Kirchheim
Trinkwasser: allzeit verfügbar – wie lange noch?

Mitte des Jahrhunderts soll in der Hälfte der Kommunen im Land Wasserknappheit herrschen. Wie realistisch ist dieses Szenario und wie können sich Gemeinden wappnen?

Trinkwasser in bester Qualität, das scheinbar unbegrenzt aus dem Hahn kommt: ein Luxus hierzulande, der nicht selbstverständlich ist. Foto: Duravit

Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und zunehmender Starkregen – der Grundwasserpegel im Land sinkt. Kommunen und Versorgungsunternehmen müssen sich langfristig für drohende Wasserknappheit wappnen. Eine aktuelle Studie des Umweltministeriums geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Städte und Gemeinden im Südwesten bis 2050 ihren Bedarf in Spitzenzeiten nicht mehr wird decken können.

Versorger äußern sich zurzeit noch relativ gelassen. „Wir haben inzwischen erhebliche Jahresschwankungen“, stellt Jürgen Moll von der Energieversorgung Filstal (EVF) in Göppingen fest. „Daraus eine generelle Entwicklung abzuleiten, ist schwierig“. Grundwasser verhält sich träge. Bis Pegel auf Wettereinflüsse reagieren, kann es viele Jahre dauern. Das mittlere Alter von Karstgrundwasser in mehreren hundert Metern Tiefe liegt nach Einschätzung von Experten bei etwa zwölf Jahren. Allerdings hat auch die EVF, die Kommunen bei der Wasserversorgung als Dienstleister betreut, am Masterplan der Landesregierung mitgearbeitet. Die Botschaft, die daraus hervorgeht, ist deutlich: Wasserversorgung ist auch hierzulande kein Selbstläufer mehr.

Es wäre falsch, zu behaupten, dass man sich längerfristig keine Sorgen macht.

Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger trifft Vorkehrungen bei der Wasserversorgung.

Die Stadt Owen mit ihren rund 3.500 Einwohnern ist gerade dabei, in die Zukunft zu investieren. Rund 350.000 Euro kostet eine verlässliche Trinkwasserversorgung die Gemeinde jährlich. Mehr als eine halbe Million Euro wird jetzt in eine sogenannte Ultrafiltrationsanlage gesteckt, mit der Quellwasser von der eigenen Gemarkung besser aufbereitet werden kann. Etwa 40 Prozent des Bedarfs deckt Owen mit Eigenwasser aus Quellfassungen, die größtenteils an den Hängen der Teck liegen. Weil das Wasser aus oberflächennahen Schichten stammt, ist es besonders anfällig für Umwelteinflüsse. Bei Starkregen – was immer häufiger vorkommt – muss ein beträchtlicher Teil davon wegen Verunreinigungen ins Kanalnetz abgeleitet werden. Mit der verbesserten Technik lässt sich der Anteil des nutzbaren Eigenwassers Berechnungen zufolge annähernd verdoppeln. Eine Investition, die auf lange Sicht Kosten spart, denn der Bezug von Fremdwasser durch die Landeswasserversorgung (LW) ist vergleichsweise teuer.

„Es wäre falsch, zu behaupten, dass man sich längerfristig keine Sorgen macht“, meint Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger. Zeiten, in denen Landwirte und Vereine aufgerufen werden, Felder und Sportanlagen nicht mehr zu bewässern, sind auch in Owen in heißen Sommern keine Seltenheit mehr. Bisher blieb es beim Appell, Verbote wären der nächste Schritt. „Letztlich geht es darum, als Gemeinde die bestmöglichen Vorkehrungen zu treffen, dass die Versorgung gewährleistet ist“, sagt die Rathauschefin.

Eigenwasser ist folglich ein wichtiger Teil davon. Allerdings gehen Wissenschaftler davon aus, dass infolge des Klimawandels das Eigenwasservorkommen in Kommunen bis Mitte des Jahrhunderts um rund ein Viertel schwinden wird. In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es in Owen und in der Nachbargemeinde Bissingen, wo Eigenwasser mit einem Anteil von rund 60 Prozent eine noch bedeutendere Rolle spielt, keine grundlegenden Veränderungen. Wie schnell man an Grenzen stößt, wurde hier jedoch vor zwei Jahren sichtbar. Im Juni 2023 mussten die Bissinger den Kirchheimer Teilort Nabern von der Wasserversorgung abkoppeln, der an normalen Tagen mitversorgt wird. Der rasant gestiegene Bedarf lag kurzzeitig über der verfügbaren Menge. Die Gemeinde Dettingen musste einspringen und diesen Teil übernehmen. Ein Vorgehen, das die Landesregierung explizit fordert: Kommunen müssten sich untereinander künftig intensiver austauschen, am besten mithilfe intelligenter Bedarfssteuerung.

Dabei sind Engpässe – zumindest Stand heute – äußerst selten. Die allermeisten Kommunen würden ihre vertraglich zugesicherten Bezugsrechte bei der Landeswasserversorgung bei weitem nicht ausschöpfen, sagt EVF-Sprecher Jürgen Moll. In Bissingen liegt der Puffer bei bis zu 30 Prozent. In Owen hat man trotz der Investitionen in die Eigenwasseraufbereitung seine Bezugsmenge bei der LW vor kurzem von acht auf zehn Sekundenliter erhöht – um auf der sicheren Seite zu sein.

 

Woher unser Wasser kommt

Der Großteil der 44 Kommunen im Kreis Esslingen bezieht sein Trinkwasser von der Landeswasserversorgung (LW) in Langenau bei Ulm. Ein kleinerer Teil der Gemeinden, überwiegend auf den Fildern, sind an die Bodenseewasserversorgung angeschlossen. Die Stadtwerke Kirchheim beziehen Trinkwasser aus beiden Quellen.
Die LW ist der größte Versorger in Baden-Württemberg, der sein Wasser aus drei verschiedenen Vorkommen schöpft: Bis zu 40 Prozent sind Grundwasser aus dem Donauried. Knapp die Hälfte wird in der Nähe von Leipheim als Flusswasser der Donau entnommen und technisch aufbereitet. Der Rest stammt aus der Buchbrunnenquelle im Egautal bei Dischingen.
Das Donauried gilt als größter Grundwasserspeicher in Baden-Württemberg, der rund eine Milliarde Kubikmeter bereitstellt. Zum Vergleich: der Jahresverbrauch der Stadt Kirchheim mit ihren rund 42.000 Bewohnern liegt bei etwa zwei Millionen Kubikmetern Trinkwasser.
Weil der Klimawandel die Neubildung von Grundwasser erschwert, erschließt die Landeswasserversorgung neue Quellen im Donauried, vor allem im Bereich des Langenauer Rieds bei Niederstotzingen. bk