Organisatorin Andrea Helmer-Denzel von den SPD-Frauen Kirchheim begrüßte zahlreiche Teilnehmerinnen zum Spaziergang auf den Spuren der Kriminalität in Kirchheim. Dabei wurde schnell klar, jede von ihnen hatte schon mal ein mulmiges Gefühl, wenn sie in der Dunkelheit unterwegs war, sonst wären sie nicht hier.
Die Sinneswahrnehmungen auf Hochtouren in Gang setzt etwa der Bahnhof. Dort machte Polizeioberrat und Kirchheims Revierleiter Jürgen Ringhofer gleich zu Anfang klar, dass die Gefahr im öffentlichen Raum Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, häufig überschätzt werde: „Oftmals ist die subjektive Furcht viel höher wie die tatsächliche Kriminalität, die wir haben.“ Außerdem: Je älter Menschen werden, desto mehr bekommen sie eine Furcht, Opfer einer Straftat zu werden, das sei wissenschaftlich erwiesen. Beschönigen wolle er aber nicht: „Was nicht heißt, dass wir keine Kriminalität haben. Aber wir sind im Vergleich zu anderen Städten in dieser Größe und mit diesem Charakter eine sehr sichere Stadt.“
In den vier besuchten öffentlichen Bereichen – Bahnhof, Herrschaftsgärten, Innenstadt und Postplatz – zeigt die Statistik 2022 Zahlen, die deutlich geringer waren als von den Teilnehmerinnen subjektiv erwartet wurden. Zu den Straftaten, die dort verübt wurden, zählen etwa Alkohol- und Drogen-Delikte, schwere Körperverletzungen, Streitereien, Beleidigungen, schwere Diebstähle, Lärmbelästigungen, Sachbeschädigungen, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz oder Sexualdelikte, wie das Verbreiten von Bildern pornografischen Inhalts.
Straftaten geschehen oft aus einer Täter-Opfer-Beziehung heraus. Häufig spiele Alkohol eine Rolle, der wie ein Gewaltkatalysator wirke, oder auch Drogen. So stellten die Polizisten in den Herrschaftsgärten drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz fest. Angesprochen auf das ganz frisch vom Bundesrat gebilligte und ab dem 1. April 2024 geltende Cannabisgesetz äußerte sich Jürgen Ringhofer skeptisch. „Es wird uns bestimmt im Straßenverkehr herausfordern.“ Drogen würden sich im Fettgewebe ablagern und nach Tagen oder Wochen noch für einen Flashback sorgen. Besonders im Blick hat Kirchheims Polizei den Postplatz, ein Ort der Eventszene, wo freitags und samstags in den frühen Morgenstunden die Polizei Präsenz zeige.
Doch was macht Frau, wenn sie sich verfolgt oder bedroht fühlt? „Ich möchte Sie ermutigen, die Polizei zu rufen“, sagte der Leiter des Polizeireviers. Habe man Angst oder wolle der Polizei eine Mitteilung machen, könne man auf dem Revier anrufen, erreichbar unter der Nummer 0 70 21/50 10. Bei einer akuten Bedrohung solle man den Notruf 110 wählen. „Wir probieren hier als Polizei bestmöglich zu handeln, um Störungen und Gefahrenlagen zu bereinigen. Jedes einzelne Opfer ist ein Opfer zu viel“, so sein Appell.
Abschrecken könne ein Taschenalarm. Auf Knopfdruck ertöne ein schriller, lauter Ton. Eine weitere Alternative bei einem mulmigen Gefühl sei das Heimwegtelefon, zu dem man über das Internet unter www.heimwegtelefon.net nähere Infos bekomme. Unter der Telefonnummer 0 30/12 07 41 82 melde sich ein Mensch, dem man seinen Standort und sein Ziel nenne. Während man dort hinlaufe, könne man ein Gespräch führen und immer wieder sagen, wo man sich befinde.
„Das aggressive Betteln, das möchte ich ihnen ans Herz legen“, sagte Ringhofer abschließend. „Passen Sie auf, wenn jemand mit einem Zettel kommt und sie anspricht, sie hätten alles verloren. Halten sie Abstand zu den Personen, weil sie manchmal sehr raffiniert sind. Da sind auch Taschendiebe mit dabei. Halten sie Abstand, rufen sie ruhig bei der Polizei an und wir schicken dann unsere zivilen Kräfte.“
Info Um die Sicherheit kümmern sich auf dem Polizeirevier Kirchheim 100 Polizeibeamte. „Dazu kommt eine zusätzliche Streife, die nichts anderes macht, als im Sommer montags bis samstags von 16 bis 24 Uhr die Hotspots anzufahren und dort auch mal zu verweilen“, sagt Jürgen Ringhofer. Das Polizeirevier Kirchheim betreut 19 Gemeinden. Es gibt Außenposten in Wernau, Weilheim und Lenningen.

