Hanf – wer in diesem Fall an illegale Machenschaften denkt, ist völlig auf dem Holzweg. Wie bei Holz geht es bei diesem marktfähigen Projekt um nachwachsende Rohstoffe und Nachhaltigkeit, wie es die Forstwirtschaft seit Jahrhunderten betreibt. Um möglicherweise unabhängig vom Welthandel sein zu können, hat sich die Kirchheimer Firma Leki für das Kooperationsprojekt „Entwicklung von Skistöcken aus Hanffasern und Biomatrices“ beworben und den Zuschlag bekommen. Jetzt konnte der Stockhersteller an seinem Standort in der Bohnau Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk begrüßen, der sich ein Bild davon machen wollte, was aus den Förderngeldern aus seinem Haus geworden ist.
Stock ist nicht gleich Stock.
Matthias Hatt, Geschäftsführer bei Leki
Es ist eine Erfolgsgeschichte, die im Jahr 2022 begann. „Stock ist nicht gleich Stock“, sagt Matthias Hatt, Geschäftsführer bei Leki. Gerade mal 120 Gramm wiegt das Leichtgewicht aus Karbon, das nachhaltige Produkt aus Hanf 290 Gramm. Experimentierfreude, Innovation und Vision sind der Ausgangspunkt für den Hanfstock. „Wir befinden uns auf einer Reise. Wir wollten das Thema Naturfaser besetzen und als Firma vorantreiben“, erklärt der Geschäftsführer. Rund eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis aus den Versuchen ein brauchbarer Nordic-Walking-Stock wurde. Bewusst wurde dieses Segment gewählt, für einen Skistock ist der Markt (noch) nicht reif. „Mit 200 Euro liegen wir im oberen Preissegment“, sagt Matthias Hatt.

Den Minister freut, dass ein Förderprojekt seines Ministeriums am Ende in ein marktfähiges Produkt gemündet ist. Leki hat zu Pandemiezeiten nach alternativen Rohstoffen zu Erdöl gesucht, um unabhängiger vom Welthandel zu werden und die weltweiten Lieferketten unterbrechen zu können. Diesen Markt wollte die Firma unter dem Stichwort Bioökonomie ausloten. Diese Rechnung ging auf. „Das Thema ist en vogue und kann als Erfolgsmeldung verbucht werden.“ Auch die Händler trugen diese Idee mit. „Sie sind Schlange gestanden, was zeigt: Der Markt ist für diese Produkte da und lässt sich auch auf andere Produkte übertragen – Beharrlichkeit zahlt sich aus“, so der Geschäftsführer.
„Solche erfolgreich umgesetzten Projekte helfen uns politisch. Sie spielen eine zentrale Rolle, um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Die Firma Leki hat eine Signalwirkung“, ist Peter Hauk überzeugt. Förderung ist in diesem Zusammenhang wichtig, bestätigt Matthias Hatt. „Der Mittelstand ist halt schnell. Wir haben flache Hierarchien und können Projekte zügig auf die Zielgerade bringen. Wir sind der Innovations-Garant“, sagt er selbstbewusst.
Schon in den 1990er-Jahren hat die Firma Leki mit nachwachsenden Rohstoffen experimentiert, damals war es Flachs. Hanf hat den Vorteil, dass die Fasern länger sind. „Hanffasern sind stabil und widerstandsfähig. Die Erntetechnik ist eine Herausforderung, denn die Pflanze soll möglichst in langen Teilen am Stück vom Acker kommen. Die Mähdrescher schneiden schon nach 60 Zentimetern ab“, sagt Eberhard Heim von Leki. Eine Hanfpflanze kann bis zu drei Meter hoch wachsen. „Wir brauchen sauberes und gerades Rohmaterial.“ Das ist in Ohmden gewachsen – und zwar so viel, dass nicht jedes Jahr neu gepflanzt werden muss.
„Karbonfasern brauchen in der Herstellung viel Energie“, begründet Martin Romiger, weshalb Leki mit Hanf experimentiert. Im Vordergrund steht das Produkt: hohe Stabilität und Biegefähigkeit bei wenig Gewicht. Vor allem beim Gewicht hat Karbon noch weit die Nase vorn. Dazu muss die Marktakzeptanz für neue Produkte stimmen, die in diesem Fall hauptsächlich von Gewicht und Preis abhängt. „Wir haben unser Projektziel erreicht – aber es gibt noch viel zu tun. Uns und unseren Mitarbeitern hat das Projekt bislang Spaß gemacht. Nachwachsende Rohstoffe und Nachhaltigkeit lassen sich auch firmenintern gut transportieren“, sagt Matthias Hatt.

