Medizin
Kirchheim bekommt ein Hernienzentrum

In der Medius-Klinik Kirchheim eröffnet unter Leitung von Klaus Kraft im kommenden Sommer ein Zentrum, in dem hauptsächlich Hernien, aber auch andere Beschwerden, ambulant operiert werden.

Die meisten Hernienoperationen sind unkompliziert und erfordern keinen stationären Aufenthalt. Foto: pr

Keiner findet gerne Überraschungen am eigenen Körper. Wenn plötzlich eine Beule in der Bauchregion erscheint, sind Verunsicherung und Panik naheliegende Reaktionen. Oft heißt des Rätsels Lösung „Hernie“.

Mit rund 350.000 Operationen pro Jahr zählt die Behandlung von Hernien zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in Deutschland. Im kommenden Jahr öffnet in der Medius-Klinik Kirchheim ein Zentrum unter Leitung des renommierten Chirurgen Dr. med. Klaus Kraft, das sich auf die ambulante Behandlung von Hernien spezialisiert. Die Vorbereitungen sind schon im vollen Gange.

Es ist im Grunde eine Art Zeitbombe.

Klaus Kraft, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie der Medius-Kliniken Nürtingen und Kirchheim

Bis das Hernienzentrum am 1. Juli 2026 in Betrieb genommen wird, bleibt Klaus Kraft den Medius-Kliniken in Nürtingen und Kirchheim als Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie erhalten. Am dritten Klinik-Standort Ruit hat der 69-Jährige, der sich als Pionier auf dem Gebiet der sogenannten minimalinvasiven Chirurgie einen Namen gemacht hat, diesen Posten bereits an seinen Nachfolger Dr. Tobias Leibold übergeben. Ist das Hernienzentrum fertiggestellt, wird er den Staffelstab auch an den beiden übrigen Standorten an Leibold überreichen. Dass Klaus Kraft für die Leitung des Zentrums ausgewählt wurde, ist naheliegend. Der Chirurg schätzt, dass es kaum jemanden auf der Welt gäbe, der so viele Hernien operiert habe, wie er. „Ich habe das Gefühl, auf meiner Stirn steht mittlerweile: Hernie“, witzelt er. „Das ist mein Ding.“

Hernien – was soll das sein?

Doch was ist eigentlich eine Hernie? Ganz einfach gesagt handelt es sich dabei um Brüche in der Bauchwand. Die gängigste und bekannteste Form ist der Leistenbruch. „Bei Bruch denken viele Leute an Unfallchirurgie“, bemerkt Klaus Kraft. Mit durchgebrochenen Knochen haben Hernien aber nichts zu tun. Klaus Kraft beschreibt sie vielmehr als Löcher, die entweder angeboren sind oder erworben werden.

Durch die Hernie kann das Gewebe die Bauchwand durchdringen. Symbolfoto: stock.adobe.com

Zu Beginn sind die Löcher oft sehr klein; sie können über die Zeit jedoch ausleiern. Wird das Loch zu groß, kann es passieren, dass Organe – in der Regel ist es der Darm, da er sich im Bauch frei bewegen kann – in das Loch hineinrutschen. Das führt zu der sicht- und fühlbaren Beule.

Eine Hernie muss nicht zwangsläufig gleich gefährlich sein. Wie Klaus Kraft klarstellt, können Menschen unter Umständen viele Jahre oder sogar Jahrzehnte ohne Probleme mit einer Hernie leben. Gefährlich wird es erst, wenn sich Organe darin verklemmen. In diesem Fall kann das Loch vor allem bei älteren Menschen schnell lebensbedrohlich werden. „Es ist im Grunde eine Art Zeitbombe“, vergleicht Klaus Kraft.

Anders als manche andere körperliche Leiden können Hernien – zumindest bei Erwachsenen – nicht von alleine heilen. „Das Loch ist wie ein mechanisches Problem, das sich nicht lösen kann“, so der Chirurg. In der Regel erfordern Hernien daher früher oder später eine operative Entfernung.

Es wird alles Mögliche behandelt

Nimmt man es ganz genau, ist die Bezeichnung „Hernienzentrum“ etwas irreführend: Es werden dort zwar in erster Linie, aber nicht ausschließlich, Hernien behandelt, sondern alle möglichen Beschwerden, die nach der OP nicht unbedingt eine stationäre Unterbringung erfordern. „Ich würde es eher ambulantes Operationszentrum nennen“, meint Klaus Kraft. Trotzdem bleibe der Fokus auf den Hernien. Der Noch-Chefarzt verspricht, den Patientinnen und Patienten des Zentrums „die beste Expertise für die Hernienchirurgie“ zu bieten.

Das sind Kosteneinsparungen, die nicht auf Kosten der Patienten gehen. 

Klaus Kraft über die Vorteile der ambulanten Behandlung

Übrigens ist auch das Wort „eröffnen“ im Kontext des Zentrums etwas irreführend. Es werden weder neue Gebäude errichtet noch vorhandene Räumlichkeiten im großen Stil umgebaut. Laut Kraft habe man in Kirchheim schon alles, was man brauche. Denn: In der dortigen Medius-Klinik befindet sich das Zentrum für ambulantes Operieren, das bis zum kommenden Juli zum Hernienzentrum umfunktioniert wird. Wie Klaus Kraft erklärt, betreffen die Veränderungen in erster Linie das „Drumherum“ – die interne Organisation, die Handhabung von Behandlungsfällen und die Prozesse, die im Hintergrund ablaufen: „Es wird etabliert. Das ist wohl die treffendste Beschreibung.“

Warum ambulant?

Das Ziel des Zentrums: „Wir wollen die Leute von jedem Bett fernhalten“, meint Klaus Kraft schmunzelnd. Die Ambulantisierung nennt er einen „sehr begrüßenswerten Vorgang“ und verweist auf den „Wahnsinnsmangel an Pflegepersonal“, mit dem der medizinische Sektor aktuell zu kämpfen habe.

Indem man es Patienten, die nicht zwangsläufig im Krankenhaus bleiben müssen, ermögliche, nach Hause zu gehen, werde das Personal vor Ort entlastet. „Das sind Kosteneinsparungen, die nicht auf Kosten der Patienten gehen“, meint Klaus Kraft. Außerdem, ergänzt der Chirurg, würden es die meisten Patientinnen und Patienten als Vorteil sehen, die Nacht nach der OP nicht in einem Krankenzimmer sondern im eigenen Bett verbringen zu können.

Fakten über Hernien 

Verklemmt sich Gewebe in einer Hernie, spricht man in der Medizin von einer Inkarzeration.

Etwa ein Viertel aller Männer erleiden im Laufe ihres Lebens eine Leistenhernie (oder: Leistenbruch), jedoch nur rund jede 20. Frau.

Es gibt verschiedene Arten von angeborenen Hernien. Am häufigsten kommen Leisten- und Nabelhernien vor. Ein Nabelbruch im Säuglingsalter ist in der Regel ungefährlich und bildet sich oft von selbst zurück.

Eine Hernie kann auch erworben werden. Mögliche Ursachen sind unter anderem eine (altersbedingte) Schwächung des Bindegewebes, Komplikationen nach einer Operation oder ein erhöhter Druck im Bauchraum, etwa durch chronischen Husten, chronische Verstopfung, Schwangerschaft, starkes Übergewicht oder regelmäßiges Tragen schwerer Lasten.