Das Sinfoniekonzert des VHS-Orchesters Kirchheim löste am Sonntag in der vollbesetzten Stadthalle Begeisterungsstürme aus, nachdem die 50 Instrumentalisten ihr Können in vielfältiger Weise unter Beweis gestellt hatten. Mit Werken unterschiedlicher Epochen beeindruckten sie im satten Wohlklang und im fein abgestimmten homogenen Spiel in allen Klanggruppen. Zahlreiche versierte Solisten sorgten für Glanzlichter und schenkten im Dialog mit dem Orchester immer wieder den ruhigen Momenten Raum.
Siegfried Hartauers souveränes ruhiges Dirigat gewährleistet ein entspanntes Musizieren. Seine hohe Musikalität und Empfindungsgabe überträgt er auf seine Musici und fordert von ihnen feinste Diffenzierungen in Ausdruck und Dynamik. Aus seiner Zeit als Violinist und langjähriges Mitglied der Stuttgarter Philharmoniker kennt er den international bekannten Fagottisten Albrecht Holder, der seit 1997 als Professor für Fagott an der Musikhochschule Würzburg lehrt. Dessen Verpflichtung verleiht dem Abend den Höhepunkt und einen außergewöhnlichen Hörgenuss.
Große Besetzung ist gewöhnungsbedürftig
Im Konzert für Fagott und Orchester B-Dur op. 11 von Wolfgang Amadeus Mozart demonstriert Holder eindrucksvoll die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten seines Instruments mit nicht zu überbietender Virtuosität. Die frühklassische Mozart’sche Komposition wird vom Orchester stiltypisch musiziert mit duftiger Leichtigkeit und terrassendynamischen Abstufungen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die recht große Besetzung des begleitenden Streichorchesters, das zur Zeit seiner Entstehung im Jahre 1774 filigraner im kammermusikalischen Rahmen erklang. Albrecht Holder versetzt das Auditorium durch kraftvoll strahlende blitzsaubere Töne in Erstaunen, besonders in den Kadenzen der Sätze eins und drei, wo er Läufe und Dreiklangsbrechungen im rasenden Tempo perlen lässt. Bei voller Ausreizung des Tonumfangs seines Instruments stellt er dem warmen Strömen in der Mittellage sonore Basstöne und schön gepresste Tonfolgen in der Höhe gegenüber. Als Minizugabe gibt der Künstler zur großen Freude des Publikums das bekannte Thema des „Bolero“ von Maurice Ravel zum Besten.
Den Auftakt des Konzerts bildet das Paradewerk des musikalischen Impressionismus‘ „Prélude à l‘après-midi d‘un faune“ von Claude Debussy, das in einer großartigen Interpretation zur Aufführung gelangt. Das „Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“ nach einem Gedicht von Stéphane Mallarmé beschwört eine Szenerie aus dem Reich der mythischen Fabelwelt. Es ist 1894 entstanden und gehört zu den Initialzündungen der Musik der Moderne. Mit ihrem brillanten Querflötensolo verzaubert Susanne Breckel das Auditorium. Debussy setzt ganz auf weiche Farben und fließende Formen. Harmonien und Klangfarben verschwimmen ineinander wie in den Gemälden von Monet. Aus dem herrlichen Gesamtklang leuchten immer wieder Querflöte und Violinen hervor, untermalt von denAkkordbrechungen im edlen Klang der beiden Konzertharfen. Aus der Bevorzugung von Pentatonik, Chromatik und Ganztonleitern gegenüber den in Europa üblichen Dur- und Molltonleitern resultiert eine exotische, asiatisch angehauchte Stimmung, die nicht zuletzt durch die Weltausstellung in Paris im Jahr 1889 angeregt wurde.
Die „Rheinische“ gut bewältigt
Im zweiten Teil des Konzertabends steht die monumentale Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, 0p. 97, „Die Rheinische“ von Robert Schumann auf dem Programm. Der Beiname „Die Rheinische“ kommt vermutlich von Schumann selbst. Es geht ihm noch gut im Jahr 1850 nach dem Umzug nach Düsseldorf, was der heitere Grundzug des Werkes widerspiegelt. Der imposante Eindruck des Kölner Doms hat ihn vermutlich angeregt zur Komposition, was vom Orchester gleich im ersten Satz mit mächtigen Klängen verdeutlicht wird. Volkstümliche Elemente und der häufige Einsatz des Hörnerklangs als Inbegriff der Romantik enthält das Werk ebenso wie kantable Passagen, die an „Lieder ohne Worte“ erinnern. Feierlich intoniert das Orchester unter Führung der Blechbläser den vierten Satz, der die sakrale Zeremonie der Erhebung des Kölner Bischofs in den Kardinalrang schildert. Dazu passt das polyphone Geflecht mit vortrefflich im Marcato artikuliertem Thema und Kontrapunkt. Den heiteren schwungvoll dahinströmenden Schlusssatz garnieren die Musici mit einer triumphalen Schlusssteigerung.
Chapeau für die respektable Bewältigung dieser für ein Laienorchester schwer zu spielenden Sinfonie. Das Publikum spendet langanhaltenden Beifall und erhält als stimmungsvolle Zugabe das bekannte Lied „Melody“ von Myroslav Skoryk.
