Der Mietwohnungsmarkt im Raum Kirchheim, Weilheim und Lenningen bleibt weiter unter Druck. Das ist eine Erkenntnis aus dem Immobilienmarktbericht, den die Volksbank Mittlerer Neckar kürzlich veröffentlicht hat. In Dettingen, Kirchheim und Notzingen kosteten Mietwohnungen 2024 im Schnitt 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahlen beziehen sich auf Wohnungen, die neu- oder wieder vermietet wurden, nicht auf Bestandswohnungen. Der Durchschnitt lag bei 11,50 Euro pro Quadratmeter. Die Preisspanne in Kirchheim, Dettingen und Notzingen war deutlich größer als im ländlichen Bereich (siehe Info). Allerdings stiegen die Mieten dort sogar noch stärker an als im Raum Kirchheim.
Dass die Mieten immer höher werden, ist Resultat des Wohnungsmangels, der das Land seit Jahren plagt. Dass aktuell nur wenig gebaut wird, verschärft das Problem noch weiter. Udo Casper ist Vorsitzender des Mieterbunds Esslingen-Göppingen und kennt die Nöte von Mietern aus erster Hand. Er berät hauptsächlich zu zwei Themen: Betriebskosten, die sich längst zur „zweiten Miete“ entwickelt hätten. Und steigende Mieten. Wobei zumindest zweiterem eigentlich Grenzen gesetzt sind, Stichwort: Mietpreisbremse. Die gilt in Kirchheim und soll dafür sorgen, dass der Preis bei Wiedervermietungen nicht mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Miete liegt. Die beträgt in Kirchheim laut qualifiziertem Mietspiegel im Schnitt neun Euro pro Quadratmeter. „Wenn Sie auf Internetportalen schauen, werden aber Mieten bis zu 16 Euro pro Quadratmeter aufgerufen“, sagt Udo Casper.
Die Kappungsgrenze ist ein weiteres Instrument, das in Städten wie Kirchheim dafür sorgen soll, dass die Miete innerhalb eines bestehenden Mietverhältnisses innerhalb von drei Jahren nicht um mehr als 20 Prozent steigt. „Das gilt für alle Gebiete mit angespannten Wohnungsmärkten“, erklärt Udo Casper. In Weilheim und den anderen Gemeinden rund um die Teck gilt keine Mietpreisbremse. Außerdem dürfen die Mieten innerhalb bestehender Mietverhältnisse stärker steigen, und zwar um 30 Prozent innerhalb von drei Jahren. Im Raum Weilheim, zu dem der Immobilienbericht der Volksbank auch Bissingen, Neidlingen, Holzmaden, Ohmden, Aichelberg und Schlierbach zählt, legten die Mieten im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent zu. In Lenningen und Owen war es sogar ein Plus von 4,8 Prozent.
Dass die Mietpreisbremse von der Bundesregierung verlängert worden ist, findet der Mieterbund grundsätzlich positiv. Allerdings fehlten Sanktionsmöglichkeiten, sagt Casper. „Es passiert nur dann etwas, wenn der Mieter sich beschwert“. Davor schreckten viele natürlich zurück. Nach Ansicht des Vereins müsste die Einhaltung der Mietpreisbremse von den Städten und Gemeinden überwacht werden. „Ich wüsste aber nicht, dass das in Kirchheim passiert“, sagt Casper. Esslingen arbeite beispielsweise mit einem Unternehmen zusammen, das die Immobilienpreise auswertet. „Wenn Verstöße gegen die Mietpreisbremse festgestellt werden, wird der Vermieter immerhin angeschrieben“. Der Mieter werde außerdem darauf hingewiesen, dass seine Miete möglicherweise überhöht sei und er sich kümmern solle.
Eine weitere Aufgabe von Städten und Gemeinden sieht Casper darin, dafür zu sorgen, dass dringend benötigter Wohnraum nicht zweckentfremdet wird oder leersteht. Dafür brauche man aber Personal, um den Wohnungsmarkt im Auge zu behalten. Ein entsprechendes Zweckentfremdungsverbot ist 2023 im Esslinger Gemeinderat verabschiedet worden. Allerdings müsse es eben auch umgesetzt werden, um Wirkung zu entfalten. „Mir ist bislang kein Fall bekannt, in dem überhaupt gehandelt wurde“, sagt Udo Casper.
Wer überprüfen möchte, ob seine Miete angemessen oder überhöht ist, findet auf www.kirchheim-teck.de unter dem Stichwort „Mietspiegel“ einen Online-Rechner. Dort müssen Daten wie Quadratmeterfläche, Baujahr und Zustand der Wohnung eingegeben werden. Anschließend erhält man die ortsübliche Vergleichsmiete.
So viel zahlten Mieter 2024 rund um Kirchheim, Weilheim und Lenningen
Raum Kirchheim In Kirchheim, Dettingen und Notzingen wurden Mietwohnungen 2024 im Schnitt für 11,50 Euro pro Quadratmeter vermietet. Die Preise schwankten zwischen 7,30 und 19,80 Euro pro Quadratmeter.
Raum Weilheim Im Raum Weilheim, zu dem der Immobilienbericht auch Bissingen, Neidlingen, Ohmden, Aichelberg, Holzmaden und Schlierbach zählt, kosteten Mietwohnungen 2024 durchschnittlich 10,80 Euro pro Quadratmeter (Preisspanne: 8,90 bis 14,50 Euro/Quadratmeter).
Raum Lenningen In Lenningen und Owen wurden Mietwohnungen im Schnitt für 10,85 pro Quadratmeter vermietet. Auch hier ist die Preisspanne nicht so groß wie im Raum Kirchheim und liegt zwischen 8,70 und 15,05 Euro/Quadratmeter. adö

