Tradition
Wenn der Advent vorbeikommt

Mit seiner Kurrende ist der Posaunenchor der Gesamtkirchengemeinde Kirchheim am vierten Advent am Schafhof unterwegs. An mehreren Stationen erklingen Weihnachtslieder und laden zum Zuhören ein.

Kalte Temperaturen gehören zur Kurrende dazu: Musiziert wird im Freien, dick eingepackt. Foto: Jule Störk
Kalte Temperaturen gehören zur Kurrende dazu: Musiziert wird im Freien, dick eingepackt. Foto: Jule Störk

Das war jetzt schon mein Weihnachtsgeschenkle“, sagt eine der Zuhörerinnen, als die Mitglieder des Posaunenchors ihre Instrumente absetzen. Eigentlich war sie zufällig hier vorbeigekommen, blieb aber wegen der Musik. Nach ein paar dankenden Worten bleibt sie noch stehen, spricht mit anderen aus der Runde, dann zieht der Chor weiter zur nächsten Station.

Seit Jahrzehnten im Viertel

Der Posaunenchor der Gesamtkirchengemeinde Kirchheim zieht traditionell am vierten Advent mit seiner Kurrende über den Schafhof. Gespielt wird an mehreren Stationen im Viertel, an denen Nachbarinnen und Nachbarn die Bläser empfangen. 

„Das gibt es schon länger, als ich auf der Welt bin“, sagt Fabian Slupek vom Posaunenchor. Seit rund vier Jahrzehnten gehört die Kurrende zum Advent auf dem Schafhof. Als Slupek vor 35 Jahren dazustieß, war sie bereits fester Bestandteil. Initiiert wurde sie von einer Bläserin aus dem Viertel. Gespielt wird seitdem jedes Jahr am vierten Advent, unabhängig von Wetter und Temperaturen. Minus zehn Grad seien bislang das Äußerste gewesen, erzählt Slupek. Musiziert wird trotzdem, dick eingepackt, Instrumente in der Hand, von Station zu Station. Kalte Finger gehören dabei ebenso dazu wie der warme Empfang an den Stationen.

Gebäck und Getränke frei Haus

Im Vorfeld wird festgelegt und kommuniziert, wann der Posaunenchor vorbeikommt, die Nachbarschaften können sich dann darauf einstellen. „Dann gehen wir mal die nächsten Nachbarn aufwecken“, sagt Slupek lachend. Die Kurrende ist am Nachmittag unterwegs, ab 15 Uhr. An vielen Häusern stellen Nachbarinnen und Nachbarn warme Getränke, Gutsle, Lebkuchen und Spekulatius bereit, mancherorts auch einen Schnaps.

Für Fabian Slupek ist der Nachmittag vor allem von den Begegnungen geprägt. Rund 15 Bläserinnen und Bläser sind in diesem Jahr dabei. Menschen kommen vor die Tür, bleiben stehen oder singen mit, manche zufällig, andere jedes Jahr wieder. „Wir freuen uns immer über jeden, der mitsingt und zu diesem weihnachtlichen Gefühl beiträgt.“ Besonders freut Slupek, dass auch Bläserinnen und Bläser dabei sind, die inzwischen weggezogen sind, über die Feiertage in die Heimat zurückkehren und bei der Kurrende wieder mitspielen.

Unterwegs im Advent

Der Posaunenchor war in diesem Jahr erstmals auch im Paradiesle und im Seniorenzentrum Fickerstift unterwegs. Dort wurde kräftig mitgesungen, und die Rückmeldungen seien so positiv gewesen, dass geplant ist, auch im kommenden Jahr wiederzukommen. Zugleich ist die Kurrende für viele der jüngeren Bläserinnen und Bläser der erste größere Auftritt. Deshalb werden auch Stücke ausgewählt, die sich gut für Jungbläser eignen. So können auch jene mitspielen, die noch nicht lange dabei sind oder außerhalb der Proben zum ersten Mal auftreten.

„Endlich“, sagt eines der Chormitglieder und streckt die Finger über das Feuer. Nach fünf Stationen erreicht der Posaunenchor das Gemeindehaus, die letzte Station der Kurrende. Dort treffen sie seit Jahren auf das Adventsangebot des Nachbarschaftsnetzwerks Schafhof. Punsch, Tee und Glühwein stehen bereit, ein Feuer brennt, Leberkäswecken gehen von Hand zu Hand. In diesem Jahr singt erstmals auch der Kinderchor des Schafhof-Kindergartens. Hier endet die Kurrende, aber vor dem Gemeindehaus geht der Nachmittag weiter.