Es zieht sich – und wie so oft beim Bauen, sind die Gründe vielgestaltig. Bei der Innensanierung der Kirchheimer Martinskirche waren die wichtigeren Gründe für die Verzögerungen das Warten auf die Zuschusszusage und die archäologischen Untersuchungen an den Bodenöffnungen. Mittlerweile steht immerhin ein
Termin fest für die Wiedereröffnung der Kirche: Sonntag, 22. September. Dann sind es zwar nur noch gut anderthalb Monate bis zum Martinstag. Aber die „Verlängerung“ der gedachten Bauzeit hat damit wenigstens kein komplettes Jahr betragen. Eigentlich war nämlich der Martinstag 2023 bereits für die Einweihung der sanierten Kirche vorgesehen gewesen.
Aktuell sind in der Martinskirche deutliche Baufortschritte zu sehen. Der Estrich ist fertig, und auch die Steinepitaphien, die bislang unter der Empore angebracht waren, sind „umgezogen“ – überwiegend in den Chor. Die Rampe, die vom nördlichen Eingang in die ehemalige Kapelle führt, ist ebenfalls bereits fertiggestellt. Diese Kapelle hatte als Sakristei gedient. Sie soll nun zu einem „Raum der Stille“ umgestaltet werden.
Weder im Kirchenschiff noch im Chor oder im neuen Raum der Stille zeigt sich derzeit, dass die Martinskirche noch dieses Jahr wieder für Gottesdienste oder auch für sonstige Veranstaltungen zur Verfügung stehen soll. Aber bis dahin sind es auch noch etwas mehr als fünf Monate. Folglich dürfte die Zeit ausreichen, um bei einem normalen Fortgang der Arbeiten fristgerecht fertig zu werden. Ein Wunder scheint dafür bislang nicht nötig zu sein.
Für die „sonstigen Veranstaltungen“ in der Martinskirche steht künftig sehr viel mehr Raum zur Verfügung: nicht, weil die Kirche erweitert worden wäre, sondern weil sie sich flexibler nutzen lässt. Fest installierte Bänke gibt es nur noch im hinteren Teil. Der vordere Bereich, vor dem Altar, wird bestuhlt, sodass sich ganz andere Möglichkeiten ergeben, etwa für Konzerte. Pfarrer Jochen Maier spricht außerdem von Nutzungen, die man nicht klassischerweise mit einer Kirche in Verbindung bringt, obwohl sie bereits biblisch belegt sind: „Essen oder tanzen.“
Beides sind feste Bestandteile von Hochzeiten – wenn auch erst nach dem Traugottesdienst. Aber für Brautpaare gibt es auch in der Kirche eine Neuerung, die streng genommen eine Rückkehr zu alten Traditionen darstellt: „Es gibt wieder einen Mittelgang“, nennt Jochen Maier einen der sehnlichsten Wünsche, die verwirklicht werden. Das macht den Ein- oder auch den Auszug von Brautpaaren deutlich feierlicher.
Bei einem anderen Wunsch ist allerdings noch nicht abzusehen, ob er sich in die Realität umsetzen lässt: „Viele wünschen sich zum Altargitter auch die Flügeltüren wieder zurück.“ Unter anderem die Tatsache, dass die Türen im Original erhalten sind, hat zu diesem Wunsch geführt. Daraus ergeben sich aber auch gewisse Probleme: „Wir müssen die Türen ohne großen Aufwand auf- und zumachen können“, meint Pfarrer Maier. „Dafür müssten wir aber Rollen anbringen, was einen starken Eingriff in die Originalsubstanz bedeutet. Und da macht möglicherweise das Denkmalamt nicht mit.“ Der Umgang mit Flügelfiguren scheint also einfacher zu sein als der mit Flügeltüren.
Das Problem der Finanzierung
Ein ganz anderes Problem ist die Finanzierung, wenn es darum geht, eine denkmalgeschützte Immobilie wie die Martinskirche in Schuss zu halten. Nach der Dach- und der Außensanierung ist die Innensanierung nun bereits der dritte große Bauabschnitt der Gesamtsanierung. Danach könnte für einige Jahre Ruhe einkehren – stünde dann nicht auch noch die Orgelsanierung an. Kirchenpfleger Jörg Stolz rechnet mit mindestens 250 000 Euro, um auch die Orgel endlich wieder auf Vordermann bringen zu können. „Immerhin“, meint er, versehen mit der nötigen Portion Zuversicht, „hat die Stiftung Martinskirche schon wieder 19 000 Euro an ausschüttbarem Kapital angesammelt.“
Die Stiftung und ihre Weingeschichten
Mehr als 160 000 Euro hat die Stiftung Martinskirche bereits ausgeschüttet, als Anteil an der Finanzierung der drei Bauabschnitte: Auf die Dachsanierung waren die Außen- und die Innensanierung gefolgt. „Klar ist, dass das Geld immer fehlt“, sagt Kirchenpfleger Jörg Stolz über den finanziellen Kraftakt, den die Komplettsanierung der Kirche bedeutet.
Die Martinskirchenstiftung ist vor 16 Jahren gegründet worden, um die Kirchheimer Gesamtkirchengemeinde beim Unterhalt ihres wichtigsten und ältesten Gebäudes zu unterstützen. Um den Stiftungsstock aufzubauen, dessen Stand derzeit 537 000 Euro aufweist, haben sich die Gründungsstifter mit je mindestens 1 000 Euro eingebracht. 214 Zustifter wiederum haben sich später mit jeweils mindestens 250 Euro beteiligt.
Zwei Veranstaltungen gehören zum festen Programm der Stiftung: das Martinsgansessen, das jedes Jahr um den 11. November herum abgehalten wird, um an den Namenspatron der Kirche zu erinnern, und die „Weingeschichten“ im Frühjahr.
Die Weingeschichten haben als Mäzen die Holzbau Werner GmbH aus Bad Urach-Hengen. Das Unternehmen war ein wichtiger Partner bei der Dachsanierung, und seither geht die Beziehung weit über die reinen Geschäfte hinaus. Geschäftsführer Hartmut Werner sucht stets gemeinsam mit dem langjährigen Stiftungsvorsitzenden Erich Sigel die Weine für die Weingeschichten aus.
Anmeldungen für die Weingeschichten sind bis spätestens Mittwoch, 24. April, möglich – telefonisch unter der Nummer 0 70 21/9 20 30-10 oder per E-Mail an die Adresse Renate.Lang@elkw.de. Die Veranstaltung selbst beginnt am Freitag, 26. April, um 19.30 Uhr in der Auferstehungskirche. Zur Auswahl stehen Weine der Winzergenossenschaft Collegium Wirtemberg. Dazu gibt es ein Vesperbüfett und Geschichten rund um den profanen Weinbau. Der Erlös aus den 44 Euro Teilnahmebeitrag pro Person kommt vollumfänglich der Martinskirchenstiftung zugute. vol

