Krankheit
Stammzellenspende: Lebensretter gesucht auf dem Schulfest

Der Rotaract Club Nürtingen hat auf dem Schulfest des Ludwig-Uhland-Gymnasiums in Kirchheim eine Suche nach potenziellen Stammzellenspenderinnen und -spendern gestartet. Anlass war mitunter die Leukämiediagnose eines Schülers.

Die Aktion findet Anklang: Es gibt einige bereitwillige Besucherinnen und Besucher, die prompt zum Stäbchen greifen.  Foto: Fiona Peter

„Ich muss damit also einfach nur ein bisschen im Mund rumwischen?“, fragt ein Mädchen in die Runde, die sich am Rand des Foyers im Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium gebildet hat. Die Stimme geht in der Geräuschkulisse aus Musik, Kindergeschrei und angeregten Gesprächen fast unter. „Ja, so hab ich’s verstanden“, bestätigt ein anderes Mädchen. Etwas verunsichert mustern sie die Stäbchen in ihren Händen. Doch die anfänglichen Skrupel sind schnell überwunden. Es geht es ans Werk. Ein paar Mal links, ein paar Mal rechts, an beiden Wangeninnenseiten, rund eine Minute. Anschließend werden die länglichen Plastikstäbe mit Wattekopf fein säuberlich verpackt. Im Glücksfall können sie ein Leben retten.

Der sogenannte Wangenschleimhautabstrich ist die Eintrittskarte in das Register der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), in dem alle potenziellen Stammzellenspenderinnen und -spender erfasst sind. Weil weiterhin dringend neue Spender gesucht werden, hat der Rotaract Club Nürtingen in Zusammenarbeit mit der DKMS einen Stand auf dem Schulfest am Ludwig-Uhland-Gymnasium aufgestellt.

Rotaract – was ist das eigentlich?

„Rotaract ist ein humanitärer Club“, erklärt der aktuelle Präsident des Nürtinger Clubs Robin Korfmann. „Hier kommen Leute zusammen, um mit Sozialaktionen zu versuchen, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.“

Insgesamt gibt es in Deutschland beinahe 200 Rotaract Clubs, weltweit sind es mehr als 10.000. Neben den individuellen Projekten, die die einzelnen Ortsgruppen auf die Beine stellen, umfasst das Engagement von Rotaract jährlich eine Bundessozialaktion – ein übergeordnetes Ziel, das alle Clubs gemeinsam verfolgen.

Im vergangenen Jahr haben die Rotaract-Mitglieder in diesem Kontext Spendengüter, in erster Linie Schulsachen, gesammelt. Wie Robin Korfmann erzählt, habe man diese im Anschluss in Rucksäcken verpackt, welche sich in naher Zukunft „auf die Reise“ zu bedürftigen Kindern in Malawi machen können. „In diesem Jahr haben wir einen medizinischen Fokus“, berichtet der Club-Präsident. Die Grundidee sei, Spendengelder für die Anschaffung von Defibrillatoren zu sammeln. „Wir nehmen aber die verschiedensten Aktionen in Angriff“, so Korfmann. Dazu zählen sowohl regelmäßiges Blutspenden als auch der Stand auf dem Schulfest, für den sich der Club extra mit der DKMS in Verbindung gesetzt hat.

Um als Stammzellenspenderin oder -spender infrage zu kommen, gibt es ein paar Voraussetzungen. Foto: Fiona Peter

Es kann jeden treffen

„Es bietet sich einfach an, weil hier super viele Leute sind, und die paar Minuten hat eigentlich jeder“, begründet Vorstandsmitglied Lilli Frasch die Entscheidung. Eigentlich sei es aber ein Schüler des LUG gewesen, dessen Schicksal den gedanklichen Anstoß für die Aktion geliefert habe. Der Achtklässler hat erst vor Kurzem die Diagnose Leukämie erhalten – ob er auf eine Stammzellenspende angewiesen ist, steht noch nicht fest. „Das Thema ist einem oft näher als man denkt“, bedauert Frasch, die selbst ehemalige Schülerin des Gymnasiums ist.

Umso wichtiger ist die Registrierung für die Stammzellenspende. Jeder einzelne Eintrag in der Datenbank erhöht die Chance der Betroffenen, einen passenden Spender oder eine passende Spenderin zu finden. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.dkms.de.

Auch der Rotaract Club Nürtingen freut sich über neue Mitglieder, die motiviert sind, ihren Beitrag zu einer etwas besseren Welt zu leisten. „Unsere Türen sind immer offen“, sagt Robin Korfmann. Er betont, dass nichts verbindlich sei. Man könne sich über die Webseite www.nuertingen.rotaract.de oder über Instagram (www.instagram.com/rotaract_nuertingen/) melden und ganz entspannt vorbeischauen. Wenn sie nicht gerade an einem ihrer wohltätigen Projekte arbeiten, unternehmen die Mitglieder übrigens auch einfach gerne mal etwas zusammen. 

Ausschlusskriterien für die Stammzellenspende

Starkes Über- oder Untergewicht (entspricht einem BMI über 40 oder unter 16,5).

Ein Alter unter 17 oder über 55.

Suchterkrankungen wie Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit.

Gewisse Vorerkrankungen wie beispielsweise Infektionen mit HIV, Syphilis sowie Hepatitis B oder C, (ausgeheilte) Krebserkrankungen oder schwere Herz-, Kreislauf-, Lungen- oder Nierenerkrankungen.