Der vielfach ausgezeichnete Autor Johannes Hucke stellt in der Stadtbücherei sein Werk „Dragoner wider das Morgenlicht“ vor – ein ebenso bildmächtiges wie eigenwilliges Epos, das sich als Parabel auf Herkunft, gesellschaftliche Zwänge und Widerstand lesen lässt.
Seit Jahrhunderten lebt im feuchten Niemandsland eines Mittelgebirges eine Großfamilie, die den Nieselregen liebt, das Sonnenlicht fürchtet und sich im Schlamm einer selbstgewählten Abgeschiedenheit eingerichtet hat. In dieser unwirtlichen Welt werden archaische Rituale gepflegt, Speisen zubereitet, die außerhalb der Region niemand anrühren würde, und Werte tradiert, die mit der Gegenwart kaum noch vereinbar scheinen. Um ein drohendes Stigma abzuwenden, entsendet die Gemeinschaft einen jungen Schweinehirten in die Großstadt F. – ausgestattet mit einem devianten Wertekodex und gänzlich unvorbereitet auf eine durchgestylte, normierte Zeitgenossenschaft.
Mit sprachlicher Wucht, groteskem Humor und großer erzählerischer Konsequenz entfaltet Hucke ein Außenseiter- und Schelmenepos, das das Alte und das Allerneueste Deutschland auf unheilvolle Weise miteinander verschränkt. „Dragoner wider das Morgenlicht“ ist zugleich Liebeserklärung an das Unwirtliche und radikale Zumutung an vertraute Denk- und Lebensformen. Der Autor selbst bezeichnet das Werk als sein „opus magnum“. Die Titelillustration stammt von Michael Sowa – in der Hauptrolle das Wollschwein Gina-Lisa, treue Begleiterin des Hirten auf seiner Reise vom Mythos zum Widerstand.
Die Lesung ist Teil des Jahresprogramms 2026 des Kirchheimer Literaturbeirats, das unter dem Motto „Feuer, Erde, Wasser, Luft“ steht und literarische Perspektiven auf Wandel, Herkunft und gesellschaftliche Bewegung eröffnet.
Eine Anmeldung ist bis zu, 13. Februar erforderlich: 0 70 21/50 23 77, museen@kirchheim-teck.de. pm

