Lebensabschnitt
Nach 13 Jahren: Michael Mattner gibt seinen Campingplatz in Isny ab und lebt wieder in Kirchheim

2011 übernahm Michael Mattner das „Waldbad Camping“ in Isny. Jetzt ist er zurück in Kirchheim und hat die Seiten gewechselt: Heute reist er wieder ausschließlich als Gast auf die Plätze.

Abends am See, wenn die Gäste in ihren Wohnwagen verschwunden waren, setzte sich Michael Mattner auf die Bank am Wasser. „Da habe ich kurz durchgeatmet und genossen, was ich den ganzen Tag gepflegt hatte“, sagt er. Dreizehn Jahre lang war der Campingplatz in Isny im Allgäu sein Lebensmittelpunkt. Jetzt ist er verkauft, und Michael Mattner lebt wieder unter der Teck.

Vom Traum zur Entscheidung

Der gebürtige Kirchheimer arbeitete drei Jahrzehnte bei Daimler, als Meister in der Motorenentwicklung. „Mit Mitte 40 wollte ich nochmal was ganz anderes. Ein geheimer Traum war’s eigentlich immer“, erzählt er. Campingplätze kannte er vom Urlaub. „Betreiben ist was anderes als besuchen“ stellt er heute lachend fest. Zwei Jahre suchte er gezielt – Süddeutschland hatte er im Blick, sonst war er frei. „Es gibt nur einen Makler in Deutschland, der sich auf Campingplätze spezialisiert hat. Man lässt sich listen und bekommt Angebote per Mail.“ Fündig wurde er letztlich aber nicht dort, sondern über eine Camping-Fachzeitschrift: 2011 überzeugt ihn das idyllische Isny im Allgäu. „Badesee, Waldlichtung, verschiedene Ebenen, Baumgruppen und Stellplätze, die keine Sardinenbüchse sind.“ Der Vorgänger ist Mitte siebzig, der Platz „fast tot“, und die Umsätze am Boden. Die Gemeinde wollte den Wechsel, er das Projekt. „Ich wollte in der Natur sein, Dinge bauen und gestalten“, sagt er.

Umbau im laufenden Betrieb

Nach der Übernahme begann der Umbau nahtlos. „Als Erstes habe ich die PV-Anlage aufs Dach gesetzt“, erinnert sich Mattner. „Wir standen Ende Dezember bei Schnee oben, weil der 30. Dezember der Stichtag war, danach wäre die Vergütung schlechter gewesen.“ Vieles gelang, weil sein Vater Hans Joachim mit Erfahrung und ruhiger Hand zur Stelle war. Danach folgten die Grundlagen, Schritt für Schritt: Sanitärräume renoviert und saniert, drei Ferienhäuser gebaut, weitere Stellplätze erschlossen. „TV, Abwasser, Strom und WLAN, alles, was heute eben gefragt ist kamen dazu“, erzählt er. Auch das Hauptgebäude wandelte er um. „Aus der alten Pension wurden drei Wohnungen, eine Betreiberwohnung und zwei Ferienwohnungen.“

Die Entwicklung ist klar messbar: „Am Anfang waren es 5000 Übernachtungen pro Jahr, am Ende 25.000. Der Campingboom hat natürlich auch dazu beigetragen, aber es hat sehr gut funktioniert und letztlich ist die Rechnung aufgegangen.“

Sieben Monate Vollgas

Als neuer Betreiber zahlte er aber auch sein Lehrgeld. Gleich zu Beginn stand eine größere Gruppe mit zehn bis zwölf Wohnwagen vor der Tür. Zunächst freute er sich über den Umsatz. „Die haben nebenher aber irgendwelche Geschäfte gemacht, sich dazu nicht benommen und wollten auch nicht mehr freiwillig gehen. Am Ende half nur noch die Polizei. Das ist deren Masche und ein neuer Betreiber ohne Erfahrung spricht sich rum.“

Der Campingplatz ist natürlich schon zu meinem Baby geworden.

Michael Mattner hat den Platz im idyllischen Isny 13 Jahre lang gepflegt. 

Wie viel Arbeit im Platz steckt, merkte er sofort. „Im Sommer sieben Tage die Woche, mehrere Monate am Stück. Frei gab es nicht.“ An der Rezeption hielt seine Partnerin Peggy Fichtner den Laden mit am Laufen. Zwei bis drei Jahre machte er zusätzlich die Gastronomie selbst, später verpachtete er sie. Die Instandhaltung lief durchgängig. Der Jahresrhythmus auf einem Campingplatz ist fix: Platz zu, Urlaub, Winter-Renovierungen, ab Weihnachten die ersten Buchungen, nochmal kurz Urlaub, dann wieder Saison. Anfangs ließ er sogar zu Weihnachten und Silvester offen. „Damals gab’s noch viel Schnee und wir haben stundenlang mit dem Bagger den Platz geräumt. Aber der Aufwand war letztlich zu hoch.“ So hart das Pensum war, die Freude blieb: Auf den Saisonstart freute er sich jedes Jahr.

Vom Platzchef zum Gast

2024 zog er dann aber den Schlussstrich. Er schrieb offiziell sein „Waldbad Camping“ aus und verkaufte es, das Interesse war groß. „Fünf Jahre später hätte man schon wieder investieren müssen. Ich stieg lieber zu früh als zu spät aus.“ Das Loslassen fiel ihm nicht schwer. Viele Stammgäste schrieben, bedankten sich, wollen in Kirchheim bei ihm vorbeischauen. „Der Campingplatz ist natürlich schon zu meinem Baby geworden, aber ich bereue nichts.“

Der Blutdruck ist besser.

Michael Mattner bereut den Verkauf seines Campingplatzes nicht.

Nach dem Verkauf blieben er und seine Partnerin zunächst in einer der Wohnungen auf dem Platz in Isny. Parallel waren sie viel mit dem Wohnmobil unterwegs und suchten ein Haus. In Kirchheim sind sie fündig geworden, dort hat der 60-Jährige jetzt wieder ein Projekt – ihr neues Zuhause instandsetzen – ​​​​​​, trotz Ruhestand. „Ich habe die Seiten gewechselt. Jetzt fahre ich Wohnmobil und schaue mir die Plätze von der anderen Seite an.“ Der Wechsel war spürbar. „Von 120 Prozent auf null war anfangs komisch“, sagt er und fügt hinzu: „Der Blutdruck ist besser.“