Unscheinbar sieht er von außen aus, der Industriebau mit dem Flachdach mitten zwischen den Schienen im Plochinger Industriegebiet. Drinnen aber pulsiert das Nahverkehrs-Leben. „Hier schlägt das Herz der S-Bahn Stuttgart“, sagt S-Bahn-Chef Dr. Dirk Rothenstein. Von der Leitstelle über die Verwaltung bis zur Werkstatt – hier laufen die Fäden für den gesamten S-Bahn-Verkehr der Region zusammen.
„Die S 5 hat null Minuten Verspätung“, freut sich Thomas Lidl und deutet mit den Finger auf einen der vielen Bildschirme in der Leitstelle. „Ich sehe hier jeden Bahnhof und ob die Züge pünktlich sind.“ Schon kleine Verspätungen können große Folgen haben. „Wenn in Stuttgart alle 2,5 Minuten ein Zug durch die Röhre fährt, kann man sich vorstellen, wie sich fünf Minuten aufs ganze System auswirken“, so Thomas Lidl. Wie beispielsweise an diesem Tag, als bei einem Einsatz der Bundespolizei ein Zug angehalten wurde. Oder wenn mal wieder ein E-Roller auf den Gleisen gelandet ist und entfernt werden muss. „Jeder Scooter, der da liegt, führt zu Zugausfällen“, so Lidl. Ob Roller oder Polizeieinsatz: „Auf solche Ereignisse habe ich keinen Einfluss“, so der Schichtleiter. Sein Job: Dafür sorgen, dass der Verkehr trotzdem so reibungslos wie möglich weiterläuft.

Damit die Bahnen technisch in Schuss bleiben, werden sie in der Werkstatt gewartet, repariert und modernisiert. Rund 130 Mitarbeiter arbeiten dort in sechs Teams, zwei Drittel davon in der Nachschicht, wenn die Bahnen nicht gebraucht werden. Alle 11 000 Kilometer werden die Fahrzeuge komplett durchgecheckt. „Also alle 20 Tage“, sagt Werkstattleiter Michael Zörner. Bei den neuen Wagen sind die Intervalle doppelt so lang.
A propos neue Fahrzeuge. Davon hat die S-Bahn 58 bekommen. Kostenpunkt: 9,5 Millionen Euro pro Stück. Die letzten sind jetzt im Februar geliefert worden. Allerdings – das räumt Dirk Rothenstein ein – funktionieren sie nicht immer reibungslos. Bemerkenswert auch: Die neuen Fahrzeuge werden ebenso wie die alten Wagen komplett umgebaut, um den neuen Standards der S-Bahn Stuttgart zu genügen. In einem ersten Schritt erhalten sie ein neues Farb-Design: grau, gelb und blau statt rot. In einem nächsten Schritt folgt der Innen-Umbau. Bis Ende 2025 sollen alle S-Bahnen Mehrzweckräume mit Ladebuchsen für Handys und Laptops bekommen, aber auch neue Fahrradplätze.

Darüber hinaus wird in der Werkstatt regelmäßig geschrubbt. Jeden Tag steht eine Trockenreinigung an, einmal pro Woche wird nass geputzt. Und es gibt noch mehr zu tun, so wie bei einer Bahn, die gerade in der Werkstatt steht. Eine Seite des Fahrzeugs ist überzogen von bunten Graffiti. „In der Szene gab es Aufrufe, die neuen Fahrzeuge zu beschmieren“, weiß Dirk Rothenstein. Geldprämien sollen dafür im Umlauf sein. „Bei sowas informieren wir die Bundespolizei“, sagt der S-Bahn-Chef.

Ein Problem, das Dirk Rothenstein ständig umtreibt, ist der Personalmangel. „Wir suchen händeringend Leute“, sagt er. Rund 800 Menschen arbeiten bei der S-Bahn Stuttgart, davon 400 als Lokführer und gut 130 in der Werkstatt. Dass die Region Stuttgart im Schienenbereich europaweit zum Vorreiter in Sachen Digitalisierung werden möchte, begrüßt er und betont: „Es fallen dadurch keine Arbeitsplätze weg. Unser Ziel ist es ja, mehr Züge in kürzeren Abständen auf der gleichen Infrastruktur fahren zu lassen.“

