Noch sind sie entspannt, doch das wird sich ändern. Annika Bosler, Zoe Schiller, Lara Ambach und Melina Bosch sind die erste Gruppe der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule, die sich für das jährliche Finale des „Start-up BW Young Talents Landesfinale“ qualifiziert haben. „Wir können uns die Dimension noch gar nicht vorstellen“, sagt Melina Bosch wenige Tage vor dem Finale. Doch sie stehen hinter ihrer Idee und freuen sich darauf, sie in einer dreiminütigen Präsentation im Haus der Wirtschaft in Stuttgart vorzustellen.
Ihr Grundgedanke ist simpel und für jeden nachvollziehbar „Wo kann man Zeit sparen?“ Mit dieser Frage startet das Team in den eintägigen Workshop an der Schule. Dieser ist verpflichtend und richtet sich an alle Schüler und Schülerinnen der Eingangsklassen. Von 8 bis 16 Uhr müssen sie folgende Aufgabe bewältigen: Wie entwickelt man eine Geschäftsidee? Dazu gehört die mögliche Umsetzung zu prüfen und auch die abschließende Präsentation zu erarbeiten. Eine große Herausforderung für die jungen Erwachsenen im Alter von 16 und 17 Jahren.
Aussuchen dürfen sie sich die Teammitglieder nicht, das Los entscheidet. Doch die Mädchen kennen sich und arbeiten gut zusammen.
„Wenn man neben dem Zähneputzen noch etwas anderes machen könnte“, sagt Annika, „dann wäre das geschickt.“ Eine eigenständige Zahnbürste muss her. Und schon nach wenigen Stunden ist die Idee geboren. Die individuell angepasste, selbstreinigende Zahnschiene. Ihre Begeisterung ist fast greifbar, als sie von den Vorzügen ihrer Idee erzählen. Es ist nachhaltig, spart Zeit und stellt die gründliche Reinigung der Zähne sicher. Dazu soll eine Schiene, passend zu den jeweiligen Zahnreihen, angefertigt werden. Bestückt werden diese dann mit kleinen Bürsten, die mit einem Akku betrieben, das Zähneputzen übernehmen. Sie sind überzeugt, dass dieses Produkt Zukunft hat. Denn ein weiterer, positiver Aspekt ist die Nachhaltigkeit. Es wird nur wenig Kunststoff benötigt, um die kleinen Bürsten herzustellen. Die Schiene ist langlebig und der benötigte Akku kann von der ganzen Familie genutzt werden.
Obwohl sie selbst von ihrer Idee überzeugt sind, gibt es anfangs durchaus Kritik aus ihrer Jahrgangsstufe. „Das gibt es doch schon!“, war die häufigste Aussage. Doch mit Frauen-Power stellen sie sich ihren Kritikern und dürfen sich somit für das Finale bewerben. Von den 16 Gruppen dürfen das nur die beiden Besten. Wer das ist, entscheidet eine Jury nach der Präsentation und ihren kritisch gestellten Fragen.
Doch „Fresh Teeth“ überzeugt und muss sich entscheiden, ob sie sich für das Landesfinale bewerben möchten. Die Bewerbung ist freiwillig, doch das Quartett stellt sich auch dieser Herausforderung. Nach einem Online-Seminar wissen sie: „In erster Linie sind wir für uns selbst verantwortlich.“ Sie investieren viel Zeit und kombinieren ihre Fähigkeiten. Zoe und Annika sind die kreativen Köpfe und Lara und Melina sorgen für die Struktur. Mit Flyer, Plakat, einem Prototyp aus Papier und einem Schädel bewaffnet, geht es dann nach Stuttgart. 200 Menschen sitzen im Zuschauerraum. Ministerpräsident Winfried Kretschmann eröffnet mit Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut die Veranstaltung, und dann steht „Fresh Teeth“ auf der Bühne. In nur drei Minuten können sie die Jury überzeugen und belegen Platz vier, von zwölf angetretenen Gruppen. Was sie wieder mit nach Hause nehmen? Sie können erlerntes Wissen kreativ umsetzen, eigene Ideen entwickeln, strukturiert arbeiten, im Team funktionieren und trotz Zeitdruck und Nervosität die einzelnen Schritte professionell gestalten.
„Aus meiner Sicht“, sagt Patrick Landthaler, organisatorischer Betreuer der diesjährigen Teams, „fördert dieses Projekt die Persönlichkeitsentwicklung und stärkt das Selbstvertrauen der Schüler und Schülerinnen ungemein.“

