Als die Felder abgetrocknet sind, hat Michael Kuch Gewissheit: Seine gesamte Weizenernte eignet sich in diesem Jahr nur noch als Viehfutter. Mehl zum Backen wird daraus nicht mehr. „Ich war richtig deprimiert“, sagt der Lenninger Landwirt, der es bei der Inspektion seiner Felder in den Tagen zuvor schon geahnt hatte. Durch die starken Regenfälle, die in den vergangenen Wochen im Lenninger Tal niedergegangen sind, seien Teile des Weizens schwarz vom Pilzbefall gewesen. Teilweise keimte das Getreide bereits in den Ähren. „Auf einigen Feldern sind die Körner aus den Ähren auf den Boden gefallen“, sagt Kuch. Das Jahr habe eigentlich so gut begonnen, die Trockenheit habe bei ihm gar nicht so viel ausgemacht. „Und kurz vor der Ernte hört es einfach nicht mehr auf, zu regnen“.
Wir haben die Niederschläge dringend gebraucht.
Karl Nägele, Landwirt aus Bissingen
Bei Michael Kuch ist Weizen auf einer 13 Hektar großen Fläche betroffen. Rund 100 Tonnen seien das, die normalerweise zu Weizenmehl gemahlen werden, das in der Backstube des Sulzburghofs zu Brot, Brötchen und Kuchen verarbeitet wird. Zum Glück hätten Gerste und Dinkel geerntet werden können, bevor der nasse Juli begann. „Auch Mais und Kartoffeln sehen gut aus“, sagt Kuch. Und Obst gebe es sowieso genug.
Karl Nägeles Bilanz fällt positiver aus. „Die Qualität beim Weizen ist zwar nicht so, aber wir haben die Niederschläge dringend gebraucht“, sagt der Landwirt aus Bissingen. Besonders fürs Grünland, also das Gras, und die Obstbäume sei der Regen bitter notwendig gewesen. Wie gut oder schlecht der Weizen ist, sei abhängig vom Standort, sagt Nägele. „Wir haben auch welchen dabei, der ganz gut ist“. Mit Qualität und Ertrag bei Raps, Dinkel und Wintergerste ist der Landwirt sehr zufrieden. „Der Hafer sieht auch nicht schlecht aus“, sagt er. Die Sommergerste steht noch auf den Feldern. Insgesamt betrachtet sind die Dürren und der Wassermangel für ihn das größere Problem als der Regen der vergangenen Wochen. „Wir sind zufrieden. Es bringt ja nichts, zu jammern“, sagt Nägele.
Beide Betriebe lassen ihren Weizen in der Mühle Sting in Jesingen zu Mehl mahlen. Dort hat man einen guten Überblick über die aktuelle Ernte in der Teck-Region. Insgesamt seien die Weizen-Erträge und die Qualität in diesem Jahr außerordentlich gut, sagt Müllermeisterin Maren Sting. Herausgestochen hätte unter anderem die Naberner Gegend.
Die Weizenernte hat bereits Mitte Juli begonnen. Bauern, die vor dem Regen gedroschen haben, sind laut Maren Sting mit sehr guten Erträgen belohnt worden. Nach dem Regen seien sie in der Regel immer noch gut. Sting weiß aber auch, dass es Landwirte gibt, die weniger Glück hatten. „Wenn der Weizen schon relativ reif ist, und es regnet, fängt er an zu keimen“, sagt sie. Es gebe außerdem Sorten, die den Regen gut vertragen, und solche, die schneller Pilzkrankheiten entwickelten oder beginnen würden, die Stärke abzubauen. „Wir achten bei der Zusammenarbeit mit den Bauern schon sehr darauf, welche Sorten wir empfehlen“, sagt Sting. Dass Teile des Weizens zu Viehfutter werden, sei normal. „Über 50 Prozent von dem, was wir an Getreideanbau in Deutschland haben, ist Viehfutter“, sagt sie.

