Übernachten im Hotel, Trainieren im Fitnessstudio, Einkaufen im Dorfladen und jetzt bald auch Grünschnitt, Kartons oder Schrott entsorgen? Das Angebot an Dienstleistungen zu jeder Zeit, ohne Personal und mit digitaler Unterstützung wächst. Für ein Sesam-öffne-dich genügt es häufig, eine Plastikkarte vorzuzeigen. Auf den Recyclinghöfen im Landkreis, wo Privatleute ihre wiederverwertbaren Abfälle abliefern können, soll es irgendwann ein QR-Code sein. Das Ganze klingt simpel: Über Homepage oder App des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) einen Termin buchen, per Mail einen QR-Code erhalten und diesen am Eingangstor scannen. Das Tor öffnet sich, der Weg zu einem separaten SB-Bereich mit Containern ist frei – auch schon am frühen Morgen oder späten Abend.
Freiburg, Frankfurt, Starnberg, Wolfschlugen – das klingt doch nicht schlecht.
Landrat Marcel Musolf zu den Pilotkommunen mit digitalen Wertstoffhöfen
Noch ist das Zukunftsmusik, aber nicht mehr allzu lang. Ab Juli kommenden Jahres soll in Wolfschlugen ein erster Testlauf starten. Der Landkreis folgt damit einer kleinen Zahl an Kommunen, die diesen Service bereits bieten: Freiburg, Frankfurt, Starnberg – und jetzt Wolfschlugen. „Das klingt doch nicht schlecht“, sagt Landrat Marcel Musolf, der gemeinsam mit AWB-Chef Michael Potthast das Projekt im Kreistagsausschuss vorstellte. Der gab am Donnerstagabend zwar einstimmig grünes Licht für die Vorbereitung der Pilotphase. Das Meinungsspektrum war dennoch breit gefächert.
Wolfschlugens Bürgermeister Matthias Ruckh, der für die Freien Wähler im Kreistag sitzt, hatte schon früh seine Bereitschaft für einen Testlauf in seiner Gemeinde bekundet, knüpft dies allerdings an Bedingungen. Online-Buchungen an Sonn- und Feiertagen müssten ausgeschlossen sein, betont er. Zwar nennt sich der Arbeitstitel für das Projekt „Recyclinghof24“. Im Moment ist allerdings geplant, die Sammelstelle an Samstagen und Sonntagen von 9 bis 21 Uhr auf Wunsch offen zu halten. Unter der Woche sollen bereits ab morgens um 7 Uhr halbstündige Zeit-Slots gebucht werden können. Der Wertstoffhof, der am südlichen Ortsrand auf halber Strecke zur Kläranlage liegt, gilt als ideal für die Erprobung. Lage, mittlere Größe, Platz für einen abgetrennten SB-Bereich und ein Tor, das sich leicht auf einen automatischen Betrieb umrüsten ließe. „Das waren die Kriterien“, sagt Michael Potthast. Je nach Lage spiele auch die Lärmbelastung eine Rolle.
Bedenken angesichts der Kosten äußert die AfD. Einmalig 60.000 Euro müssten laut AWB für die Ausstattung mit vernetzter Software, entsprechender Beleuchtung, Videoüberwachung und elektrischem Torantrieb ausgegeben werden. „Bei 57 Recyclinghöfen im Kreis wären das mehr als 3,4 Millionen Euro“, rechnete Fraktionssprecher Ulrich Deuschle vor. Sorgen, die man im AWB zu entkräften versucht. Die Kosten für die Software fielen nur einmalig an, zudem sei es weder geplant noch möglich, alle 57 Wertstoffhöfe im Kreis umzurüsten, betont Potthast. Auch das Risiko für Vandalismus oder illegale Müllentsorgung hält Potthast für kalkulierbar. Lückenlose Videoaufzeichnungen, die laut Gesetz 72 Stunden gespeichert und bei Bedarf rückverfolgt werden können, sollen mögliche Täter schnell entlarven. In erster Linie dient die Kamera jedoch der Kundensicherheit. „Wenn es irgendwelche Probleme gibt, wollen wir die Person nicht nur hören, sondern auch sehen“, sagt Michael Potthast.
Auch die Frage, ob dieses Modell künftig Arbeitsplätze vernichte, stand im Raum. „Wir werden unsere Leute auch weiterhin zu den bisherigen Betriebszeiten brauchen, um die Anlagen sauber und in Schuss zu halten“, entgegnet der AWB-Chef. Peter Nester (CDU) dreht den Spieß um: „Irgendwann“, sagt er, „werden wir dieses Personal vielleicht gar nicht mehr h
Einheitliche Öffnungszeiten für die sieben Großen
Für die sieben größten Entsorgungseinrichtungen im Landkreis, zu denen auch die Recyclingstationen im Beurener Blumentobel und im Kirchheimer Kompostwerk zählen, sollen ab 1. Januar einheitliche Öffnungszeiten gelten. Die neue Regelung soll Kunden mehr Klarheit verschaffen und gleichzeitig den Austausch von Personal in Vertretungsfällen erleichtern. Neu ist der lange Freitag bis 18 Uhr als Angebot für Berufstätige.
Die neuen Öffnungszeiten im kommenden Jahr: Montag, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16.45 Uhr. Am Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 8 bis 13 Uhr. Am Dienstag sind die Einrichtungen ab Januar nur noch am Vormittag von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Am Dienstagnachmittag sollen unter anderem Reinigungsarbeiten ohne Besucherverkehr möglich sein. Einzige Ausnahme ist die Station „Eichholz“ in Filderstadt. Sie bleibt am Dienstag ganztägig geöffnet und schließt stattdessen am Mittwochvormittag. bk

