Gesundheit
Run auf Elektronische Patientenakte bleibt aus

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist im April an den Start gegangen. Bislang interessiert das nur sehr wenige Patientinnen und Patienten. Auch Ärzte fremdeln mit dem Instrument. 

Ab Oktober müssen Ärztinnen und Ärzte die elektronische Patientenakte (ePA) mit Befunden füttern. Symbolfoto

Der Idee können die meis­ten Patientinnen und Patienten etwas abgewinnen: Befunde, Röntgenbilder und Ergebnisse von Vorsorgeuntersuchungen werden in einer elektronischen Akte gespeichert. Saubere digitale Lösung statt Zettelwirtschaft. Nach einer mehrmonatigen Testphase ist die elektronische Patienten­akte (ePA) im April bundesweit eingeführt worden. Nur: Die allermeis­ten Nutzer haben sich noch überhaupt nicht mit dem Angebot befasst. Eine Befragung der dpa bei der Techniker Krankenkasse (TK), den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und der Barmer hat ergeben, dass nur 1,2 Millionen von 44 Millionen angelegten Akten von den Versicherten aktiv genutzt werden.

Dr. Wolf-Peter Miehe kann verstehen, warum. Während er die Idee einer elektronischen Patientenakte (ePA) grundsätzlich begrüßt, kann er der praktischen Umsetzung nicht viel abgewinnen. „Sie ist nicht selbsterklärend und nicht intuitiv“, sagt der Weilheimer Hausarzt und schiebt einen wenig schmeichelhaften Vergleich nach: „Die ePA ist wie ein Schuhkarton, in dem du deine Steuerbelege sammelst.“ Einen echten Mehrwert für Patienten sieht er aktuell nicht.

Sie ist nicht selbsterklärend und nicht intuitiv.

Hausarzt Dr. Wolf-Peter Miehe über die Elektronische Patientenakte (ePA)

Für Miehe ist die Patientenakte eine Fehlkonstruktion, sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Ärztinnen und Ärzte. Die „Befüllung“, die in Kürze zur Pflicht wird, sei zeitraubend, undurchsichtig, kompliziert und lasse ihn und seine Kolleginnen und Kollegen regelmäßig fluchen. „Man lädt die Befunde nicht einfach hoch, sondern muss sich erst mal durch verschiedene Dokumentenklassen und -typen kämpfen“, sagt der Hausarzt, der Vorsitzender der Kreisärzteschaft im Altkreis Nürtingen ist. „Es kos­tet wieder Zeit, die ich nicht mit dem Patienten verbringen kann.“ Nicht umsonst beschäftigen sich er und seine Kollegen erst seit diesem Quartal wirklich intensiv mit dem Instrument. Er wisse von Kolleginnen und Kollegen aus dem Kreis, die sich auch nicht sofort im April in die Aufgabe gestürzt hätten. Allerdings hofft Mie­he, dass mit der Zeit noch nachjustiert wird. „Für eine richtige Bewertung ist es zu früh. Die Akte steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt er.

So haben unsere Insta-Nutzer abgestimmt. Foto: pr

Die Medius-Klinik mit ihren Standorten in Kirchheim, Nürtingen und Ruit beschäftigt sich seit Monaten mit der Einführung der elektronischen Patientenakte. „Wir sind gut vorbereitet und haben die notwendigen technischen Vorarbeiten bereits abgeschlossen“, sagt Klinik-Sprecher Max Pradler. Derzeit stehe man in engem Austausch mit dem Software-Hersteller, um zeitnah ein weiteres Update einzuspielen, „damit wir noch vor dem offiziellen Start ein Pilotprojekt in einer unserer Abteilungen beginnen können – so sammeln wir rechtzeitig praktische Erfahrungen und können die Prozesse für den flächendeckenden Einsatz optimal anpassen.“

„Technisch und softwareseitig sind wir so aufgestellt, dass wir zum verpflichtenden Starttermin am 1. Oktober loslegen und die ePA erfolgreich in unseren Klinik­alltag integrieren könnten“, so Pradler. Gleichzeitig verfolge man aber auch die bundesweite Diskussion, da derzeit eine erneute Verschiebung im Raum stehe.