Die aktuell größte Kinderarztpraxis im Alten Haus in Kirchheim schrumpft zum Ende des Jahres. Zwei Ärzte werden das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin (MVZ) verlassen, das damit zur Einzelpraxis wird: Ulrich Kuhn und Dr. Wolf Rödiger. Zu den Gründen möchte sich Kinderarzt Stefan Gaißer nicht äußern. „Beide werden nicht mehr vertragsärztlich tätig sein“, sagt er nur. Er selbst macht weiter. Unterstützt wird Gaißer von Dorothee Keinath, einer angestellten Ärztin, die halbtags arbeitet.
Für Eltern und Kinder wird diese Veränderung in mehrfacher Hinsicht spürbar sein. Zum einen verkleinert sich die Praxis, in der die verbliebenen Ärzte praktizieren, denn Nachfolger hat Stefan Gaißer bisher nicht gefunden. „Wir trennen uns von den neuen Räumen, weil das finanziell nicht anders geht. Künftig sind wir wieder im Alten Haus“, sagt er.
Patienten werden verteilt
Zum anderen werden viele Kinder künftig von anderen Ärztinnen und Ärzten betreut werden. Stefan Gaißer hat sich mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Umland per Telefonkonferenz abgestimmt, wie Patientinnen und Patienten verteilt werden können. Nicht alle müssen die Praxis verlassen: „Kinder aus Kirchheim, Dettingen, Owen und dem Lenninger Tal, die bisher von Dr. Rödiger und Ulrich Kuhn behandelt wurden, werden wir versuchen, zu übernehmen“, stellt Stefan Gaißer klar. Die Patienten von Dr. Rödiger, die aus Wendlingen, Köngen oder Unterensingen stammen, müssen sich hingegen einen neuen Kinderarzt suchen. Die Praxis Luxenhofer in Wernau habe sich bereit erklärt, Kinder aufzunehmen, und auch eine Nürtinger Praxis.
Kinder aus Kirchheim, Dettingen, Owen und dem Lenninger Tal werden wir versuchen, zu übernehmen.
Stefan Gaißer, Kinderarzt
„Wir sind motiviert und optimistisch, dass wir es schaffen, die Patienten gut aufzuteilen“, sagt Stefan Gaißer. Ulrich Kuhn sei zuletzt ohnehin nur noch in Teilzeit tätig gewesen. „Er hatte schon einen halben Sitz an Dorothee Keinath abgegeben“, sagt er. Auch Dr. Wolf Rödiger sei nur anderthalb Tage die Woche in Kirchheim tätig gewesen und habe seine Hauptpraxis in Wendlingen gehabt. Diese Praxis, die eine Zweigpraxis des MVZ ist, schließt allerdings Ende des Jahres. Einen Nachfolger gibt es aktuell noch nicht. Die Zweigpraxis in Lenningen, so Gaißer, sei schon vor neun Monaten aufgegeben worden.
Findet sich bis Ende März kein Nachfolger oder keine Nachfolgerin, sind die Sitze in Kirchheim und Wendlingen weg. „Der Zeitraum für die Nachbesetzung läuft noch bis Ende März. Dann muss die Kassenärztliche Vereinigung (KV) den Sitz dem ältesten Job-Sharer geben“, sagt Stefan Gaißer. Rein rechnerisch gebe es im Landkreis Esslingen eine kinderärztliche Überversorgung, die allerdings regional sehr unterschiedlich verteilt ist. Die meisten Kinderärztinnen und -ärzte praktizieren in Esslingen.
Veränderungen auch im MVZ
Auch in der Kinder- und Jugendarztpraxis im MVZ Kirchheim müssen sich die Patientinnen und Patienten an völlig neue Gesichter gewöhnen, nachdem es in den vergangenen Jahren bereits mehrere Wechsel gegeben hat. Die Ärztin Michaela Rösel, die vor Jahren gemeinsam mit Dr. Katja Frankenbusch schon einmal in der Praxis beschäftigt war, geht zum Jahresende. Jasmin Strauß ist aktuell noch in Elternzeit. „Als neue Hauptkraft im Ärztinnen-Team konnten wir Dr. Dorothee Gölz gewinnen. Sie war viele Jahre als Oberärztin am Klinikum Ludwigsburg tätig“, sagt Maren Horbach, Leitende Mitarbeiterin in der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin im MVZ in Kirchheim. Unterstützt werde sie von der Weiterbildungsassistentin Dr. Schühlein und den beiden langjährigen Vertretungsärztinnen. Für Konstanz in der Praxis sorgt das Mitarbeiterinnen-Team.
In Weilheim hat Kinderärztin Dr. Regine Geiss-Holtorff nach langer Suche einen Nachfolger gefunden: Dr. Sebastian Schneider-Wirth kümmert sich jetzt dort um die jungen Patienten.

