Versteckt zwischen Fabrikgebäude und Boulder-Halle liegt auf dem zwei Hektar großen Otto-Ficker-Areal eines der schönsten Gebäude des Geländes: das Backsteingebäude, das von der Stuttgarter Straße aus nicht zu sehen ist und das vor einem Jahr noch Baustelle war. Die Liebe zum Details ist überall zu erkennen: in der alten Eingangstür aus Holz, die aufgearbeitet und wieder eingesetzt wurde, der Uhr über dem Eingang, dem Treppenhaus, das an die Anfangszeit des 20. Jahrhunderts erinnert, aus der das Otto-Ficker-Areal stammt. Das Schmuckstück ist vermietet an die Firma Murrelektronik, die sich auf Automatisierungstechnik spezialisiert hat und die mit ihrer Niederlassung von Holzmaden nach Kirchheim umgezogen ist. Auf das Backsteingebäude sind zwei Penthouse-Wohnungen gesetzt worden, mit spektakulärem Blick Richtung Teck und Alb. Beide werden aktuell noch ausgebaut – und anschließend vermietet. Auch die Sanierung des Kesselhauses, das sich nebenan befindet, ist mittlerweile abgeschlossen.
Parkplätze sind fertig
Damit ist die Unger eGbR, die das Gelände 2015 gekauft hat, wieder einen Schritt weitergekommen in ihrem Bemühen, das historische Fabrikgebäude der Otto Ficker AG zeitgemäß für Gewerbe, Arbeiten und Wohnen wiederherzurichten. Momentan wird im westlichen Teil des historischen Gebäudes, das der Stuttgarter Straße zugewandt ist, und im Turm gearbeitet. Im Dachgeschoss des westlichen Teils entstehen auf zwei Stockwerken zwölf Mietwohnungen. „Die Vermietung läuft aber noch nicht“, bremst Gesellschafterin Kerstin Unger, die das Familienunternehmen mit Vater Helmut Unger und Schwester Katja Frank betreibt.

Die beiden Stockwerke darunter stehen aktuell leer, mit dem Ausbau wird noch gewartet. „Die Flächen werden vermietet und können nach den Wünschen der Mieter gestaltet werden“, erklärt Kerstin Unger. Das erste Stockwerk ist bereits an das Physiotherapiezentrum HSH Lamprecht vermietet, das bereits im östlichen Teil des Fabrikgebäudes arbeitet und weitere Räume benötigt hat. Außerdem hat das Sanitätshaus Carstens im Erdgeschoss eine Filiale eröffnet. Im Erdgeschoss des Turms wird eine Passage gebaut, die eine Verbindung vom Parkplatz in den südlichen Bereich ermöglicht. Außerdem kann man vom Parkplatz Stuttgarter Straße durch den Turm hindurch in den hinteren Teil des Areals gelangen. Aufzüge führen in die oberen Stockwerke. „Das gesamte Areal ist barrierefrei“, betont Helmut Unger.

Von der Stuttgarter Straße aus sticht der fertiggestellte große Parkplatz ins Auge. Darunter befindet sich die Tiefgarage für die Mieter. Der Parkplatz vor dem Kesselhaus wurde ebenfalls saniert. Die Flächen wurden nicht nur erneuert, sondern tragen den aktuellen Anforderungen Rechnung. „Das war alles aus Beton und Bitumen“, erinnert Helmut Unger. Man habe die Beläge erneuert und wasserdurchlässig gemacht, außerdem Bäume gepflanzt, um für Schatten zu sorgen. Insgesamt gibt es auf dem Gelände rund 200 Stellplätze. „Wir halten diese große Zahl für wichtig. Unsere Mieter haben einen großen Bedarf“, sagt Helmut Unger. Vom Parkplatz an der Stuttgarter Straße führt ein kleiner Weg direkt zur Bushaltestelle – ebenfalls ein Novum.
Innenstadtnahe Lage als Plus
Kerstin Unger weiß, dass die innenstadtnahe Lage viele Unternehmen anzieht. „Viele Firmen wissen, dass sie ihren Mitarbeitern einen interessanten Arbeitsplatz bieten müssen“, sagt sie. Die Vorzüge der Lage nahe der Altstadt liegen für sie auf der Hand. „Die Geschäftskunden haben die Möglichkeit, innerstädtisch zu übernachten, abends auszugehen“, sagt Unger. Im Industriegebiet gebe es einen Bäckerwagen und sonst nichts. „Hier kann man sich bewegen, etwas essen gehen, Besorgungen machen.“
Ein möglicher weiterer Bauabschnitt ist laut Helmut Unger das Dach des Ostflügels. Ein Ausbau ist aber aktuell nicht geplant. „Je nachdem, wie die Marktlage ist, überlegen wir, ob wir dort weitere Wohnungen bauen“, sagt er.
Mehr Informationen zum Otto-Ficker-Areal
Geschichte In dem historischen Fabrikgebäude der Otto-Ficker-AG, das zwischen 1903 und 1914 gebaut wurde, wurden früher Briefumschläge und Kuverts hergestellt. 2004 fusionierte die Firma mit Blessing zu BlessOF. 2008 hatte die Mayer-Gruppe aus Heilbronn BlessOF übernommen. 2015 kaufte die Unger eGbR das Areal. 2017 meldete BlessOF Insovenz an, 2018 gingen in Kirchheim die Lichter aus. Das historische Fabrikgebäude geht teilweise auf Entwürfe des einstigen Kirchheimer Stararchitekten Philipp Jakob Manz zurück.
Ideen 2017 war im Kirchheimer Gemeinderat von einem Eventkomplex auf dem ehemaligen Gelände der Otto-Ficker-AG die Rede, der auch ein Kino umfassen sollte. Diese Pläne sind aber schon lange vom Tisch. Die Kletterhalle, die damals schon angedacht war, wurde hingegen umgesetzt.
Mieter Im Otto-Ficker-Areal sind folgende Unternehmen oder Kommunen Mieter: Dälken KLE, Alpha Consult-Premium, Top Boulder, Stadt Kirchheim, HSH Lamprecht, Getränkemarkt Banzhaf, Weinwerk, Pragmatic Industries, Murrelektronik, Sanitätshaus Carstens.
Nachhaltigkeit Um Teile des Areals mit Wärme zu versorgen, wurde unter der Tiefgarage nach Geothermie gebohrt. Das historische Gebäude ist auf KfW-55-Standard gebracht worden.
Fassade Das ehemalige Fabrikgebäude steht nicht unter Denkmalschutz, ist aber eingestuft als stadtbildprägendes Gebäude.

