Wenn der Winter vor der Tür steht, streut Pe Werner „Ne Prise Zimt“ in ihr Konzert-Programm. Pe Werner, mit ihrem Hit „Kribbeln im Bauch“ jedem ein Begriff, widmet sich augenzwinkernd deutschen Weihnachtsritualen und Geschichten rund um die Geschenke in letzter Minute, Schneeschipp-Pflicht, Gänsefüllungen sowie Tannenbäumen zwischen Lametta-Zwang und Brandschutzversicherung. Begleitet von Peter Grabinger am Flügel schlendert sie unterhaltsam durchs Winterwunderland aus Pop, Jazz und Chanson aus eigener Feder und Weihnachtsklassikern in „Pe-sonderen“ Arrangements.
Seit 35 Jahren tourt die in Köln ansässige Künstlerin durch ganz Deutschland und feiert Erfolge vor ausverkauften Sälen. Mit ihrem Debütalbum „Weibsbilder“ erlebte sie im Jahre 1989 den Durchbruch zu ihrer großen Karriere, inzwischen hat sie 20 CDs veröffentlicht. Für das zweite Album „Kribbeln im Bauch“ erhielt sie die Goldene Schallplatte, auf viele weitere Auszeichnungen kann sie zurückblicken, unter anderem auf den Textdichterpreis der GEMA, die goldene Stimmgabel, zwei ECHOs sowie den German-Jazz-Award für ihr Album „Im Mondrausch“. Werner textete und komponierte für andere Interpretinnen und Interpreten, unter anderem für Mary Roos, Katja Ebstein, Bernd Stelter, Barbara Schöneberger und Mireille Mathieu.
Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt Pe Werner interessante Einblicke in ihre Künstlerbiografie und ins Programm.
Was kennzeichnet ihren Personalstil?
Pe Werner: Ich passe in keine Schublade – ich bin eine Kommode. Mein Gesangsstil und meine Programme wechseln zwischen verschiedenen Genres, Theater, Philharmonie, Kleinkunstbühne, Chanson, Jazz mit Big Band, Symphonieorchester oder Rockformation.
Schildern Sie bitte den Beginn ihres künstlerischen Werdegangs.
Werner: Zu Schulzeiten habe ich sehr gerne in der Theater-AG gespielt. Mein Vater war dagegen, dass ich nach dem Abitur einen künstlerischen Beruf anstrebe. So bin ich erst auf Umwegen dorthin gelangt. Das Studium Grafikdesign hab ich bald hingeschmissen, weil die Bühne so laut gerufen hat. Dann überlegte ich: Was kann ich denn noch am Theater machen? Na ja, vielleicht Maskenbildnerei – das hat auf jeden Fall was mit Theaterluft zu tun. Dazu war jedoch Grundvoraussetzung eine Friseurausbildung, die ich dann auch absolviert habe. Und weil ich sehr ehrgeizig bin, schloss ich diese als beste Friseuse in Baden-Württemberg ab. So schnitt ich tagsüber Haare, volontierte parallel dazu am Theater und habe immer schon nebenher Musik gemacht. Und ich bin auch heute noch für die Frisur meines Tonmeisters zuständig – er lässt niemand anderen an sein Haar. G’lernt isch g’lernt.
Aha, Sie haben einen Bezug zum „Ländle“?
Sieben Jahre habe ich in Stuttgart gelebt, war 20 Jahre verheiratet mit einem Redakteur des SWR 1. 1988 habe ich meine Demos bei der Plattenfirma Intercord in Stuttgart abgegeben und die gaben mir sofort einen Plattenvertrag für vier LPs. Dann gings 1989 richtig los mit „Weibsbilder“.
Haben Sie Gesang studiert? Ihre wunderbare Stimme klingt glasklar und sehr ausdrucksstark.
Nein, ich bin ein Badewannentalent. Ein Gesangsprofessor hat mir von einem Gesangsstudium abgeraten und empfohlen, die Karriere mit meiner Naturstimme fortzusetzen.
Sie gelten als unerreichte Meisterin der vieldeutigen Wortspiel-Fantasie. Woher kommt die Liebe zur Dichtkunst?
Schon als Jugendliche habe ich gerne Gedichte gelesen – vornehmlich von Joachim Ringelnatz, Eugen Roth und Wilhelm Busch. Was wir in der zeitgenössischen Popmusik so selten finden, ist der Humor. Der ist mir sehr wichtig! Selbst im Schlager ist ja alles bierernst, so klischeehaft. Die letzten deutschen Interpreten, wo doch mal ein bisschen Augenzwinkern und Humor um die Ecke gucken darf, das sind Kollegen wie die Prinzen oder Udo Lindenberg. Sonst ist alles so bedeutungsschwanger und ernst.
Was erwartet die Zuhörerinnen und Zuhörer am zweiten Advent?
Ich werde eigene moderne Weihnachtslieder vortragen aus meiner CD „Ne Prise Zimt“. In diesem weihnachtlichen Programm gibt es Unterhaltsames, aber auch Berührendes, Balladen sind drin und Anekdoten über die Weihnachtsrituale.
Was schätzen Sie an Ihrem Klavierbegleiter Peter Grabinger?
Er ist, wie Sie sagen, ein Begleiter. Liedbegleitung ist sein Spezialgebiet, das macht er mit unglaublicher Hingabe und dabei achtet er sensibel darauf, an welchen Stellen ich beim Singen atme oder wo er das Tempo verlangsamen muss. Als ausgebildeter Meisterpianist kann er Klassik, Rock ’n’ Roll, Blues, Jazz, beherrscht also alle Genres. Seit 27 Jahren treten wir zusammen auf. Er wohnt übrigens in Hattenhofen.
Rockiges ist nicht zu erwarten?
Doch, Sie werden sich wundern. Die Coverversion „September“ von „Earth Wind and Fire“ spielt Peter Grabinger alleine auf dem Klavier und da brennt die Hütte! Nur Piano als Begleitung verweist nicht auf ein getragenes Kling-Kling-Programm. Bei uns geht auch die Post ab!
Sie sagten, der Kontakt zu Ihrem Publikum sei Ihnen wichtig . . .
Ja, daher mache ich meinen CD-Verkaufsstand in der Pause und nach dem Konzert selbst. Die Leute kommen und sagen, sie haben gelacht und sie haben geweint. Das rührt mich immer zu Tränen. Und es scheint mir in diesen Zeiten wichtig, dass man sich wieder berühren lässt, dass man sich mitnehmen lässt.
Infos und Tickets
„Ne Prise Zimt“, Sonntag, 7. Dezember, 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr, Martinskirche Kirchheim
Tickets: Kirchheimer Tourismus-Information im Max-Eyth-Haus (Max-Eyth-Straße 15) und Kulturring-Geschäftsstelle im Freihof-Areal (Wollmarktstraße 48)

