Polizei ermittelt
Versteckte Kameras in Toiletten der Ötlinger Mörikehalle

Ein Vater entdeckte die Kleiderhakenkameras während des Eltern-Kind-Turnens. Verein und Schule sind alarmiert. 

Der Sportbetrieb in der alten Mörikehalle in Ötlingen läuft nach dem Kamerafund vom Freitag wieder wie gewohnt. Die Räume wurden von der Polizei unter die Lupe genommen und es wurde nichts Verdächtiges mehr gefunden.  Foto: Carsten Riedl

Es ist ein Schock für Betroffene und der Albtraum einer jeden Schule und eines jeden Sportvereins: Versteckte Kameras in geschützten Räumen, heimlich gefilmte Szenen, in denen man sich eigentlich unbeobachtet fühlt. Zwei solche Kameras hat die Polizei am vergangenen Freitag in Toiletten auf dem Gang zwischen Umkleide und Innenraum in der  Ötlinger Mörikehalle sichergestellt. Ein aufmerksamer Familienvater hatte die auf Schienbeinhöhe angebrachten und als Türstopper getarnten Kameras per Zufall entdeckt. Dabei handelt es sich um sogenannte Kleiderhaken-Kameras, die frei im Handel erhältlich sind. Zu diesem Zeitpunkt fand am Freitagnachmittag das Eltern-Kind-Turnen des TSV Ötlingen statt.

Man erwartet nicht, dass das im eigenen Umfeld passiert.

Florian Großschmidt, Vorstandsmitglied im TSV Ötlingen.

 

Florian Großschmidt ist als Vorstandsmitglied im TSVÖ für die Schulsporthalle zuständig. Als er die Nachricht einer besorgten Mutter auf dem Handy entdeckt, macht er sich gegen 15 Uhr sofort auf den Weg in die Halle. Dort erwartet ihn neben aufgebrachten Eltern, dem Hausmeister und den beiden Übungsleiterinnen auch bereits die Polizei. Die Beamten durchkämmen daraufhin sämtliche Räume im Umkleidebereich der Halle nach möglichen weiteren Kameras  – ohne Ergebnis. „Natürlich kennt man solche Fälle, aber man erwartet nicht, dass das im eigenen Umfeld passiert,“ sagt Großschmidt, der alle bekannten Informationen zum Vorfall in Windeseile weiter verschickt: an Schule, Stadtverwaltung, Eltern und an alle Übungsleiter des Vereins. Auch der Pächter im Vereinsheim im Rübholz wird angehalten, die Augen offen zu halten.

Die Polizei wertet derzeit alle Spuren aus. Dabei können die Ermittler zumindest teilweise Entwarnung geben: Bei den beiden Kameras handelt es sich offenbar um keine Bluetooth- oder W-Lan-fähigen Geräte. Die Aufnahmen können also nicht unkontrolliert ins Netz gelangt sein, sondern sind lokal auf einer SD-Karte gespeichert. Um an den Inhalt zu kommen, muss die Speicherkarte demnach aus der Kamera entnommen und anschließend am Computer ausgelesen werden. Sofern der Täter dazu nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt Gelegenheit hatte, ist zu vermuten, dass die Aufnahmen bisher nicht in falsche Hände gelangt sind. Florian Großschmidt geht davon aus, dass die Kameras erst vor kurzem in den Toiletten angebracht wurden. „Ansonsten wäre das sicher schon früher aufgefallen,“ sagt er.

 

Auch Bundesliga-Handballerinnen betroffen

Für Spanner sind Schulsporthallen und Sportplätze offenbar besonders attraktive Ziele. Fälle, in denen die Intimsphäre junger Sportlerinnen und Sportler verletzt wird, gibt es immer wieder. Nicht immer werden Kinder und Jugendliche dabei zu Opfern. Manchmal trifft es auch Erwachsene.

Im Januar 2022 sorgte ein Fall in Metzingen landesweit für Schlagzeilen. Dabei wurden in der Umkleide der Bundesliga-Handballerinnen des TuS versteckte Kameras entdeckt. Die Nachricht war für Verein und Mannschaft ein Schock. Wie sich später herausstellte, stammten die Kameras von einer Vertrauensperson aus dem direkten Umfeld des Erstligisten.

Vorfälle wie diese fallen unter Paragraf 201a des Strafgesetzbuches „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen.“ Verstöße können mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. bk