Wetterextreme
Regengüsse erschweren die Arbeit

Die Landwirte in der Teckregion gehen von einer durchschnittlichen Ernte aus. Trotz der Wetterkapriolen werde man mit einem blauen Auge davonkommen. 

Andreas Holder aus Neidlingen und seine Kollegen aus der Teckregion nutzen trockene Tage, um ihre Felder abzuernten. Foto: Carsten Riedl

Aus vielen Regionen Deutschlands vermelden die Landwirte katastrophale Ernteaussichten und horrende Schäden aufgrund der zahlreichen Regengüsse in diesem Jahr, der Überschwemmungen und des Hochwassers. Im Kreis Esslingen jedoch scheint die Lage nicht ganz so angespannt zu sein. So spricht Siegfried Nägele, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, zwar nicht gerade von einem „Super-Jahr“, aber ein Totalausfall der Ernte sei nicht zu erwarten. Wahrscheinlich werde man mit einem blauen Auge davonkommen.

Freilich erschweren die zahlreichen Niederschläge die Bewirtschaftung und Befahrbarkeit der Felder, gibt er zu bedenken. Außerdem sorge die Nässe im Boden dafür, dass das Wachstum vieler Pflanzen eingeschränkt sei: „Es fehlt der Luftaustausch im Boden“. Vor allem beim Mais falle auf, dass die Pflanzen je nach Standort zum Teil sehr unterschiedlich in der Entwicklung seien.

Das Wintergetreide habe die Wetterkapriolen überwiegend besser vertragen, wohingegen es beim Sommergetreide vor allem die Sommergerste „zum Teil heftig erwischt“ habe. „Sie mag Nässe sowieso nicht“, weiß Nägele. Der Regen habe auch den Kartoffeln zugesetzt, bei denen die Staunässe im Boden für „einen hohen Pilzdruck“ sorge: So breite sich hier die Krautfäule aus. „Die Ernte wird bei den Kartoffeln nicht so toll werden. Wir gehen insgesamt von einer unterdurchschnittlichen Ernte aus“, prognostiziert Nägele.

Auch im Grünfutterbereich mache sich die Nässe bemerkbar. Nachdem es längere Zeit gar nicht möglich gewesen sei, Heu zu mähen, hätten viele Landwirte die regenfreien Tage in der vergangenen Woche dafür genutzt. „Beim Heu sind wir vier bis sechs Wochen später dran als sonst.“ Die Folge sei, dass das Heu holziger werde und für das Milchvieh auch nicht mehr so inhaltsreich wie jüngeres Gras, erklärt der Experte. Wo es Staunässe gab, sei das Heu unten braun geworden. „Normalerweise hat Heu einen Kräuterduft“, ergänzt Nägele. Die Feuchtigkeit sorge für einen eher modrigen Geruch. Die Landwirte müssten nun Geduld mitbringen und das Heu „richtig gut trocknen“.

Das weiß auch Andreas Holder, der in Neidlingen einen Milchviehbetrieb hat. Er selbst ist froh, dass er in diesem Jahr „kein Heu machen muss“. Man könne bei Kollegen sehen, dass es „keine schöne Farbe mehr hat und ganz braun ist“. Holder spricht generell von einer „vermutlich durchschnittlichen Ernte“ und erwähnt ebenfalls die Pilzkrankheiten, die extrem seien in diesem Jahr. „Vor allem bei denen, die im Pflanzenschutz nichts gemacht haben, sieht es schlecht aus“, betont der Neidlinger.

Der Regen mache die Arbeit nicht gerade einfacher: „Vor allem bei uns im Tal, wo das Wasser an manchen Stellen aus dem Berg drückt, kann man die Felder nicht befahren oder man bringt jede Menge Schmutz mit“. Ungewöhnlich seien solch‘ nasse Jahre jedoch nicht: „Das hat es früher auch schon oft gegeben“. Unter den Landwirten gebe es den Spruch „In einem trockenen Jahr ist noch kein Bauer verreckt“. Bei Nässe laufe man indes Gefahr, dass man die Ernte gar nicht einbringen kann.

„Das Wetter kann es niemandem recht machen. Vergangenes Jahr war es zu trocken“, blickt Siegfried Nägele zurück. Generell sei es für die Gesamtvegetation besser, wenn Wasser im Spiel sei. Jedoch seien die Extreme in beide Richtungen nicht optimal: „Bei Hitze wächst weniger und es gibt beim Getreide kleinere Körner, bei Nässe hat man Schwierigkeiten mit hohem Infektions- und Pilzdruck“.

Als Landwirt arbeite man in und mit der Natur und sei stets „direkt am Wetter dran“. Die Extreme seien herausfordernd, gibt Nägele zu bedenken. Wenn zum Beispiel die Zeitfenster ohne Regen kurz sind, „kommen Arbeitsspitzen und es drängt sich alles zusammen“. Da steige der Puls der Landwirte. Manchmal könne sich innerhalb kürzester Zeit alles ändern, worauf die Landwirte reagieren müssten, sagt Nägele. „Auf der anderen Seite ist das auch das Spannende an diesem schönen Beruf.“