Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung im Landkreis Esslingen hat einen deutlichen Rückschlag erlitten. Nach der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK vom Frühsommer hat sich die Lage der Unternehmen wieder verschlechtert. Auch der Blick nach vorn fällt deutlich pessimistischer aus. Der Landkreis liegt damit weiterhin unter dem Niveau der Region Stuttgart. „Der erhoffte Aufschwung ist abrupt ausgebremst worden“, sagt Vanessa Bachofer, Präsidentin der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten träfen die Betriebe in einer ohnehin fragilen Phase und verschärften die Unsicherheit spürbar. Zu Jahresbeginn habe es noch Hinweise auf eine leichte Belebung gegeben, diese seien mit dem neuen Konflikt im Iran jedoch hinfällig. Der Lageindikator fällt erneut auf minus elf Punkte und liegt damit klar im negativen Bereich.
Noch deutlicher ist die Eintrübung bei den Erwartungen: Auch der Erwartungsindikator sinkt auf minus elf Punkte. Während die Unternehmen im Kreis zu Jahresbeginn noch vergleichsweise optimistisch waren, bewegen sie sich nun im schwachen Regionsdurchschnitt. Die Unsicherheit ziehe sich durch alle Branchen, sagt IHK-Geschäftsführer Christoph Nold. Besonders kritisch bleibt die Investitionsbereitschaft. Der Investitionsindikator verharrt mit rund minus fünf Punkten im Minus. Viele Betriebe planen vor allem Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen, nicht aber Wachstum. Rund 30 Prozent wollen ihre Investitionen weiter reduzieren.
Auch am Arbeitsmarkt gibt es keine Entspannung: Der Beschäftigungsindikator liegt bei minus 18 Punkten. Nur acht Prozent der Unternehmen planen zusätzliches Personal, mehr als ein Viertel rechnet mit Stellenabbau. Als größtes Risiko nennen 75 Prozent der Betriebe die schwache Inlandsnachfrage. Daneben rücken geopolitische Spannungen sowie steigende Arbeits- und Energiekosten stärker in den Vordergrund. Auch höhere Rohstoffpreise belasten die Unternehmen. Die Industrie stabilisiert sich zwar leicht, bleibt aber auf niedrigem Niveau. Handel und Dienstleistungen entwickeln sich schwächer. Die IHK fordert deshalb rasche Reformen. Nötig seien weniger Bürokratie, schnellere Verfahren, wettbewerbsfähige Energiepreise, geringere Lohnnebenkosten und eine steuerliche Entlastung von Investitionen und Innovationen. Positiv bewertet die Kammer die wirtschaftspolitischen Signale der neuen Landesregierung. Nun müssten daraus konkrete Maßnahmen werden, die in den Betrieben ankommen. pm

