Neubau
Kreis plant 115-Millionen-Euro-Projekt auf dem Säer

Der Landkreis braucht dringend mehr Raum für Kinder mit speziellem Förderbedarf. In Nürtingen könnte ein weiteres sonderpädagogisches Schulzentrum entstehen.

Neben Krankenhaus und beruflichen Schulen auf dem Nürtinger Säer wäre Platz für den Neubau eines Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) für Kinder und Jugendliche mit einem erhöhten Förderbedarf. Foto: Daten- und Kartendienst der LUBW

Der Landkreis drückt bei der Lösung eines seiner drängendsten Probleme aufs Tempo. Auf der Suche nach einem Grundstück für den Bau eines zusätzlichen Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) rückt der Nürtinger Säer in den Fokus von Bauherr und Planern.  Am Donnerstag gab der Schulausschuss des Kreistags grünes Licht für weitere Entwicklungsschritte an dieser Stelle. Das fast zweieinhalb Hektar große Grundstück liegt eingebettet zwischen der Medius-Klinik und dem neuen Bildungscampus der Albert-Schäffle-Schule, der beruflichen Schule in Trägerschaft des Landkreises. Der Standort gilt nach einhelliger Meinung als ideal. Die Suche nach möglichen Alternativen, bei der der Kreis mit allen 44 Städten und Gemeinden im Austausch stand, war zuvor erfolglos verlaufen. Die wenigen verfügbaren Flächen, etwa auf dem Wendlinger Otto-Areal oder in den Köngener „Neckarwiesen“, haben sich in Abstimmung mit dem Büro „asp Architekten“ in Stuttgart, das die Vorstudien erarbeitet hat, als für einen Schulstandort ungeeignet erwiesen.

Warum muss gebaut werden?

Die Schülerzahlen in den Förderschulzentren im Kreis, wie etwa in der Esslinger Rohräckerschule oder der Verbundschule in Dettingen, sind in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen, und ein Ende ist nicht in Sicht. Es fehlt an Räumen und Personal. Grund für den Anstieg sind eine verbesserte Diagnostik, Fortschritt in Therapie und Pädagogik und wenig Erfolg beim Thema Inklusion.

Besteht das Problem nur hier?

Eine vom Landkreistag angestoßene Befragung hat ergeben, dass so gut wie alle der 35 Landkreise und neun Stadtkreise in Baden-Württemberg mit diesem Problem zu kämpfen haben. Dass der Landkreis Esslingen einer der am stärksten betroffenen ist, liegt in der Natur der Sache: Er ist der drittgrößte und einer der am dichtesten besiedelten landesweit. Letzteres erschwert auch die Suche nach einem geeigneten Baugrundstück.

Wann könnte gebaut werden?

Frühestens Mitte 2026 könnte der Kreistag einen Baubeschluss fassen. Die Pläne auf dem Säer würden in Abstimmung mit Verwaltung und Gemeinderat in Nürtingen eine Änderung des Bebauungsplanes erfordern. Für dieses Verfahren wird mit einer Dauer von mindestens zwei Jahren gerechnet. Weil auch die Parkplätze gemeinsam mit der angrenzenden Albert-Schäffle-Schule und der Fritz-Ruoff-Schule neu geordnet werden müssen, wäre der Bau eines neuen Parkdecks geplant. Weil dieser vorgezogen werden müsste, würde sich der Baubeginn für das eigentliche Schulgebäude verzögern. Auf dem gesamten Campus wird mit einem Bedarf von 1000 Stellplätzen gerechnet. In einem dritten Schritt ist auch die Angliederung eines sonderpädagogischen Kindergartens vorgesehen. Ein Baustart wäre Mitte 2029 denkbar. Als realistischer Zeitpunkt für eine Fertigstellung gilt 2032.

Wie groß soll der Bau werden?

Erste Vorstudien gehen von einer drei- bis viergeschossigen Bauweise aus. Der errechnete Platzbedarf beläuft sich auf 22.500 Quadratmeter. Etwa 1500 Quadratmeter wären im Außenbereich als Freifläche vorgesehen.  

Was soll das Ganze kosten?

Die bisherigen Kostenschätzungen für das Projekt belaufen sich auf rund 115 Millionen Euro. Darin soll zwar ein Risikopuffer enthalten sein, aber nicht die Kosten für den Bau eines notwendigen Parkdecks. Wenn Klarheit herrsche, werde man sich intensiv mit einer Finanzierungsstrategie beschäftigen. „Dabei könnten auch Mittel aus dem Infrastrukturprogramm der Berliner Regierung eine Rolle spielen“, sagt der Esslinger Landrat Marcel Musolf.

Gibt es Kritik an den Plänen?

Die Notwendigkeit eines Neubaus ist unstrittig. In den kommenden fünf Jahren müssen Schüler der SBBZ in Container auf dem Gelände der Nürtinger Philipp-Matthäus-Hahn-Schule ausweichen, wo zuvor Flüchtlinge untergebracht waren. Weil der Standort auf dem Säer zwar in der geografischen Mitte des Landkreises liegt, jedoch nicht im Zentrum der höchsten Siedlungsdichte, sehen vereinzelte Kreistagsmitglieder den Filderraum benachteiligt. Allerdings wurde die Rohräckerschule am Esslinger Zollberg, in direkter Nähe zu den Fildern, erst vor kurzem für rund 56 Millionen Euro saniert und erweitert.

 

Drei SBBZ unter dem Dach des Landkreises

Im Kreis Esslingen gibt es drei zentrale Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), die jeweils unterschiedliche Förderschwerpunkte abdecken. Diese SBBZ sind wichtige Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf und bieten spezialisierte Unterstützung und individuelle Förderung.


Rohräckerschulzentrum Esslingen Die Rohräckerschule ist das größte SBBZ im Kreis und deckt gleich mehrere Förderschwerpunkte ab: Lernen, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung sowie Sprache. Die Verbundschule in Dettingen ist eine Außenstelle der Rohräckerschule.


Sprachheilschule Esslingen Hier ist man spezialisiert auf Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen und bietet gezielte Förderung in kleinen Lerngruppen. Die Schule ist zwar auch Teil des Rohräckerschulzentrums, arbeitet jedoch eigenständig und bietet eine intensive Sprachtherapie im schulischen Alltag.


Lindenschule Ostfildern Die Schule ist spezialisiert auf Kinder mit erheblichen Lernschwierigkeiten und Entwicklungsverzögerungen. Sie kooperiert eng mit Regelschulen und bietet umfassende Betreuung im Ganztagsbetrieb. bk