Elektromobilität
VDA kritisiert fehlende E-Ladepunkte

Beim VDA-Ladenetzranking liegt der Landkreis Esslingen auf einem der hinteren Plätze. Was das bedeutet, und warum die hohe Zahl an Elektroautos den Landkreis schlecht dastehen lässt.

Öffentlicher E-Ladepunkt auf dem Rewe-Parkplatz in Dettingen. Archivfoto: Markus Brändli

Kürzlich hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) sein E-Ladenetz-Ranking veröffentlicht. Ziel war es, herauszufinden, wie sich die öffentliche Ladeinfrastruktur in Deutschland weiterentwickelt hat. Beim T-Wert, der angibt, wie viele E-Pkw sich einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt teilen müssen, hat der Landkreis Esslingen nicht gut abgeschnitten: 22,8 E-Pkw kommen rechnerisch auf eine öffentliche Ladesäule. Beim Gewinner, dem Stadtkreis Heilbronn, sind es 4,8 E-Pkw.

Was bedeutet das für den Landkreis Esslingen? „Das Ranking bildet die Attraktivität für den Umstieg auf Elektromobilität ab“, schreibt der VDA auf seiner Homepage und kritisiert, dass das Ausbautempo abgenommen habe. Ist der Umstieg auf Elektroautos im Landkreis Esslingen also unattraktiv?

Die weißen Flecken werden allmählich weniger.

Carolin Heer, Expertin für Nachhaltige Mobilität, über den Ausbau in der Fläche

Schon der Blick auf die zugelassenen Elektroautos zeigt, dass das nicht der Fall sein kann: Der Landkreis Esslingen ist bei der Zahl der E-Autos weit vorne. Laut VDA sind zwischen Neckar und Alb 25.594 Elektro-Pkw zugelassen. Allerdings muss man berücksichtigen, dass der Landkreis Esslingen zu den bevölkerungsreichsten Kreisen Deutschlands gehört. Bei den zugelassenen E-Autos liegt der Landkreis deutschlandweit auf Platz 13, und auf Platz 5, wenn man nur auf die Landkreise blickt. „Dem steht eine Infrastruktur gegenüber, die sich noch im Aufbau befindet“, sagt Carolin Heer vom Sachgebiet Nachhaltige Mobilität im Landkreis Esslingen. Laut VDA existierten am 1. Juli 2025 1123 öffentliche Ladepunkte im Landkreis Esslingen.

1123 Ladepunkte existieren laut Verband der Automobilindustrie (VDA) im Landkreis Esslingen. Archivfoto: Markus Brändli

„In den neuen Bundesländern ist der E-Pkw-Bestand vergleichsweise gering, und bei einer niedrigen Anzahl ist das Verhältnis zu öffentlichen Ladepunkten natürlich besonders günstig“, sagt Carolin Heer.

Allerdings hat sie Zweifel an den Zahlen, die der VDA für sein Ranking nutzt. „Der VDA greift zurück auf das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur. Da sind allerdings nie alle öffentlichen Ladepunkte mit drin“, sagt Heer. Der Grund sei, dass zwar alle Ladeinfrastrukturbetreiber aufgerufen seien, neue Ladepunkte an die Bundesnetzagentur zu melden. De Fakto passiere das aber teilweise nicht.

Die öffentliche Ladeinfrastruktur hat im Landkreis Esslingen in den vergangenen Jahren einen großen Sprung gemacht. „Mittlerweile haben wir in 41 von 44 Kommunen öffentliche Ladepunkte“, sagt Heer, die ihre Aussage auf Zahlen der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) stützt. Letztes Jahr seien erst 80 Prozent der Kommunen versorgt gewesen, 2025 schon 93 Prozent. „Die weißen Flecken werden allmählich weniger“.

Heer bezweifelt allerdings, dass der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur das entscheidende Argument für den Umstieg ist. „Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur prognostiziert, dass 58 Prozent der Nutzer privat laden oder beim Arbeitgeber, und der Rest öffentlich“, sagt Carolin Heer und ergänzt: „Wer zuhause seinen eigenen PV-Strom laden kann, hat ja auch ökonomische Vorteile“. Teilweise seien öffentliche Ladepunkte gar nicht so stark ausgelastet. Ihr Fazit lautet: „Wir müssen auf jeden Fall weiter ausbauen, aber es ist jetzt schon gut möglich, im Landkreis Esslingen elektrisch mobil zu sein“. 

Neue Infrastruktur kann der Landkreis Esslingen ohnehin nur sehr eingeschränkt schaffen, bei den Verwaltungsstandorten in Plochingen und Esslingen sei das bereits geschehen. Als Landkreis habe man sich mit dem Elektromobilitätskonzept auf den Weg gemacht und eine Bedarfsanalyse angestoßen. „Uns ist das Thema ein wichtiges Anliegen, und wir beraten und unterstützen gerne bestmöglich. Aber beim Ausbau ist der Ball eher im Feld der Kommunen, der Flächeneigentümer und der Ladeinfrastrukturbetreiber“, sagt Heer.