Euphorie sieht anders aus, doch tief im Keller war die Stimmung hoch über den Dächern Kirchheims in König's Bistro im Möbel König kurz nach 18 Uhr auch nicht. Dorthin hatte die CDU-Landtagskandidatin Natalie Pfau-Weller ihre Wahlhelferinnen und -helfer, Freunde und Familie eingeladen, um dem Wahlergebnis entgegenzufiebern. Bei den ersten Zahlen aus dem Wahlkreis kam dann das erste Mal Stimmung auf, lautes Klatschen war zu hören. Leberkäs und Kartoffelsalat mussten warten. „Das kann nicht sein. Ich liege in Kirchheim vor Andreas Schwarz?“, konnte es Natalie Pfau-Weller, Sohn Julian auf dem Arm, nicht glauben. „Herrje, ist das eine Zitterpartie“, schob sie nach.
Nach der ersten Hochrechnung des SWR, die auf einer großen Leinwand im Bistro zu verfolgen war, griff die Politikerin zum Mikrofon. „Das Ergebnis ist bitter und schade. Aber ich könnte noch das Direktmandat bekommen“, lautete die erste Einschätzung von Natalie Pfau-Weller. Zu diesem Zeitpunkt lagen Linke und FDP unter der Fünf-Prozent-Hürde, weshalb sie sich sicher war, wegen der Ausgleichmandate über die Liste wieder in den Landtag einzuziehen. „Wir bibbern und zittern und hoffen auf ein gutes Ergebnis“, gab sie sich optimistisch.
Natalie Pfau-Weller hob das große Engagement ihrer vielen ehrenamtlichen Wahlhelfer hervor, die unter anderem Plakate geklebt und an über 1500 Haustüren geklingelt haben. „Ihr habt viel Zeit aufgewendet und könnt auf jeden Fall stolz sein, auf das, was ihr geleistet habt.“ Die Stimmung im Bistro erinnerte ein bisschen an ein Familienfest. Man kennt sich. Dazwischen war immer wieder Kinderlachen zu hören, im Spielzimmer nebenan, wurde die Rutsche in Beschlag genommen.
Erster Wahlabend
Natalie Pfau Weller sprach von einem ausgewählten Kreis, den sie eingeladen hat. Bewusst hat sie sich gegen eine komplett öffentliche Veranstaltung entschieden. „Es ist mein erster Wahlabend. Beim letzten Mal war Corona und wir sind in dieser Zeit umgezogen“, erzählte sie. Wider Erwarten habe ihr der Wahlkampf an der Haustür richtig Spaß gemacht. „Die Schmutzkampagne am Ende des Wahlkampfs fand ich schade. Das ist amerikanisch geworden“, bedauerte sie.
Von der ersten Hochrechnung war Natalie Pfau-Weller enttäuscht. „Wir haben gedacht, wir stellen den Ministerpräsidenten. Im Oktober hatten wir einen großen Abstand zu den Grünen“, erklärte sie und sagte weiter: „Mit Andreas Schwarz habe ich einen gewaltigen Gegner als Fraktionsvorsitzender der Grünen.“
Am Ende des Abends ist die Stimmung eine andere. „Das sieht gut aus. Neun Prozent Unterschied zu Andreas Schwarz ist unglaublich. Ich freue mich riesig und bin stolz, dieses Ergebnis erreicht zu haben. Es gibt noch mal eine Runde Sekt“, ist sie deutlich zufriedener als zu Beginn des Abends. Zu diesem Zeitpunkt ist einer der kleinen Söhne eingeschlafen, die anderen zwei Kinder halten aber tapfer die Stellung. Lange wollte Natalie Pfau-Weller nicht in die Nacht hineinfeiern. „Die meisten hier müssen am Montag arbeiten und Charlotte muss in die Schule – wir werden zügig die Segel streichen“, erklärte die direkt gewählte CDU-Landtagsabgeordnete.

