Porträt
Lothar Maisch packt seine Koffer

Lothar Maisch beendet seine Laufbahn als Orthopädietechniker. Rund 45 Jahre lang hat er das Sanitätshaus Maisch über die Teckregion hinaus aufgebaut. Aber auch in der Rente sitzt er nicht still. 

Lothar Maisch betont, dass ihm sein Erfolg in der Orthopädie nicht ohne seine verstorbene Frau Cäcilie Maisch gelungen wäre. Fot
Lothar Maisch betont, dass ihm sein Erfolg in der Orthopädie nicht ohne seine verstorbene Frau Cäcilie Maisch gelungen wäre. Foto: pr

Lothar Maisch (74) wollte eigentlich Zimmermann werden. Sein Vater hat ihn aber davon abgehalten, in seine Fußstapfen zu treten. Für zu unsicher hielt dieser im Jahr 1964 die Zukunft der Branche: „Es wird heute alles betoniert, lern irgendwas anderes“, hatte der Vater dem Sohn geraten. So kam es, dass das heutige Urgestein der Orthopädie einen neuen Weg einschlug. Heutzutage verbringt Lothar ­Maisch viel Zeit in Kuba – von wo aus er auf sein Arbeitsleben zurückblicken kann. 

Fingerspitzengefühl gefragt

Das Sanitätshaus Maisch hat seinen Anfang 1979 in der Hindenburgstraße in Kirchheim genommen. Mittlerweile zählt das Unternehmen acht Standorte in Esslingen, Nürtingen, Wendlingen, Göppingen und zwei davon in Kirchheim, sagt Lothar Maisch mit einem stolzen Grinsen. Der Schwerpunkt des Unternehmens habe sich über die Jahre hinweg verschoben. So wurden zu Beginn überwiegend Beinprothesen gebaut. Dieser Umstand sei dem Zweiten Weltkrieg geschuldet gewesen, sagt Maisch. Später spezialisierte sich das Unternehmen auf die Versorgung von Kindern. Dabei käme es vor allem auf eines an: Fingerspitzengefühl.

„Ich habe nie einen weißen Kittel angezogen“, sagt Lothar ­Maisch. Man müsse bei dieser Tätigkeit wissen, dass die Kinder oft Angst hätten und verunsichert seien. Nicht selten hätten sie verschiedene OPs hinter sich. „Und dann kommt schon wieder einer mit dem weißen Kittel. Ich war immer normal angezogen, um etwas Spannung rauszunehmen“, erklärt Maisch. Besonders häufig hat er Kinder mit Downsyndrom mit dynamischen Fußorthesen versorgt. Dabei handelt es sich, so Maisch, um Einlagen, die bestimmte Triggerpunkte im Fuß ansprechen, wodurch die Muskeln aktiviert werden. 

An Fälle, die ihn bewegt haben, kann sich der 74-Jährige zur Genüge erinnern. „Ich habe Kinder behandelt, die jetzt im Rentenalter sind“, sagt er. Einige kämen noch heute, um sich etwa Unterschenkelorthesen anfertigen zu lassen. Deshalb wird sein Sohn, David Maisch, der heute einer von drei Geschäftsführern ist, regelmäßig damit beauftragt, Grüße an seinen Vater auszurichten.

Unterstützung ins Boot geholt

Lothar Maischer betont, dass er seinen Beruf stets mit viel Hingabe ausführte. Nicht zuletzt deshalb sei das Unternehmen stetig gewachsen. So kam das Haus der Orthopädie in der Villa in der Steingaustraße dazu – neben dem Sanitätshaus sind außerdem eine orthopädische und eine physiotherapeutische Praxis eingezogen. Maisch holte sich durch die Mitgesellschafter Ronny Vatter, Udo Hamann und Andreas Staudenmayer Verstärkung in das Unternehmen, sodass sich dieses in den Räumen der einstigen Nudelfirma Hermann in der Stuttgarter Straße weiterentwickeln konnte. Es entstanden eine Verwaltungsabteilung, eine Rehaabteilung und eine große orthopädietechnische Werkstatt. 

Bei all diesen Erfolgen ist es Lothar Maisch wichtig, zu betonen, dass ihm das ohne seine bereits verstorbene Frau Cäcilie Maisch nicht gelungen wäre. Sie habe in der gesamten Zeit mit ihm an einem Strang gezogen und das Unternehmen mitaufgebaut. Seine Rente hatte er sich daher anders vorgestellt: Eigentlich wollten die Eheleute zusammen auf Reisen gehen. Da seine Frau aufgrund einer Krebserkrankung bereits vor drei Jahren gestorben ist, hat er sich dazu entschieden, mit einem Freund zusammen die Koffer zu packen. Achtmal war er in den vergangenen Jahren schon in Kuba. Im dortigen Kinderhilfswerk, das behinderte Kinder und Frauen unterstützt, engagiert er sich. ​​​​