Bildung
Schüler leben die europäische Idee

Die Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule wurde als eine von 50 im Land als „Europaschule“ ­ausgezeichnet. Im Schulalltag spielt der interkulturelle Austausch eine zentrale Rolle. 

Für Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule ging es auf einer Exkursion ins Europäische Parlament nach Straßburg. Dort nahmen sie an einer Plenarsitzung teil. Foto: pr

Man muss Europa am Leben erhalten und das in aktuellen Zeiten umso mehr“, betont Jens Kaiser, Schulleiter der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule (JFS) in Kirchheim. Die Schule tut dafür einiges. Für ihr vielseitiges Engagement wurde sie jetzt von Kultusministerin Theresa Schopper im Neuen Schloss in Stuttgart als „Europaschule“ ausgezeichnet. Außer der JFS gibt es derzeit noch 49 weitere in Baden-Württemberg. 

Die kaufmännische Schule in Kirchheim setzt sich seit Jahren im Schulalltag für die Vermittlung der europäischen Werte, einen interkulturellen Austausch und die Demokratiebildung ein. „Bildung ist mehr als die Vermittlung von Wissen. Sie ist der Schlüssel zur Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft und damit auch der Zukunft Europas“, sagt Jens Kaiser. Im Zuge der aktuellen Zertifizierung, die zunächst für drei Jahre gültig ist, will die Schule ihre internationale Ausrichtung mit zusätzlichen Projekten und Angeboten weiter ausbauen. Federführend tätig sind dabei die beiden Lehrerinnen und Europabeauftragten der JFS, Sinem Yurt und Stefanie Zipp. 

Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Foto: pr

Seit 2001 nimmt die JFS am europäischen Bildungsprogramm Erasmus+ teil, wodurch den Schülerinnen und Schülern Austausch- und Praktikumsangebote in mehreren europäischen Ländern sowie den USA und Israel offenstehen. Annika Lemke und Nils Hohnecker (beide 18 Jahre) waren unter der Leitung von Sinem Yurt mit ihrem „Global Studies“-Kurs vergangenes Jahr eine Woche in Rom. „Wir haben dort die Schule besucht und waren viel in der Stadt unterwegs“, erzählen die beiden. Für sie war es der erste Aufenthalt in der italienischen Hauptstadt.

Bilingualer Unterricht 

Mit den Kirchheimern waren zeitgleich Schülerinnen und Schüler von sechs weiteren Schulen aus ebenso vielen europäischen Ländern in Rom: „Wir haben viel zusammen gemacht“, erzählt Nils, „das war ein interessanter internationaler Austausch.“ Spannend sei auch der Einblick in den dortigen Schulalltag gewesen, ergänzt Annika. Ein thematischer Schwerpunkt der Italienreise war die Ernährung, erklärt Lehrerin Sinem Yurt. „Wir haben zum Beispiel den Sitz der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen angeschaut.“

Wirtschaftsgymnasiasten der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule waren eine Woche in Rom und besuchten unter anderem das Kolosseum. Foto: pr

Annika und Nils besuchen beide das Wirtschaftsgymnasium im internationalen Zug. Die Fächer Wirtschaft und Global Studies werden teils auf Englisch unterrichtet. „Das bringt uns was für den späteren Job, nachdem viele Unternehmen international aufgestellt sind“, sagt Nils. „Wir lernen zum Beispiel, wie der Markt in den USA funktioniert, wie in anderen Ländern gearbeitet wird und was deren Standards sind“, ergänzt Annika. 

Praktikum im Ausland

Ein weiterer internationaler Baustein der kaufmännischen Berufsschule der JFS sei ein dreiwöchiger Sprachaufenthalt in Dublin samt Praktikum in einem Betrieb, passend zum Ausbildungsberuf der Teilnehmenden in Deutschland, erklärt Jens Kaiser. „Ab dem kommenden Schuljahr gibt es zudem eine neue Partnerschaft des Wirtschaftsgymnasiums und des Berufskollegs mit einer Schule in den Niederlanden“, kündigt der Schulleiter an. 

Kultusministerin Theresa Schopper (links) zeichnete die Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule als eine von 50 Schulen im Land als "Europaschule" aus. Die Auszeichnung entgegen genommen haben die stellvertretende Schulleiterin Claudia Häfner, die Lehrerinnen und Europabeauftragte Stefanie Zipp und Sinem Yurt sowie Schulleiter Jens Kaiser (von links). Foto: pr

Die politische Bildung ist ein weiterer Schwerpunkt der Kirchheimer „Europaschule“. Eine Premiere war im Dezember eine Exkursion zweier Klassen des Berufskollegs zum Europäischen Parlament nach Straßburg. Die Leitung hatte Lehrerin Stefanie Zipp: „Die Schülerinnen und Schüler konnten politische Entscheidungsprozesse auf EU-Ebene aus erster Hand miterleben.“ Bei der ersten Runde dabei waren Marla Trautmann (17) und Khaled Jumaa (20). Gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen und -schülern haben sie eine Plenarsitzung besucht, die Eindruck hinterlassen hat. Zumal sie thematisch ihre Lebenswelt betraf. „Bei der Debatte ging es um die Verbreitung von Falsch- und Desinformation in sozialen Medien und die Gefahren, die sie für die Wahlen in Europa darstellen“, berichtet Marla. „Es war richtig interessant, das live zu verfolgen“, so die 17-Jährige. „Das ist die Praxis ergänzend zur Theorie, die wir im Unterricht lernen“, fügt Khaled hinzu. Er habe bei der Exkursion viel über die Hintergründe Europas erfahren, sagt der 20-Jährige, der selbst aus Syrien stammt. 

Internationalen Handel üben

Die Praxis steht ebenso bei der „Übungsfirmen-Partnerschaft“ im Fokus, einem Projekt des Berufskollegs mit einer österreichischen Schule. „Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei internationale Handelsabläufe kennen und tauschen sich mit Gleichaltrigen über wirtschaftliche Prozesse aus“, erklärt Stefanie Zipp. Auch seitens der Schülerschaft gebe es immer wieder neue Projekt-Ideen, ergänzt ihre Kollegin Sinem Yurt. „In Sachen Politik und Demokratiebildung kam der Vorschlag, wöchentlich ein Gesprächsformat für alle interessierten JFS-Schülerinnen und -Schüler zu etablieren, bei dem man sich über aktuelle Themen und Nachrichten ganz offen austauscht“, berichtet die Lehrerin. 

Ein besonderer Höhepunkt soll der „Wintermarkt der europäischen Kulturen“ werden, für den dann Schülerinnen und Schüler unterschiedlichster Nationalitäten kulinarische und kulturelle Beiträge vorbereiten.