Ein echter Hingucker ist sie, die neue Rampe, die Rollstuhlfahrerinnen, Rollstuhlfahrern und Menschen mit Rollatoren ab sofort den Zugang zum Café Bäcker Mayer in Jesingen ermöglicht. Gebaut ist sie aus über 10.000 Lego-Steinen, Bricks und Duplo-Steinen, wobei Ortsvorsteherin Gabriele Armbruster keine genaue Zahl nennen kann. Eines weiß sie aber genau: „Rund 98 Prozent der Steine sind gespendet!“ Ab September 2024 hatte die Ortsverwaltung dazu aufgerufen, Keller und Kinderzimmer nach nicht genutzten Bausteinen zu durchforsten – mit gigantischem Erfolg. „Ich bin jeden Tag herumgefahren und habe Lego eingesammelt“, sagte Gabriele Armbruster bei der Einweihung. Auch an den Sammelstellen seien Steine abgegeben worden.
Ich bin jeden Tag herumgefahren und habe Lego eingesammelt.
Gabriele Armbruster, Ortsvorsteherin, über die große Spendenbereitschaft
Gemeinschaftsgefühl haben die Jesinger auch beim Bau der Rampe bewiesen. Die erste Bauaktion fand im Café Bäcker Mayer statt. „Wir hatten die Rampe dann beim Straßenfest dabei, und auch beim Erntedank-Markt, im Lindach-Café und in der Ferienbetreuung wurde daran gearbeitet“, sagte Kristine Eberle, Koordinatorin des Beteiligungsprojekts „Unser Jesingen“, die die Konstruktion gemeinsam mit der Inklusionsbeauftragten Karoline Brüstle koordiniert hat.

Wie stabil die Rampe ist, durfte bei der Einweihung der Jesinger Jürgen Baur testen, der seit einem Schlaganfall halbseitig gelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. Für die Fotografen fuhr er mehrmals hinein ins Café – und wieder hinaus. Baur freut sich, dass er endlich nicht mehr draußen bleiben muss. Es war für ihn der erste Besuch im Café Bäcker Mayer. „Ich finde die Rampe sehr gelungen. Und die raue Oberfläche ist auch gut“, sagte der 64-Jährige, der sich in wenigen Tagen einen lang gehegten Traum erfüllt: Er fährt mit seinem E-Rolli über 1000 Kilometer von Jesingen bis nach Kroatien. Maximal zwölf Tage soll die Reise dauern.
Die bunte Rampe in Jesingen ist laut den Verantwortlichen die erste ihrer Art im Umkreis. Nachahmung ist aber nicht nur erwünscht, sondern auch möglich. Denn die Spendenbereitschaft war offenbar so groß, dass Steine übrig geblieben sind. „Wenn jemand eine Rampe bauen will, begleiten wir das gerne“, sagte Karoline Brüstle. Allerdings brauche es für die Aktion ein Bau-Team. Ortsvorsteherin Gabriele Armbruster hofft, dass die Rampe lange hält und respektvoll behandelt wird. „Dass die Rampe Opfer von Vandalismus wird, davor haben einige Angst“, sagte sie.

