Innenstadt
Rücksichtslos auf zwei Rädern durch die Kirchheimer Fußgängerzone

In Teilen der Innenstadt müssen Fahrrad- und E-Scooterfahrer schieben. Theoretisch. Warum es so schwer ist, das Verbot umzusetzen. 

Dieses neue Schild zeigt, dass auch E-Rollerfahren auf dem Marktplatz zwischen 9 und 19 Uhr verboten ist. Foto: Antje Dörr

Es ist ein Dauerproblem: Obwohl Fahrradfahren innerhalb des Alleenrings in der Marktstraße, der Max-Eyth-Straße und auf dem Marktplatz zwischen 9 und 19 Uhr verboten ist, brettern regelmäßig Menschen auf zwei Rädern durch die Fußgängerzone und bringen damit Fußgänger in Gefahr.

Dasselbe gilt für Fahrer von E-Scootern, die häufig mit noch größerer Geschwindigkeit unterwegs sind. Für sie gilt das Fahrverbot sogar in Bereichen, in denen Fahrradfahrer mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein dürfen: In der Dettinger Straße zwischen Ziegelstraße und dem Zebrastreifen in der Alleenstraße und in der Unteren Max-Eyth-Straße zwischen Alleenring und Gerberstraße. „Wir sehen bei den E-Rollern ein höheres Gefährdungspotential, weil wir auch nicht davon ausgehen, dass damit in Schritttempo gefahren werden kann beziehungsweise wird“, begründet Marcus Deger, Leiter der Abteilung Bürgerdienste, Sicherheit und Ordnung der Stadt Kirchheim, diesen Schritt. Die Schilder, die das Verbot anzeigen, hängen erst seit wenigen Tagen.

Wer von den Mitarbeitern des Gemeindlichen Vollzugsdiensts (GVD) erwischt wird, wird entweder mündlich verwarnt oder bezahlt 25 Euro Bußgeld. Die Chance, nicht belangt zu werden, ist jedoch groß, denn die Stadt Kirchheim hat nicht genügend Personal, um die Einhaltung des Fahrverbots in der Fußgängerzone dauerhaft zu überwachen. Für das gesamte Stadtgebiet hat der GVD insgesamt sechs Vollzeitstellen zur Verfügung, ab Januar 6,5.

„Von Frühjahr bis Herbst machen wir einmal pro Monat eine Schwerpunktwoche, in der wir regelmäßig jeden Tag kontrollieren“, sagt Marcus Deger. In diesen Wochen seien teilweise sogar zwei Zweier-Teams unterwegs, eines in Uniform und eins in Zivil. „Das ist eine gute Sache, denn wenn jemand eine Uniform sieht, kann er noch schnell runterspringen oder abbiegen“, berichtet Deger. Ein- oder zweimal im Jahr sind die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit der Polizei unterwegs, um noch mehr Bereiche in der Innenstadt abzudecken.

In den warmen Monaten werden laut Stadt im Durchschnitt 30 bis 40 Verwarnungen in der Woche erteilt, in den kalten Monaten etwa die Hälfte.

In der Dettinger Straße dürfen Fahrradfahrer in Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein. E-Roller fahren ist hingegen ganz verboten. Foto: Antje Dörr

„Nach den Schwerpunktwochen gibt es meistens weniger Verstöße“, sagt Marcus Deger. Er weiß aber, dass die Kontrollen nicht sehr nachhaltig sind. „Letztendlich kannst du es nur eindämmen durch Kontrollen, aber nicht 100-prozentig in den Griff kriegen“, weiß der Leiter des Ordnungsamts. Diejenigen, die sich nicht an das Verbot halten, kämen aus allen Altersgruppen und Schichten. Und oft kann der GVD den Sündern nur noch hinterherrufen. „Wenn da einer durchrast, hast du keine Chance“, sagt Deger. „Wir können ja die Leute nicht vom Roller holen oder runterschubsen.“

Ein Problem, mit dem seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich zunehmend konfrontiert sehen, ist die Aggressivität derer, die erwischt werden. „Manche rasten da richtig aus. Wollen weiterfahren, sind nicht bereit, ihre Personalien herauszugeben“, sagt der Leiter des Ordnungsamts.

Schilderwald in der Marktstraße. Fahrrad- und E-Rollerfahren ist hier von 9 bis 19 Uhr verboten. Foto: Antje Dörr

Um mit solchen Situationen besser umzugehen, hat Kirchheim vor rund zwei Jahren aufgerüstet. „Zum einen haben wir unsere Mitarbeiter zu einem Deeskalationsseminar geschickt. Außerdem haben sie mittlerweile Pfefferspray dabei, und eine Pfefferspray-Pistole“, sagt Deger. Damit können sich die Mitarbeiter des Gemeindlichen Vollzugsdiensts aggressive Menschen vom Hals halten, wenn alle Deeskalationsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Glücklicherweise habe man von der Pistole bislang keinen Gebrauch machen müssen.

Regelmäßig schule der Koordinator, der seit rund anderthalb Jahren bei der Stadt angestellt ist, die Mitarbeiter in Selbstverteidigung und dem Gebrauch der Pfefferspray-Pistole. „Die Trainings und die Ausstattung haben wirklich viel geholfen. Das hat noch mal einen richtigen Motivationsschub gegeben“, sagt Deger.

Um die Situation zu verbessern, kann der Chef des Ordnungsamts sich noch mehr Schwerpunktkontrollen in der warmen Jahreszeit vorstellen, und zwar auch mit Mitarbeitern in Zivil. Dass es an der Verständlichkeit der Schilder liegt, die an den Eingängen zum verbotenen Bereich angebracht sind, bezweifelt er. „Insgesamt sind wir auf einem guten Weg, aber für eine Gesamtüberwachung bräuchten wir wahrscheinlich dreimal so viel Personal“, sagt Deger.