Die Debatte über ein Mindestalter für Apps wie TikTok, Instagram und Youtube nimmt weiter an Fahrt auf. Das Europäische Parlament hat die EU-Kommission aufgefordert, Regeln für Kinder und Jugendliche in den Gesetzgebungsprozess zur Social-Media-Nutzung aufzunehmen. Länder wie Australien sind schon deutlich weiter: Ab dem 10. Dezember dürfen unter 16-Jährige ohne Altersnachweis nicht mehr auf Social- Media-Plattformen zugreifen. Begründung: Die Nutzung von Social Media mit seinen ungefilterten Inhalten, Algorithmen und Abhängigkeitsmechanismen sei für Kinder gefährlich.
Dieser Meinung ist auch das Kernteam der „Smarter Start ab 14“ (S14)-Community, das kürzlich zum ersten Netzwerktreffen ins Café Lebensraum in Kirchheim geladen hatte. Eltern, die sich der S14-Bewegung anschließen, teilen die Haltung, dass sie ihren Kindern erst dann ein Smartphone überlassen wollen, wenn diese jugendlich sind. Kinder seien damit überfordert. Viele dieser Eltern fühlen sich mit der Entscheidung, wann sie ihrem Kind ein Smartphone geben sollen, allein gelassen und wünschen sich mehr Austausch. Zum ersten Netzwerkabend der Kirchheimer S14-Bewegung waren fast 50 Eltern gekommen. „Man hat gemerkt, wie groß der Bedarf ist und wie sehr diese Thematik Familien beschäftigt“, sagt Nicole Pfänder, eine der Initiatorinnen.
Zu Gast an diesem Abend war Jonas Reinöhl, Sicherheits- und Gewaltpräventionstrainer aus Kirchheim, der aus seiner praktischen Arbeit in Schulklassen berichtete. Er zeigte eindrücklich, wie häufig Mobbing, überfordernde Inhalte, Gruppenzwang und unnötige Konflikte in Kinder-WhatsApp-Gruppen auftreten. Seine Empfehlung war eindeutig: „Kinder gehören eigentlich gar nicht in solche WhatsApp-Gruppen. Und wenn Eltern das dennoch erlauben, braucht es strikte Begleitung und klare Regeln, da in vielen dieser Chats Inhalte geteilt werden, die problematisch oder nicht kind- oder jugendgerecht sind“, so Reinöhl.
Kinder gehören eigentlich gar nicht in solche WhatsApp-Gruppen.
Jonas Reinöhl, Sicherheits- und Gewaltpräventionstrainer, über Klassenchats
Der Austausch der Eltern untereinander nahm ebenfalls großen Raum ein. „Eltern wünschen sich geschützte Entwicklungsräume für ihre Kinder, klare Regeln und vor allem eine einheitliche Linie“, fasst Initiatorin Simone Hartmann die Diskussion zusammen. Viele Eltern würden sich fragen, warum Kinder ausgerechnet am Übergang in Klasse 5 ein eigenes Smartphone brauchen sollen, wo doch genau dann so viel Neues auf sie einströme: neue Schule, neue Freundschaften, neue Anforderungen – und parallel dazu ungefilterter Zugang zur Erwachsenenwelt im Internet.
Eltern fordern mehr Regeln
In Gruppenarbeitsphasen sind am Ende des Treffens Ideen und Forderungen an Schulen und Politik entstanden, die das Kernteam an die Schulleiter-AG in Kirchheim überbringen möchte. Forderungen sind unter anderem einheitliche Regeln an allen Schulen. „Viele Eltern wünschen sich endlich klare, verbindliche und einheitliche Vorgaben, damit nicht jede Klasse und jede Schule ihr ‘eigenes Süppchen kocht’“, so Hartmann. Ein weiterer Wunsch waren smartphonefreie Klassen – besonders in Klasse 5 – analog zu Musik- oder bilingualen Klassen. Viele Eltern wünschen sich Absprachen untereinander, die auch den Nachmittag einschließen. „Schulen könnten das unterstützen, zum Beispiel am Tag der offenen Tür oder beim ersten Elternabend oder durch das Anbieten von smartphonefreien Klassen“, so Banu Tasbas von der Kirchheimer S14-Gruppe. Diskutiert wurde auch darüber, dass klassische Handygaragen an manchen Schulen schwierig sind, da die Schülerinnen und Schüler die Räume wechseln. „Die Gruppe fand die Idee von Magnettaschen sehr gut: Das Handy bleibt beim Kind, wird morgens verschlossen und erst am Nachmittag beim letzten Lehrer wieder geöffnet“, sagt Tasbas.
Einig waren sich alle Eltern darin, dass Eltern das Thema nicht allein tragen können. Es brauche politische Signale, Regelungen und Alterskontrollen. „Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterstützen deshalb die Petition ‘Social Media ab 16’ und wünschen sich, dass die Politik endlich handelt“, so Pfänder. Über die Petition hinaus sei eine direkte Kontaktaufnahme mit Politikern vor Ort sinnvoll.
Mehr Infos gibt es auf https://www.smarterstartab14.de/sma16-petition

