Vom Smartphone über das selbstfahrende Spielzeugauto bis hin zur Geburtstagskarte für Oma, die beim Öffnen mit mechanischer Stimme ein Liedchen trällert: Akkus und Batterien sind heutzutage in einer Vielzahl von Produkten verbaut, und das geht immer mit einem gewissen Risiko einher. Besonders gefährlich wird es, wenn die Energiespeicher oder elektronische Geräte, in denen sich diese befinden, achtlos in den Hausmüll geworfen werden.
Beim Eintreffen der Wehr war der der komplette Treppenraum verraucht
Michael Briki, Stadtbrandmeister von Kirchheim, über einen Fall in der Region
Wie Stadtbrandmeister Michael Briki berichtet, musste die Kirchheimer Feuerwehr in den vergangenen Jahren schon öfters aufgrund von Elektrogeräten ausrücken. Er erinnert sich an einen Fall Ende 2022, als es im Technologiepark Nabern infolge eines technischen Defekts zur Explosion eines 600 Kilogramm schweren Fahrzeug-Akkus kam. Laut Briki blieb es bei einem „kleineren Brandgeschehen“; allerdings wurden durch die Explosion verschiedene giftige Chemikalien freigesetzt, weshalb der Vorfall in einen Großeinsatz ausartete.
Brandgefahr besteht allerdings nicht nur bei großen, industriellen Geräten. Der Feuerwehrkommandant erzählt von einem Einsatz im Sommer 2023: Damals sei der Akku eines Elektromotorrollers im Keller eines Mehrfamilienhauses während des Ladens in Flammen aufgegangen. „Beim Eintreffen der Wehr war der komplette Treppenraum verraucht“, erinnert sich Michael Briki. Das sei für Brände mit Batterien oder Akkus typisch.
„Im Landkreis selbst wurde auch schon ein komplettes Einkaufscenter geräumt, da sich in einem Fachgeschäft ein E-Bike-Akku entzündet hatte“, so der Feuerwehrmann. Auch auf Mülldeponien komme es immer wieder zu Bränden.
Falsche Entsorgung ist prekär
Das kann Till Deininger vom Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Esslingen nur bestätigen. Ihm zufolge haben die Vorfälle in Abfallsammelfahrzeugen und Entsorgungseinrichtungen zugenommen. Erwartungsgemäß seien die Übeltäter oft elektronischer Natur. „Elektroschrott stellt seit geraumer Zeit eine ernstzunehmende Gefahr dar“, betont der Sprecher.
Elektro-Schrott stellt seit geraumer Zeit eine ernstzunehmende Gefahr dar.
Till Deininger, Sprecher des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Esslingen
Tatsächlich habe erst Ende Oktober der Elektroschrott-Container des AWB auf der Entsorgungsstation Sielminger Straße in Leinfelden-Echterdingen Feuer gefangen. In ganz Deutschland kommt es nach Zahlen des Bundes der Deutschen Entsorger täglich zu rund 30 Bränden in Müllfahrzeugen und -entsorgungsanlagen. In solchen Fällen sind Einsätze der Feuerwehr über ein oder zwei Tage „keine Seltenheit“, verrät Michael Briki.
Wann es gefährlich wird
Ein Risiko stellen Akkus und Batterien vor allem dann dar, wenn sie durch unsachgemäße Handhabung zusammengedrückt, verbogen, aufgeschlitzt oder anderweitig beschädigt wurden, erklärt Michael Briki. Oft werde die Batterie oder der Akku in diesem Fall einfach in den Hausmüll geworfen, wo es dann durch Kurzschlüsse zu Bränden kommen könne. Dass in Müllfahrzeugen und Entsorgungsanlagen besonders häufig Feuer ausbricht, liege daran, dass der Abfall dort mechanisch zerkleinert und dementsprechend häufig beschädigt werde. Ein weiteres Gefahrenpotenzial stelle die Überladung beziehungsweise Überhitzung dar. In diesem Falle bestehe sogar Explosionsgefahr.
Die Eigensicherung und das Retten von Menschenleben hat im Brandfall immer Vorrang vor der Brandbekämpfung.
Michael Briki
Als Beispiel nennt Michael Briki die Lithium-Ionen-Akkus, die mittlerweile in fast allen mobilen Geräten verbaut sind. Aufgrund ihrer Beschaffenheit und der hohen Reaktionsdichte seien diese Akkus nicht nur „sehr entzündungsgefährlich“, sondern könnten zudem noch giftige Gase freisetzen. „Ganz und gar ungefährliche Akkus oder Batterien gibt es meines Wissens nicht“, meint Michael Briki. Der Stadtbrandmeister ergänzt, dass in manchen älteren Batterien noch Schwefelsäure oder Lauge enthalten sei. „Hier lauern andere Gefahren.“
Sicherheitsmaßnahmen gegen Brände
Um das Gefahrenrisiko zu minimieren, empfiehlt Michael Briki, ausschließlich originale Ladestationen, Stecker und Zubehör des entsprechenden Herstellers zu verwenden. Allgemein sei darauf zu achten, Akkus und Batterien keinen zu hohen Temperaturen auszusetzen, und das „weder beim Laden noch beim Einlagern“. In Sachen Lagerung rät der Stadtbrandmeister außerdem davon ab, die Geräte in feuchten Räumen oder im Freien aufzubewahren. Ideal seien entsprechende Schutzschränke oder Aufbewahrungsbehälter. Ladestationen sollte man bestenfalls außer Reichweite brennbarer Materialien platzieren.
Ganz und gar ungefährliche Akkus oder Batterien gibt es meines Wissens nicht.
Michael Briki
Sicherheitsbewusstsein beginnt jedoch schon beim Kauf: Michael Briki empfiehlt, zu prüfen, ob die Herstellerangaben den laufenden Vorschriften und Gütesiegeln entsprechen. Bei Akkus und Batterien im eigenen Besitz sei es wiederum ratsam, regelmäßig nach Warnsignalen Ausschau zu halten: Risse, Verformungen, Aufblähungen, Verfärbungen, übermäßige Hitze, ein ungewöhnlicher Geruch, aber auch Schmierbildung und Ablagerungen an den Polen sind allgemeinhin schlechte Zeichen.
Richtiges Verhalten im Brandfall
Sollte das Worst-Case-Szenario doch einmal eintreten, sei das „erste Gebot“, sich und andere Personen in Sicherheit zu bringen, erklärt Michael Briki. Bei Möglichkeit solle man dabei noch die Türe hinter sich schließen. „Die Eigensicherung und das Retten von Menschenleben hat im Brandfall immer Vorrang vor der Brandbekämpfung“, stellt der Feuerwehrmann klar.
Von eigenen Löschversuchen rät er dringend ab – insbesondere in verrauchten Räumen. Durch die hochgiftigen Dämpfe bestehe dort „absolute Lebensgefahr“. Michael Brikis Rat: Umgehend die 112 wählen und die Brandbekämpfung den Profis überlassen!

