Kirchheim. Nein, diesmal traten Saxophone nicht als Sektion einer Bigband oder als Soloinstrument in Stücken von Benny Goodman oder Glenn Miller auf. Saxophone. Ganz klassisch! – „Tänzelnd“, so die Überschrift des Plakats zum Konzert des Tübinger Saxophon-Ensembles.
Das Interesse war geweckt und zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer folgten der Einladung des Kulturteams der Christuskirche, das auch für eine Pausenbewirtung sorgte. Als Programmidee wurden Stücke präsentiert, die direkte Adaptionen von Tanzwerken wie Dvoraks „Slawische Tänze“, Bartoks, „Rumänische Volkstänze“ oder der „Valse La Separation“, eine Uraufführung des Saxophonensembles, des ukrainischen Komponisten Mykola Lyssenko waren. Andere hatten einen ausgeprägten tänzerischen Duktus: Bizet, Auszüge aus den „Carmensuiten“ oder Mozarts „Serenade Nr.10.“
17 Bläser, ein Schlagzeuger
Wie klingt denn nun eigentlich ein Ensemble, das in voller Spielstärke aus 17 Saxophonen und einem Schlagzeug besteht?
Das Tübinger Saxophonensemble präsentierte sich mit einem sehr wandlungsfähigen Gesamtklang, warm und dunkel grundiert im Bass, mit einem breit ausgebauten Mittelregister, das sogar gelegentlich an Streicher denken lässt und einem strahlenden Hochregister mit Tönen, die den Eindruck einer Flöten- oder Oboenstimme beim Hörer hervorrufen können.
Die Musiker spielen dazu fast ausschließlich auf alten Buescher Saxophonen, welche in Ihrer Bauweise den ursprünglich von Adolphe Sax erbauten Instrumenten nachempfunden sind und einen spezifischen Klang erzeugen. Alle Register und immer wieder auch Solistinnen und Solisten waren im Programmverlauf stark gefordert. Ob mit bassischer „Urgewalt“ in den übertragenen Orgelpedalsoli in Bachs „Toccata und Fuge“, oder dem markanten Rhythmus aus Carmen in der Habanera, den quasi „tänzelnden“ Registerwechseln in Mozarts „Gran Partita“ und übergangslosen Taktwechseln, markanten Akzenten in dem Furiant aus den „Slawischen Tänzen“, die professionellen Musikerinnen und Musiker meisterten alle Anforderungen mit Bravour.
Fabelhaft unterstützt wurde das Ensemble durch einen sehr flexiblen Schlagwerker, der nicht nur die rhythmische Stabilität beisteuerte, sondern auch farbige Akzente zu setzen wusste. Für die perfekte Klangbalance und Organisation der musikalischen Abläufe sorgte der Dirigent Taras Demchyshyn. Der Soloklarinettist und Dirigent, Gewinner mehrerer internationaler Wettbewerbe, leitet seit diesem Jahr das Ensemble.
Zum Gelingen des wunderbaren Abends trugen ganz besonders auch die Anmoderationen des Tenorsaxophonisten und Vorstand des Ensembles, Lukas Fischer, bei. Launig, bestens unterhaltend, mit Anekdoten und biographischen Fakten gewürzt, wurde die jeweilige Stimmung der Stücke vorbereitet – ob ein Zitat aus Falcos „Rock Me Amadeus“, die Gedanken eines Verlegers bei der Drucklegung der Werke, die Frage nach der Entlohnung eines Künstlers, oder „Kommunikationsprobleme im Barock“, als Bach eine „fremde Frau“ auf der Empore sitzen ließ oder aus seinem vierwöchigen, genehmigten Urlaub mal eben vier Monate machte.
Kein Wunder, dass bei dem einen oder anderen der Fuß ins „Wippen“ geriet. Der langanhaltende, warme Beifall für die hervorragende Gesamtleistung wurde durch eine innig musizierte Zugabe, dem Bachchoral „Bist Du bei mir“, belohnt.

