ob die Projekte im nächsten Sommer wieder umgesetzt werden sollen und ob sich die Innenstadt erneut in eine grüne Oase verwandelt. Potenzielle Gießpaten können sich bei Giacomo Mastro unter g.mastro@kirchheim-teck.de melden.

