Der Verein „Historische Dampftechnik“ öffnete sein Areal an der Boschstraße in Kirchheim und präsentierte nicht nur, was unter Dampf steht, sondern auch, was von Dampfmaschinen gezogen werden kann. Groß und Klein konnten sich über die Technik und Einsatzbereiche der Dampfstraßenwalze aus dem Jahr 1934 oder der zwei Pfluglokomobile, jeweils Baujahr 1909, informieren.
Der Verein ist so etwas wie die Serviceabteilung. Wir reparieren und warten die Geräte.
Helmut Kapp, Zweiter Vorsitzender des Vereins Historische Dampftechnik Kirchheim
Das Herzstück dieser Maschinen ist das Feuer. Ohne das geht gar nichts. Früher wurde mit Kohle angeheizt, um den Druck in den Kesseln zu erzeugen. „Heute nehmen wir Hartholz“, erklärt Helmut Kapp, Zweiter Vorsitzender des Vereins, am Beispiel der Dampfstraßenwalze, die eine Schenkung an die Stadt Kirchheim ist. Überhaupt sind die altertümlichen Arbeitsgeräte und Mobile nicht im Besitz des Vereins, erzählt er. „Der Verein ist so etwas wie die Serviceabteilung. Wir reparieren und warten die Geräte“, sagt er und erzählt weiter, dass als Nächstes die Reparatur eines Pfluglokomobils anstehe, das im Besitz des Landkreises ist. Möglich machen dies Fördergelder vom Landkreis Esslingen und vom Denkmalamt in Höhe von mehreren zehntausend Euro. Dazu greift der Verein auf Erspartes zurück, das auch durch Spenden zustande kam.
Um das Lokomobil reparieren zu können, muss die tonnenschwere Maschine zuerst auf einen Tieflader verladen und nach Schlierbach transportiert werden, wo sie in einer Halle der Firma Kurz zerlegt wird. Anschließend werden die maroden Stehkessel und Langkessel nach England verfrachtet. Die Dauer der originalen Reparaturarbeiten dort liegt bei etwa acht bis zwölf Monaten.
Ein besonderes Anliegen ist dem Verein auch die Nachwuchsarbeit: „Seit Frühsommer haben wir eine Jugendabteilung“, erzählt Helmut Kapp. Sie nennt sich „Dampfzwerge“, bei der – genauso wie bei den Großen – neue Mitglieder willkommen sind.
Nostalgie pur gab es auch in der Dettinger Straße zu bestaunen. Dort öffnete Fritz Rainer Götz, Inhaber in fünfter Generation, die historische Kupferschmiede. Diese verfügt heute noch über funktionstüchtige Maschinen.

Johann Heinrich Heinkel schmiedete in Kirchheim seit 1837 Kupfer, ab 1840 tat er dies in der Dettinger Straße. Nach seinem Tod im Jahr 1865 übernahm sein ältester Sohn den Betrieb und gründete im Jahr 1873 schließlich die Firma „Christian Heinkel – Kupferschmiede und Apparatebau“.
Mit Geschick und Muskelkraft fertigten die Schmiede damals Kessel, Rohre, Kannen und Töpfe. Dabei mussten sie darauf achten, dass das Material nur so lange mit dem Hammer bearbeitet wurde, wie es glühte. „Denn sonst wird das Material porös“, weiß Hobbyschmied Hans-Jürgen Weller aus Zell unter Aichelberg, während er einen Stahl-Stab bearbeitet. Ihm konnte man in der Kupferschmiede beim Arbeiten zuschauen. Dort gab es dann auch viel Wissen mit auf den Weg. So etwa, dass Kupfer eine hervorragende Leitfähigkeit und darüber hinaus noch antibakterielle Eigenschaften aufweist – und wie die Maschinen über Lederbänder einst angetrieben wurden.

Doch es gab nicht nur Einblicke, auch Überblicke konnten sich die Gäste verschaffen. Gleich von zwei Türmen konnte man über die Dächer von Kirchheim hinwegschauen. So öffnete das Rathaus seinen Turm für Besucherinnen und Besucher. Und auch vom Turm der Martinskirche ließ sich die Stadt aus einer höheren Perspektive betrachten.

