Sicherheit
Senioren lernen Selbstverteidigung

Senioren haben bei einem Kurs im Mehrgenerationenhaus Linde in Kirchheim gelernt, wie sie Angreifer abwehren können und warum man nie um Wertsachen kämpfen sollte.

Wie wehrt man einen Angreifer ab? Senioren üben im Mehrgenerationenhaus Linde Selbstverteidigung. Foto: Helga Single

Wann ist es zu nah, wann ist der richtige Moment, „Stopp“ zu sagen? Das herauszufinden, probierten die Seniorinnen und Senioren im Selbstverteidigungskurs im Mehrgenerationenhaus Linde aus. In der Altersklasse 60 plus, wenn man kräftemäßig einem Jüngeren weniger entgegensetzten könne, käme es eben darauf an, die richtigen Techniken zu kennen, meinten einige, und deshalb seien sie hier. Schließlich berichteten die Medien immer häufiger über Messerstechereien und Gewalt. „Das macht Angst.“

 

Nach der Silvesternacht in Köln war die Nachfrage von Frauen besonders groß.

Marc Sigle, Gewaltpräventionstrainer

 

Tatsächlich stieg nach Gewalttaten die Nachfrage nach Selbstverteidigungskursen mächtig an, berichtet der geschulte Gewaltpräventionstrainer und Sicherheitsberater Marc Sigle, der in Esslingen eine Privatschule für Kampfkunst und Selbstverteidigung betreibt. Er hält seit vielen Jahren Kurse und klärt auf. „Nach der Silvesternacht in Köln war die Nachfrage von Frauen besonders groß.“

In Gruppenübungen werden Angriff und Verteidigung geübt. Für einen sicheren Nachhauseweg seien vier Punkte entscheidend: Gefahren frühzeitig erkennen, entkommen, überstehen und wenn’s passiert ist, verarbeiten können. Auf sein Bauchgefühl solle man sich verlassen und aufmerksam bleiben, wenn einem etwas komisch vorkommt. Dabei sind ein fester Stand und gutes Gleichgewicht unabdingbar. Vor gewissen Situationen könne man sich wappnen. So sei es keinesfalls unhöflich, dem Zeitschriften-Aboverkäufer die Tür vor der Nase zuzuschlagen, denn je mehr man sich auf eine Situation einlasse, umso weniger könne man entkommen. „In der S-Bahn und im Zug bitte immer den Sitz am Gang wählen“, erläutert er, damit man schnell fortkomme. Und wenn es zu spät sei und ein höfliches „Bitte lassen Sie mich los“ nicht mehr verfängt, wird die Stimme erhoben und der Arm aus der Umklammerung gewunden. „Der Daumen ist die Schwachstelle beim Festhalten, und deshalb immer Richtung Daumen auflösen“, rät der Fachmann. Auch schützten defensive Posen bei der Abwehr. „Die Hände gleich zum Kopf führen und einen imaginären Sturzhelm anziehen“, rät Sigle, denn der Kopf ist die vulnerabelste Stelle bei einem Angriff. Die Abfolge der Handgriffe müsse klar sein und im Falle eines Falles sehr schnell umgesetzt werden. Eine körperliche Auseinandersetzung dauere nur wenige Sekunden, die über alles entscheiden. Er riet den Teilnehmern, niemals um Wertgegenstände zu kämpfen und lieber gleich alles anzubieten. Ziel sei nicht, zu gewinnen, sondern sicher nach Hause zu kommen. Wenn Messer ins Spiel kämen, sei seiner Erfahrung nach die Wahrscheinlich leider extrem hoch, verletzt zu werden. Aber man entscheide vielleicht, an welcher Stelle.

 

InfoDer Kurs wurde vom Bürgertreff Kirchheim mit Unterstützung des Kreisseniorenrats Esslingen, des Referats Prävention des Polizeipräsidiums Reutlingen und der Altenhilfefachberatung des Landkreises Esslingen veranstaltet und soll im Herbst wiederholt werden.